Demenz-Prävention: Sport und Medikamente verbessern geistige Fitness nicht

Benedikt Hübenthal
Demenz-Studie: Sport & Blutdrucksenkung ohne Effekt auf Kognition

Die Hoffnung, dem schleichenden geistigen Abbau im Alter durch einen aktiven Lebensstil und die richtige medikamentöse Einstellung entkommen zu können, ist groß. Doch eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung dämpft nun die Erwartungen vieler Experten, Pflegender und Angehöriger. Wie aus einer im renommierten Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichten randomisierten klinischen Studie hervorgeht, haben weder intensives Ausdauertraining noch eine aggressive Senkung von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren einen messbaren positiven Effekt auf die Kognition von Risikopatienten.

Kein Schutzschild für das Gehirn

Für die Untersuchung wurden ältere Menschen begleitet, die bereits ein erhöhtes Risiko für eine Demenzerkrankung aufwiesen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob gezielte, intensive Interventionen den geistigen Verfall aufhalten oder die Hirnleistung sogar verbessern können. Dabei wurden verschiedene, für die Prävention oft empfohlene Ansätze getestet:

  • Regelmäßiges und gezieltes Ausdauertraining
  • Intensive medikamentöse Senkung des Blutdrucks und des LDL-Cholesterinspiegels
  • Eine Kombination aus beiden Maßnahmen

Die Ergebnisse fielen für die Demenzprävention ernüchternd aus: Keine der Maßnahmen führte zu einer signifikanten Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten der Probanden. Weder die sportliche Betätigung noch die optimale Einstellung der Blutwerte erwiesen sich als wirksames Schutzschild für die geistige Fitness in dieser spezifischen Risikogruppe.

Sport und Medikamente bleiben dennoch wichtig

Trotz dieser enttäuschenden Nachrichten für die Demenzforschung betonen Mediziner, dass Senioren nun keinesfalls auf Bewegung oder vom Arzt verschriebene Medikamente verzichten sollten. Die konsequente Senkung von zu hohem Blutdruck und Cholesterin ist nach wie vor essenziell, um lebensbedrohliche Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu verhindern. Auch Ausdauersport trägt massiv zur allgemeinen körperlichen Gesundheit, zur Sturzprävention, zur Erhaltung der Mobilität und nicht zuletzt zum seelischen Wohlbefinden im Alter bei.

Die Studie verdeutlicht jedoch eindrucksvoll, dass das menschliche Gehirn und die Entstehung von Demenz weitaus komplexer sind als bisher angenommen. Wenn der Prozess des kognitiven Abbaus bei Hochrisikopatienten erst einmal im Gange ist, reichen klassische Herz-Kreislauf-Interventionen allein offenbar nicht aus, um diesen aufzuhalten oder gar umzukehren.

Fokus auf Lebensqualität und ganzheitliche Pflege

Für Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Senioren bedeutet dies, dass der Fokus neben der rein körperlichen Gesunderhaltung verstärkt auf der Lebensqualität und der gezielten, empathischen Begleitung bei beginnenden kognitiven Einschränkungen liegen muss. Geistige Anregung im Alltag, soziale Kontakte und eine sichere Umgebung rücken damit weiter in den Mittelpunkt der modernen Seniorenbetreuung. Die Forschung sucht derweil unter Hochdruck weiter nach wirksamen Methoden, um Demenz frühzeitig zu erkennen und ursächlich zu behandeln. Bis ein echter medizinischer Durchbruch gelingt, bleibt die liebevolle und professionelle Pflege der wichtigste Anker für Betroffene.

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