Gefahr am Venenzugang: Wie Routinekontrollen vor tödlicher Sepsis schützen
Sie gehören in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu den am häufigsten durchgeführten Maßnahmen: periphere Venenverweilkanülen (PVK). Nahezu jeder stationär aufgenommene Patient erhält früher oder später einen solchen Zugang, sei es für Infusionen, Medikamente oder Blutentnahmen. Doch gerade weil das Legen und Verwalten von Zugängen zum festen Alltag gehört, geraten die damit verbundenen Risiken im stressigen Schichtbetrieb mitunter aus dem Blickfeld. Experten für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention warnen: Ungenügend überwachte Venenkatheter können schwere lokale Infektionen und im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Sepsis auslösen.
Unterschätzte Pforte für Krankheitserreger
Jede Punktion der Haut durchbricht die natürliche Schutzbarriere des Körpers. Über die Einstichstelle oder den Katheter selbst können Bakterien – häufig Bestandteile der patienteneigenen Hautflora oder Keime aus der Umgebung – in die Blutbahn gelangen. Was zunächst als leichte Rötung oder Überwärmung an der Punktionsstelle beginnt, kann sich rasch zu einer Phlebitis (Venenentzündung) oder einer invasiven Blutstrominfektion auswachsen.
Krankenhaushygieniker betonen daher, dass die regelmäßige Inspektion eines venösen Zugangs keineswegs als beiläufige Routinehandlung abgetan werden darf. Sie stellt vielmehr eine der wirksamsten Barrieren dar, um katheterassoziierte Infektionen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren.
Prävention im Pflegealltag: Worauf es ankommt
Um Komplikationen zu vermeiden, setzen moderne Pflegestandards und Hygienerichtlinien auf klare Handlungsempfehlungen:
- Tägliche Indikationsprüfung: Der beste Schutz vor Katheterinfektionen ist das rechtzeitige Entfernen nicht mehr benötigter Zugänge. Täglich sollte kritisch hinterfragt werden, ob der Venenkatheter weiterhin zwingend erforderlich ist.
- Strikte Einstichstellenkontrolle: Das Verbandmaterial und die Einstichstelle müssen mindestens einmal täglich – bei Beschwerden sofort – auf Rötungen, Schwellungen, Druckschmerz oder Sekretbildung inspiziert und palpiert werden.
- Aseptisches Arbeiten: Beim Legen, Verbandswechsel und bei jeder Manipulation an Dreiwegehähnen oder Konnektionsstellen ist eine konsequente Händedesinfektion sowie die Desinfektion der Konnektoren unerlässlich.
- Transparente Verbände: Die Verwendung von sterilen, transparenten Folienverbänden ermöglicht eine kontinuierliche Sichtkontrolle der Punktionsstelle, ohne den Verband manipulieren zu müssen.
Sepsis frühzeitig erkennen
Entwickelt ein Patient mit einem Venenverweilkatheter plötzliches Fieber, Schüttelfrost, Tachykardie oder einen unerklärlichen Blutdruckabfall, muss unverzüglich an eine katheterassoziierte Sepsis gedacht werden. In solchen Fällen ist der Zugang in der Regel sofort zu entfernen und mikrobiologisch zu untersuchen, während umgehend therapeutische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Die Wachsamkeit des Pflegepersonals ist hierbei der entscheidende Faktor: Ein aufmerksamer Blick auf die Punktionsstelle schützt Patienten effektiv vor schweren Komplikationen und rettet im Zweifel Leben.
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