Bodycams in der Notaufnahme: Klinikum zieht positive Bilanz im Kampf gegen Gewalt

Benedikt Hübenthal
Bodycams in der Notaufnahme: Klinikum testet erfolgreich Kameras

Gewalt, Pöbeleien und Handgreiflichkeiten gehören für viele Pflegekräfte und Ärzte mittlerweile zum traurigen Berufsalltag. Besonders in den Notaufnahmen kochen die Emotionen oft über. Um das eigene Personal besser vor diesen Übergriffen zu schützen, geht ein deutsches Krankenhaus nun einen drastischen, aber offenbar äußerst wirkungsvollen Weg: den Einsatz von Bodycams.

Pilotprojekt: Ein bundesweites Novum

Als erstes Krankenhaus in ganz Deutschland testet das Klinikum Dortmund derzeit den Einsatz von tragbaren Kameras in seinen Notaufnahmen. Das auf drei Monate angelegte Pilotprojekt startete Mitte Januar und zeigt bereits nach den ersten Wochen im Echtbetrieb beachtliche Erfolge. Ziel der Maßnahme ist es, die Sicherheit der Mitarbeitenden in den besonders stark belasteten Bereichen signifikant zu erhöhen und drohenden Eskalationen frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Deeskalation durch bloße Präsenz

Die ersten Erfahrungswerte des ärztlichen und pflegerischen Personals fallen durchweg positiv aus. Laut den Verantwortlichen der Zentralen Notaufnahme reichte in mehreren Fällen allein die Ankündigung, die kleine Kamera am Kittel einzuschalten, aus, um hitzige und potenziell gefährliche Situationen zu beruhigen. Das Tragen der Bodycams wirkt demnach nicht nur auf aggressive Patienten und Angehörige stark deeskalierend, sondern gibt auch dem Klinikpersonal ein dringend benötigtes Gefühl von Sicherheit zurück.

Strenge Regeln für den Kamera-Einsatz

Der Einsatz von Kameras in einem hochsensiblen Bereich wie einem Krankenhaus wirft naturgemäß Fragen zum Datenschutz auf. Daher wurde das Projekt im Vorfeld juristisch umfassend geprüft und mit strengen Auflagen versehen, die auch von der Landesdatenschutzbeauftragten mitgetragen werden. Die Kameras zeichnen nicht dauerhaft auf und sind an klare Richtlinien geknüpft:

  • Keine Aufnahmen im Behandlungszimmer: Während medizinischer Behandlungen oder vertraulicher Arzt-Patienten-Gespräche bleiben die Kameras strikt ausgeschaltet.
  • Einsatz nur bei Eskalation: Die Bodycams kommen primär in den Empfangs- und Wartebereichen zum Einsatz, wenn Konflikte spürbar außer Kontrolle geraten.
  • Transparenz: Bevor eine Aufzeichnung gestartet wird, muss das Personal dies dem Gegenüber deutlich und unmissverständlich ankündigen.
  • Freiwilligkeit: Ob eine Pflegekraft oder ein Arzt die Kamera trägt, ist komplett freiwillig.
  • Zusätzlicher Schutz: Die Geräte verfügen über einen integrierten Notrufknopf, um in extremen Gefahrensituationen sofort Hilfe rufen zu können.

Wachsende Gewalt gegen Pflegekräfte und Ärzte

Hintergrund dieses drastischen Schrittes ist eine bundesweit alarmierende Entwicklung. Studien und Umfragen, unter anderem im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft, belegen, dass die Gewaltbereitschaft gegenüber Klinikpersonal massiv zugenommen hat. Fast jede zweite Klinik sieht die Notaufnahme als absoluten Schwerpunkt für Übergriffe. Die Bandbreite reicht dabei von wüsten Beschimpfungen bis hin zu körperlicher Gewalt wie Schlägen, Tritten oder gar Bissen.

Auch wenn es sich bei den Aggressoren nur um einen verschwindend geringen Bruchteil der Patienten handelt, sind die Auswirkungen auf das ohnehin stark belastete Pflege- und Ärztepersonal immens. Die Bodycams sollen hier als effektives Mittel der Prävention dienen. Sollte sich das Dortmunder Pilotprojekt nach Ablauf der dreimonatigen Testphase weiterhin als Erfolg erweisen, könnte dieses Modell schon bald bundesweit Schule machen und einen neuen Standard für den Arbeitsschutz in deutschen Kliniken setzen.

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