Schutz vor Pflegebedürftigkeit: Neues Klinik-Konzept für Senioren bewährt sich
Ein Krankenhausaufenthalt soll heilen – doch für ältere und gebrechliche Menschen birgt er oft erhebliche Risiken. Nicht selten führen lange Liegezeiten und ungewohnte Umgebungen zu einem drastischen Abbau der körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Ein vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördertes Projekt namens „ReduRisk“ zeigt nun eindrucksvoll, wie sich diese Negativspirale durchbrechen lässt.
Gefahr im Krankenhaus: Wenn der Routineeingriff zur Pflegebedürftigkeit führt
Für geriatrische Patienten, also ältere Menschen mit oft mehreren Begleiterkrankungen, kann ein Klinikaufenthalt weitreichende Folgen haben. Zu den häufigsten Komplikationen zählen Verwirrtheitszustände (sogenannte Delire), ein rapider Verlust der Mobilität sowie die Risiken einer unpassenden Medikamentengabe. Im schlimmsten Fall droht nach der Entlassung die Einweisung in eine Pflegeeinrichtung.
Genau hier setzt das Projekt „ReduRisk“ (Reduktion von pflegerelevanten Risiken älterer Patienten) an, das am Universitätsklinikum Freiburg entwickelt und erprobt wurde. Laut den Verantwortlichen des Universitätsklinikums zielt das Programm darauf ab, durch eine frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren den funktionellen Abbau der betroffenen Patienten effektiv zu stoppen.
Das Konzept: Frühzeitiges Screening und maßgeschneiderte Hilfe
Die Grundidee des Projekts ist ebenso simpel wie effektiv: Unmittelbar nach der stationären Aufnahme durchlaufen Patienten ab 70 Jahren ein strukturiertes Risikoscreening. Wird ein erhöhtes Risiko für Immobilität, Delir oder einen allgemeinen körperlichen Abbau festgestellt, greift ein individuell angepasstes Präventionsprogramm.
Die wichtigsten Interventionsmodule im Überblick:
- Delirprävention: Gezielte Maßnahmen im Klinikalltag, um akute Verwirrtheitszustände von vornherein zu vermeiden.
- Mobilitätstraining: Angeleitete Bewegungstherapien, um dem gefährlichen Muskelabbau durch Bettlägerigkeit entgegenzuwirken.
- Medikationsberatung: Überprüfung und Anpassung der Medikamente zur Vermeidung gefährlicher Wechselwirkungen (Management von Polypharmazie).
- Versorgungsplanung: Strukturierte Vorbereitung und Begleitung auch über die Entlassung aus der Klinik hinaus.
Studie belegt signifikante Verbesserungen für Senioren
Um die Wirksamkeit dieses Konzepts zu überprüfen, wurde eine groß angelegte Studie mit 589 Hochrisikopatienten ab 70 Jahren durchgeführt. Die Teilnehmer wurden in eine Interventionsgruppe und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Die Auswertung liefert vielversprechende Ergebnisse:
Patienten, die das ReduRisk-Programm durchliefen, zeigten bei ihrer Entlassung und auch noch sechs Monate später eine deutlich bessere Bewältigung ihrer alltäglichen Aktivitäten. Zudem verbesserte sich die Mobilität nach einem halben Jahr signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe, die lediglich die Standardversorgung erhielt. Auch die kognitive Leistungsfähigkeit bei der Entlassung sowie die körperliche Lebensqualität fielen spürbar besser aus.
Ein weiterer wichtiger Erfolg: In beiden Gruppen konnte die Gabe potenziell ungeeigneter Medikamente reduziert werden – in der Interventionsgruppe fiel dieser positive Rückgang über sechs Monate hinweg jedoch noch deutlicher aus.
Keine höheren Kosten für das Gesundheitssystem
Interessanterweise zeigten sich bei Endpunkten wie der tatsächlichen Delir-Häufigkeit, Stürzen oder Wiedereinweisungen ins Krankenhaus keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Besonders wichtig für die Praxis: Die Kosten der Gesundheitsversorgung blieben stabil und unterschieden sich nicht nennenswert von der Routineversorgung. Das bedeutet, dass eine deutliche Steigerung der Lebensqualität für ältere Patienten möglich ist, ohne das ohnehin angespannte Gesundheitssystem finanziell zusätzlich zu belasten.
Ausblick: Ein Modell für ganz Deutschland?
Die Projektgruppe zieht ein überaus positives Fazit. Das ReduRisk-Programm hat sich als äußerst praktikabel erwiesen und ließ sich reibungslos in den oft hektischen Klinikalltag integrieren. Aufgrund dieser Erfolge werden die gesammelten Erkenntnisse nun an die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sowie an verschiedene medizinische Fachgesellschaften weitergeleitet. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass solche strukturierten Risikoscreenings für Senioren schon bald zum bundesweiten Standard in deutschen Kliniken werden könnten, um ältere Menschen besser vor Pflegebedürftigkeit zu schützen.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

