Elektronische Patientenakte: Krankenhäuser hinken bei der Einführung massiv hinterher

Benedikt Hübenthal
ePA-Einführung stockt: Kliniken verfehlen gesetzliche Fristen

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen sollte eigentlich den Alltag von Patienten, Pflegekräften und Ärzten spürbar erleichtern. Ein zentraler Baustein dafür ist die elektronische Patientenakte (ePA), die wichtige medizinische Daten bündeln und jederzeit verfügbar machen soll. Doch die Realität in den deutschen Krankenhäusern sieht derzeit anders aus: Trotz klarer gesetzlicher Fristen kommt die flächendeckende Einführung nur äußerst schleppend voran.

Umfrage offenbart massive Verzögerungen

Eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), an der knapp 500 Kliniken teilnahmen, zeichnet ein ernüchterndes Bild der aktuellen Lage. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die ePA noch längst nicht im Klinikalltag angekommen ist.

  • Lediglich 26 Prozent der befragten Krankenhäuser gehen davon aus, die elektronische Patientenakte noch im ersten Quartal des Jahres krankenhausweit nutzen zu können.
  • Weitere 31 Prozent rechnen mit einer Einführung erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt, was auf erhebliche technische und organisatorische Hürden hindeutet.
  • Der Rest der Kliniken konnte noch keine verlässlichen Angaben zu einem Starttermin machen.

Die Folgen für den Pflege- und Behandlungsalltag

Für das medizinische Personal und die Pflegekräfte bedeutet diese Verzögerung, dass sie weiterhin oft auf papiergebundene Akten oder unzureichend vernetzte Insellösungen angewiesen sind. Die erhoffte Entlastung durch einen schnellen, digitalen Zugriff auf Vorerkrankungen, Medikamentenpläne und Allergien der Patienten lässt somit weiter auf sich warten. Gerade in Notfallsituationen oder bei der Übergabe zwischen verschiedenen Stationen kostet das Suchen nach wichtigen Gesundheitsinformationen wertvolle Zeit.

Hürden bei der Umsetzung

Die Gründe für die stockende Umsetzung sind vielfältig. Branchenexperten weisen immer wieder auf fehlende Software-Schnittstellen, mangelnde personelle Ressourcen in den IT-Abteilungen der Kliniken und hochkomplexe Datenschutzvorgaben hin. Hinzu kommen oftmals enorme Implementierungskosten, die viele Häuser in ohnehin wirtschaftlich angespannten Zeiten vor große Herausforderungen stellen. Die Technik ist in vielen Fällen schlichtweg noch nicht ausgereift genug, um reibungslos in die bestehenden Krankenhausinformationssysteme integriert zu werden.

Wie geht es nun weiter?

Um die gesetzlichen Vorgaben doch noch zu erfüllen und die Patientensicherheit durch lückenlose digitale Dokumentation zu erhöhen, bedarf es nun enormer Anstrengungen. Interessenvertreter und Klinikverbände fordern verstärkte finanzielle und strukturelle Unterstützung für die Krankenhäuser, damit die Digitalisierung nicht auf halber Strecke stehen bleibt und die elektronische Patientenakte endlich flächendeckend ihren Zweck erfüllen kann.

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