Erfolgreiches Projekt ElektRA: Wie Hausärzte den Antibiotika-Einsatz spürbar senken
Die Verschreibung von Antibiotika ist im medizinischen Alltag ein ständiger Balanceakt: Einerseits retten die Medikamente bei bakteriellen Infektionen Leben, andererseits führt ihr übermäßiger und oft unnötiger Einsatz zu gefährlichen Resistenzen. Besonders in Hausarztpraxen werden Antibiotika teils noch immer überdurchschnittlich häufig verordnet. Dass sich dieses Verordnungsverhalten durch gezielte Maßnahmen deutlich verbessern lässt, hat nun das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderte Projekt „ElektRA“ bewiesen.
Gezielte Unterstützung für den Praxisalltag
Das Forschungsprojekt, dessen Name für „Elektive Förderung Rationaler Antibiotikatherapie“ steht, nahm gezielt Arztpraxen in den Fokus, die im Vergleich zu ihren Kollegen besonders viele Antibiotika verschreiben. Um den Medizinern zu helfen, ihren Medikamenteneinsatz zu optimieren, wurden drei verschiedene praxisnahe Ansätze getestet:
- Individuelles Feedback: Die Praxen erhielten grafisch aufbereitete Infografiken, die ihr eigenes Verordnungsverhalten im Vergleich zu einer relevanten Arztgruppe widerspiegelten.
- Online-Fortbildungen: Ein spezielles E-Learning-Angebot vermittelte aktuelles Wissen zum rationalen Einsatz der Medikamente bei typischen Beschwerden wie Atemwegs- oder Harnwegsinfekten.
- Moderierter Austausch: In sogenannten Qualitätszirkeln konnten sich die Mediziner unter Anleitung von ärztlichen Kollegen (Peers) fortbilden und ihre Erfahrungen austauschen.
Fortbildungen zeigen die größte Wirkung
Die Auswertung des Projekts liefert vielversprechende Ergebnisse für das Gesundheitssystem. Während ein einfaches Anschreiben mit einer Infografik nur zu einer geringen Veränderung führte, zeigten die interaktiven Angebote einen durchschlagenden Erfolg. Laut den offiziellen Evaluationsberichten reduzierten Praxen, die an den Online-Schulungen oder den moderierten Qualitätszirkeln teilnahmen, ihre Antibiotika-Verordnungen um bis zu 15 Prozent im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Die teilnehmenden Ärzte lobten insbesondere den hohen praktischen Nutzen und den klaren Lerneffekt dieser Fortbildungen.
Der Weg in die Regelversorgung
Aufgrund dieser überzeugenden Resultate hat der Innovationsausschuss des G-BA nun die nächsten Schritte eingeleitet. Die Verbände der Kranken- und Pflegekassen auf Bundesebene sowie die Kassenärztlichen Vereinigungen wurden offiziell gebeten zu prüfen, wie diese erfolgreichen Ansätze künftig in Vertragsvereinbarungen und Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung fest verankert werden können. Ziel ist es, die Fortbildungsangebote flächendeckend zugänglich zu machen und so die Patientensicherheit in Deutschland durch die Vermeidung von Resistenzen nachhaltig zu erhöhen.
Weitere Innovationen auf dem Prüfstand
Neben dem Projekt ElektRA hat der Innovationsausschuss kürzlich auch weitere vielversprechende Konzepte zur Prüfung an die Krankenkassen weitergeleitet. Dazu gehört unter anderem das sogenannte „INTEGRATION-Programm“, das sich mit einer intensivierten Ernährungs- und Bewegungstherapie für Krebspatienten befasst, um therapiebedingte Nebenwirkungen und Langzeitfolgen effektiv zu lindern. Auch hier hoffen Experten auf eine baldige Übernahme der positiven Erkenntnisse in die reguläre Patientenversorgung.
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