Bundestag plant Kehrtwende: Honorarabschläge für Haus- und Kinderärzte sollen fallen
In der Gesundheitspolitik bahnt sich eine spürbare Korrektur an: Die umstrittenen Fixkostendegressionsabschläge für Hausärztinnen und Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte sollen wieder gestrichen werden. Nachdem die Kürzungsregelung im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes beschlossen worden war, kündigten Gesundheitspolitiker der Regierungsfraktion nun im Bundestag und in Fachrunden eine Rücknahme der Maßnahme an.
Umstrittene Sparmaßnahme soll rückgängig gemacht werden
Die Fixkostendegression sah vor, dass Praxen bei steigenden Patientenzahlen oder neu eingeschriebenen Patienten in der hausarztzentrierten Versorgung finanzielle Abschläge pro Behandlungsfall hinnehmen müssen. Dahinter stand die Annahme, dass mit wachsender Fallzahl die Fixkosten je Patient sinken. In der Praxis stieß diese Regelung jedoch auf heftigen Widerstand aus der Ärzteschaft.
Aus den Reihen des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag wurde nun betont, dass diese Maßnahme notwendigerweise korrigiert werden müsse. Ziel sei es, die ambulante Grundversorgung nicht durch Honorarbremsen zu schwächen, während gleichzeitig neue Aufgaben auf die Praxen zukommen.
Ärzteverbände sehen wichtiges Signal für die Primärversorgung
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hatte den Abschlag wiederholt als massives Hemmnis für eine verlässliche Patientenbetreuung kritisiert. Wer zusätzliche Patientinnen und Patienten aufnehme und mehr Versorgungsverantwortung übernehme, dürfe dafür nicht finanziell abgestraft werden.
Gerade vor dem Hintergrund geplanter Strukturreformen – etwa bei der Notfallversorgung und dem Ausbau des Primärarztsystems – galt die Regelung vielen Branchenvertretern als falsches Signal. Die geplante Streichung wird daher von Berufsverbänden als notwendiger Schritt bewertet, um den wirtschaftlichen Druck auf niedergelassene Praxen zu verringern.
Hintergrund: Warum die Debatte für Patienten wichtig ist
Die Rahmenbedingungen für niedergelassene Haus- und Kinderarztpraxen wirken sich unmittelbar auf die ambulante Versorgungsqualität aus. Zu den Kernpunkten der aktuellen Diskussion gehören:
- Praxisnachfolge und Engpässe: Bereits jetzt drohen in vielen Regionen Engpässe, da zahlreiche Mediziner vor dem Ruhestand stehen. Finanzielle Unsicherheiten erschweren Praxisübernahmen zusätzlich.
- Aufnahmestopps verhindern: Honorarabschläge bei steigenden Fallzahlen erhöhen das Risiko, dass Praxen gezwungen sind, Aufnahmestopps für Neupatienten zu verhängen.
- Stärkung der Hausarztzentrierten Versorgung: Die koordinierte Betreuung von chronisch Kranken und Pflegebedürftigen soll durch verlässliche Vergütungsstrukturen stabilisiert werden.
Mit der angekündigten Nachbesserung im Gesetzgebungsverfahren will die Politik sicherstellen, dass die wohnortnahe medizinische Versorgung verlässlich bleibt und Praxen nicht durch kontraproduktive Sparvorgaben ausgebremst werden.
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