Erste Erhöhung seit 13 Jahren: Bundeskabinett beschließt neues Apothekenhonorar
Lange wurde gerungen, nun ist es offiziell: Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine historische Verordnung auf den Weg gebracht. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2013 wird das sogenannte Apothekenhonorar für rezeptpflichtige Medikamente angehoben. Für viele Apothekerinnen und Apotheker ist dies ein dringend notwendiger Schritt, um das flächendeckende Apothekensterben aufzuhalten. Doch die Freude in der Branche ist getrübt.
Stufenweise Erhöhung: Das ändert sich konkret
Die Anpassung des Fixhonorars, das Apotheken pro abgegebenem verschreibungspflichtigem Medikament erhalten, erfolgt in zwei Schritten. Dies entspricht der Umsetzung des aktuellen Koalitionsvertrages:
- Ab dem 1. Juli 2026: Erhöhung des Honorars von aktuell 8,35 Euro auf 9,00 Euro.
- Ab dem 1. Januar 2027: Weitere Anhebung auf die anvisierten 9,50 Euro.
Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) war dieser Schritt längst überfällig. Seit 13 Jahren gab es keine Anpassung mehr an die stetig steigenden Betriebskosten. Die drastische Folge: Jede fünfte Apotheke in Deutschland musste in diesem Zeitraum für immer ihre Türen schließen.
ABDA-Präsident warnt vor "halbherziger Stärkung"
Thomas Preis, Präsident der ABDA, begrüßt den Beschluss der Bundesregierung grundsätzlich als wichtiges Signal. Er betont jedoch, dass die Maßnahme viel früher hätte kommen müssen. Zudem kritisiert die Standesvertretung die stufenweise Umsetzung. Diese sorge für eine gefährliche Verzögerung bei der wirtschaftlichen Stabilisierung der Betriebe.
Noch schwerer wiegt allerdings ein weiteres Vorhaben der Bundesregierung, das die Honorarerhöhung de facto teilweise wieder zunichtemachen könnte. Ab dem kommenden Jahr soll der sogenannte Apothekenabschlag – also der Betrag, den Apotheken den gesetzlichen Krankenkassen als Rabatt gewähren müssen – auf 2,07 Euro pro verordnetem Medikament angehoben werden.
Droht eine Verschlechterung der Versorgung?
Für die Patienten, insbesondere für pflegebedürftige Menschen und Senioren, könnte die aktuelle Entwicklung direkt spürbare Auswirkungen haben. Wenn die wirtschaftliche Basis der Vor-Ort-Apotheken durch gegenläufige Sparmaßnahmen der Regierung weiter erodiert, drohen weitere Schließungen.
Die Apothekerverbände warnen davor, dass immer mehr Menschen längere Wege in Kauf nehmen müssen, um an ihre lebenswichtigen Medikamente zu gelangen. Die wohnortnahe Arzneimittelversorgung, die gerade in ländlichen Regionen ein zentraler Pfeiler der Gesundheitsversorgung ist, stehe weiterhin auf dem Spiel. Es bleibt abzuwarten, ob die Politik bei den geplanten Kassenabschlägen noch einmal nachbessert, um die flächendeckende Versorgung langfristig zu sichern.
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