Diabetischer Fuß: Warum kleine Wunden ein echter Notfall sind
Für die meisten Menschen ist eine kleine Blase oder ein Kratzer am Fuß völlig harmlos und nach wenigen Tagen vergessen. Für Menschen mit Diabetes hingegen kann genau das der Beginn einer lebensverändernden Komplikation sein. Das sogenannte diabetische Fußulkus wird im Pflegealltag und von Betroffenen selbst noch immer viel zu oft unterschätzt – mit fatalen Folgen, die im schlimmsten Fall bis zur Amputation führen können.
„Keine Bagatellwunde“: Eindringliche Warnung von Experten
Auf dem jüngsten Diabeteskongress wurde die Brisanz dieses Themas erneut in den Fokus gerückt. Fachexperten, darunter Elisabeth Wendt vom Helios Weißeritztal-Klinikum Freital, machten unmissverständlich klar, dass ein diabetisches Fußulkus niemals als Lappalie abgetan werden darf. Vielmehr handelt es sich dabei häufig um einen handfesten medizinischen Notfall. Die entscheidende Botschaft an Pflegekräfte, Angehörige und Patienten lautet: Bei der Entdeckung einer Wunde muss sofort gehandelt werden.
Warum ist der diabetische Fuß so gefährlich?
Die Tücke der Erkrankung liegt in den Begleiterscheinungen des Diabetes mellitus. Über Jahre hinweg erhöhte Blutzuckerwerte schädigen sowohl die Nerven (diabetische Polyneuropathie) als auch die Blutgefäße. Das führt zu einer gefährlichen Kombination:
- Fehlendes Schmerzempfinden: Durch die geschädigten Nerven spüren viele Patienten nicht, wenn der Schuh drückt oder sie sich verletzt haben. Die Wunde bleibt oft lange unbemerkt.
- Schlechte Durchblutung: Verengte Gefäße verhindern, dass ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe zur Wunde transportiert werden. Die natürliche Heilung ist massiv gestört.
- Erhöhte Infektionsgefahr: Bakterien haben bei dem geschwächten Gewebe leichtes Spiel, was schnell zu tiefgreifenden Entzündungen bis auf den Knochen führen kann.
Darauf müssen Pflegekräfte und Angehörige achten
Da die Betroffenen den Schmerz oft nicht wahrnehmen, ist die tägliche Sichtkontrolle der Füße unerlässlich. Besonders in der häuslichen und stationären Pflege muss genau hingeschaut werden. Alarmzeichen sind nicht nur offene Wunden, sondern auch Rötungen, Schwellungen, übermäßig warme Stellen am Fuß oder dunkle Verfärbungen der Haut. Auch Hornhautschwielen können Risse verbergen, unter denen sich bereits gefährliche Infektionen bilden.
Schnelles Handeln rettet Gliedmaßen
Sobald eine Auffälligkeit am Fuß eines Diabetikers festgestellt wird, ist Eile geboten. Das Abwarten oder die eigenmächtige Behandlung mit Hausmitteln und einfachen Pflastern ist strengstens untersagt. Der Weg muss umgehend zum Hausarzt, einem Diabetologen oder in eine spezialisierte Fußambulanz führen. Nur durch eine sofortige, fachgerechte Wundversorgung und Druckentlastung kann verhindert werden, dass sich die Infektion ausbreitet. Ein diabetisches Fußulkus verzeiht keine Verzögerung – es ist und bleibt ein Notfall.
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