Darmkrebsfrüherkennung: Warum die Altersgrenze vorerst nicht gesenkt wird
Die Altersgrenze für die Darmkrebsfrüherkennung bei gesetzlich Versicherten in Deutschland wird vorerst nicht gesenkt. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nach einer umfassenden Prüfung der aktuellen Studienlage. Weder ein früherer Beginn der Vorsorge noch kürzere Abstände zwischen den einzelnen Darmspiegelungen lassen sich derzeit wissenschaftlich fundiert begründen.
USA als Vorbild? Warum Deutschland nicht nachzieht
Aktuell haben gesetzlich Versicherte in Deutschland ab einem Alter von 50 Jahren Anspruch auf regelmäßige Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen. Dazu zählen der Test auf verborgenes Blut im Stuhl sowie die Darmspiegelung (Koloskopie). In den USA empfehlen medizinische Fachgesellschaften seit Kurzem einen früheren Beginn des Screenings bereits ab 45 Jahren. Auch hierzulande wurde intensiv darüber diskutiert, die Altersgrenze entsprechend abzusenken und den üblichen Zehn-Jahres-Mindestabstand zwischen zwei Darmspiegelungen zu verkürzen.
Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses hat das IQWiG diese Ansätze nun ausführlich geprüft. Das klare Ergebnis der Experten: Es fehlt an aussagekräftigen klinischen Studien, die belegen, dass Menschen ohne spezifisch erhöhtes Darmkrebsrisiko von einer flächendeckenden Untersuchung vor dem 50. Lebensjahr messbar profitieren würden.
Mehr Untersuchungen bedeuten nicht zwingend mehr Nutzen
Zwar zeigt eine Modellrechnung des Instituts, dass durch eine höhere Anzahl an Tests theoretisch mehr Krebserkrankungen frühzeitig entdeckt werden könnten. Allerdings wird deutlich gewarnt, dass damit auch der diagnostische Aufwand und die körperliche sowie psychische Belastung für die Patienten exponentiell ansteigen würden. Falsch-positive Ergebnisse und unnötige, teils belastende Eingriffe könnten die Folge sein. Eine Ausweitung des Screening-Programms erfordert laut den Wissenschaftlern daher eine sehr sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile.
Unterschiedliche Risikoprofile bei Männern und Frauen
Interessante Erkenntnisse lieferten die Modellierungen des IQWiG dennoch. So deuten die analysierten Daten darauf hin, dass Männer und Frauen unterschiedliche Risikoprofile aufweisen. Während bei Männern ein früherer Beginn der Vorsorge im Vergleich zur aktuellen Situation durchaus vorteilhaft sein könnte, profitieren Frauen potenziell auch noch im höheren Lebensalter deutlich von den Untersuchungen. Bis diese theoretischen Modelle jedoch in konkrete Richtlinien umgewandelt werden können, bedarf es weiterer, belastbarer Langzeitstudien.
Was Versicherte jetzt wissen müssen
Für die Patienten ändert sich durch den aktuellen Bericht vorerst nichts. Wer familiär nicht vorbelastet ist, kann die regulären Angebote zur Darmkrebsvorsorge weiterhin ab dem 50. Geburtstag in Anspruch nehmen. Mediziner raten dringend dazu, diese Möglichkeit nicht verstreichen zu lassen. Denn rechtzeitig erkannt, lassen sich Krebsvorstufen im Dickdarm meist sehr gut und unkompliziert behandeln, bevor eine lebensbedrohliche Erkrankung entsteht.
- Ab 50 Jahren: Anspruch auf einen jährlichen immunologischen Stuhltest oder wahlweise eine erste Darmspiegelung (Männer ab 50, Frauen ab 55 Jahren).
- Bei familiärer Vorbelastung: Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem behandelnden Arzt. Bei einem erhöhten Risiko gelten oft abweichende, individuell angepasste Empfehlungen für einen deutlich früheren Start der Vorsorge.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

