Gesundheitsexperten fordern: Neue Steuern sollen direkt in die Prävention fließen

Dominik Hübenthal
Zucker- und Tabaksteuer für die Prävention: Experten fordern Umdenken

Die Debatte um die Finanzierung unseres Gesundheitssystems nimmt an Fahrt auf. Angesichts steigender Kosten und einer massiven Belastung des Pflege- und Medizinpersonals rückt ein Thema immer stärker in den Fokus: die Prävention. Auf dem Nachhaltigkeitsforum „We Act Con“ diskutierten führende Gesundheitsexperten und Politiker darüber, wie Krankheiten vermieden werden können, bevor sie entstehen – und wer das bezahlen soll.

Steuereinnahmen zweckbinden: Ein klarer Plan für die Gesundheit

Ein vielversprechender Lösungsansatz kommt aus den Reihen der Politik. Serdar Yüksel, SPD-Politiker und Mitglied des Bundesgesundheitsausschusses, formulierte eine deutliche Forderung: Die Einnahmen aus der geplanten Zuckerabgabe, der Branntweinsteuer sowie der Tabaksteuer sollen nicht einfach im allgemeinen Bundeshaushalt versickern. Stattdessen müssten diese Gelder zweckgebunden direkt in den Gesundheits- und Präventionsbereich fließen.

Dieser Schritt könnte dringend benötigte Milliarden freisetzen, um das chronisch unterfinanzierte System zu entlasten und gezielte Gesundheitsprogramme aufzubauen. Gerade für die Pflegebranche, die tagtäglich mit den Folgen vermeidbarer Zivilisationskrankheiten konfrontiert ist, wäre ein solcher Fokus auf Vorsorge ein entscheidender Befreiungsschlag.

Soziale Gerechtigkeit und das kommende Präventionsgesetz

Ein zentrales Anliegen der Experten ist der gerechte Zugang zu Gesundheitsmaßnahmen. Prävention dürfe kein Privileg für Besserverdienende sein, betonte Yüksel auf dem Forum. Es brauche dringend niedrigschwellige Angebote, die Bürgerinnen und Bürger aller Einkommensstufen erreichen und mitnehmen.

Um diese Ziele verbindlich zu verankern, wächst der Druck auf das Bundesgesundheitsministerium. Ein umfassendes Präventionsgesetz wird laut Yüksel zwingend kommen müssen. Die aktuelle Umbruchphase im Sozialstaat müsse genutzt werden, um bestehende Ineffizienzen zu ordnen und zukunftsfähige Strukturen zu schaffen.

WHO warnt vor reinen Verboten – Vorbild England

Doch wie genau sollen staatliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung aussehen? Rüdiger Krech, Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), warnte auf der Veranstaltung davor, ausschließlich auf Verbote zu setzen. Ein plötzliches, generelles Alkoholverbot sei beispielsweise gesellschaftlich nicht durchsetzbar und verfehle oft seine Wirkung.

Stattdessen lohne sich der Blick ins Ausland. England zeige mit innovativen Ansätzen, wie erfolgreiche Gesundheitspolitik funktionieren kann:

  • Schrittweiser Tabak-Ausstieg: Der Zugang zu Tabakprodukten wird für nachfolgende Jahrgänge sukzessive erschwert oder gänzlich verboten.
  • Ganzheitliche Zuckersteuer: Maßnahmen werden nicht isoliert, sondern als flächendeckendes Gesamtpaket umgesetzt.

Besonders wichtig sei es, einen nationalen Flickenteppich zu vermeiden. Es dürfe nicht jedes Bundesland seinen eigenen Weg gehen. Nur durch einheitliche, gut durchdachte Strategien, bei denen alle Beteiligten an einem Tisch sitzen, könne die Prävention in Deutschland nachhaltig gestärkt werden.

Für Pflegekräfte und Mediziner ist die Botschaft klar: Eine gut finanzierte und klug umgesetzte Präventionsstrategie ist der beste Weg, um das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Bleibt zu hoffen, dass die politischen Forderungen nun auch zügig in Gesetze gegossen werden.

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