Gefäßmediziner fordern gezielte Früherkennung für pAVK

Dominik Hübenthal
pAVK-Screening: Gefäßmediziner fordern gezielte Früherkennung für Risikogruppen

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), im Volksmund oft als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, ist eine weit verbreitete, aber nach wie vor stark unterschätzte Volkskrankheit. Führende Gefäßmediziner der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) fordern deshalb ein strukturiertes und risikobasiertes Screening. Ziel ist es, verengte Blutgefäße in den Beinen frühzeitig zu erkennen, bevor irreversible Gewebeschäden oder gar Amputationen drohen.

Eine schleichende Gefahr für Millionen Menschen

Weltweit leiden nach Schätzungen von Experten fast 320 Millionen Menschen an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Das Tückische an der Erkrankung: In den Anfangsstadien verläuft sie häufig völlig symptomlos oder wird von den Betroffenen nicht ernst genommen. Erst wenn die Durchblutung so stark eingeschränkt ist, dass beim Gehen Schmerzen in den Waden oder Oberschenkeln auftreten und Betroffene zum Stehenbleiben zwingen, wird ärztlicher Rat gesucht.

Experten warnen davor, die pAVK als bloße Alterserscheinung abzutun. Eine Verengung der Beinarterien ist meist das sichtbare Zeichen einer generalisierten Arteriosklerose im gesamten Körper. Betroffene weisen daher ein drastisch erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle auf.

Einfache und schmerzfreie Früherkennung

Um Gefäßverschlüsse rechtzeitig aufzudecken, setzen Mediziner auf eine einfache, kostengünstige und nicht-invasive Untersuchungsmethode: die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (Ankle-Brachial-Index, ABI). Dabei wird der Blutdruck an beiden Armen und Knöcheln mit einer Ultraschall-Doppler-Sonde gemessen und ins Verhältnis gesetzt.

Weicht der Wert signifikant nach unten ab, deutet dies zuverlässig auf eine Durchblutungsstörung in den Beinen hin – selbst dann, wenn Patienten noch über keinerlei Gehschmerzen klagen. Fachgesellschaften empfehlen eine solche Untersuchung insbesondere für definierte Risikogruppen:

  • Personen ab dem 65. Lebensjahr
  • Menschen mit Diabetes mellitus
  • Raucherinnen und Raucher sowie Personen mit langjährigem Nikotinkonsum
  • Patienten mit chronischer Nierenschwäche oder Bluthochdruck
  • Personen mit bekannten Fettstoffwechselstörungen oder kardiovaskulären Vorerkrankungen

Bedeutung für die Pflege und den Alltag

Gerade in der ambulanten und stationären Altenpflege spielt die rechtzeitige Erkennung von Durchblutungsstörungen eine zentrale Rolle. Bei immobilen Senioren oder Menschen mit diabetischen Nervenschäden (Polyneuropathie) fehlen die typischen Belastungsschmerzen beim Gehen oft vollständig. Unentdeckte Gefäßverschlüsse können hier rasch zu chronischen, schlecht heilenden Wunden an Füßen und Unterschenkeln sowie zum diabetischen Fußsyndrom führen.

Pflegekräfte und Angehörige sollten daher auf Warnsignale wie kalte, blasse oder bläulich verfärbte Füße, verlangsamtes Nagelwachstum, fehlende Fußpulse oder Schmerzen im Liegen achten. Wird eine pAVK frühzeitig diagnostiziert, lässt sich das Fortschreiten durch gezieltes Gehtraining, Anpassungen des Lebensstils, blutverdünnende Medikamente oder minimalinvasive Kathetereingriffe meist wirkungsvoll aufhalten.

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