Gesundheitssystem am Limit: Ärztebündnis fordert radikalen Fokus auf Prävention

Djamal Sadaghiani
Paradigmenwechsel: Ärzte fordern höhere Steuern auf Zucker & Tabak

Das deutsche Gesundheitssystem verschlingt jährlich rund 500 Milliarden Euro und gehört damit zu den teuersten der Welt. Dennoch liegt die Lebenserwartung hierzulande unter dem Durchschnitt vergleichbarer Industrienationen. Ein breites Bündnis aus dem Gesundheitswesen schlägt nun Alarm und fordert einen radikalen Kurswechsel: Weg von der reinen Reparaturmedizin, hin zu einer konsequenten Vorbeugung von Krankheiten.

"Gesundheit gestalten statt verwalten"

Unter diesem Motto haben die Bundesärztekammer (BÄK), das Forum Gesundheitsziele sowie die Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung (BVPG) ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht. Die zentrale Botschaft der Initiatoren ist eindeutig: Deutschland investiert massiv in die Behandlung von Krankheiten, vernachlässigt aber systematisch deren Vermeidung. Derzeit fließen lediglich drei bis fünf Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in präventive Maßnahmen.

Laut dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, würde ein stärkerer Fokus auf die Prävention nicht nur die Lebensqualität der Bevölkerung spürbar verbessern, sondern das gesamte System auf lange Sicht finanziell massiv entlasten.

Die zentralen Forderungen des Bündnisses

Um eine echte Präventionswende herbeizuführen, fordern die Verbände von der Politik sofortige und weitreichende Maßnahmen. Diese orientieren sich stark an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

  • Gesundheitssteuern: Deutlich höhere Abgaben auf Tabak, Alkohol und stark zuckerhaltige Produkte sollen klare Anreize für ein gesünderes Konsumverhalten setzen.
  • Werbeverbote: Strikte Einschränkungen für das Marketing ungesunder Produkte, insbesondere um Kinder und Jugendliche zu schützen.
  • Verpflichtende Bildung: Die Verankerung von Gesundheitsbildung als festen Bestandteil in Schulen und Kindertagesstätten.
  • Ressortübergreifende Politik: Gesundheit darf nicht nur Thema des Gesundheitsministeriums sein ("Health in all Policies"), sondern muss bei allen politischen Entscheidungen mitgedacht werden.

Prävention als volkswirtschaftlicher Motor

Dass sich Investitionen in die Gesundheit auch volkswirtschaftlich auszahlen, betonen die Experten mit Nachdruck. Ulrike Elsner, Co-Vorsitzende des Forums Gesundheitsziele, verweist darauf, dass ein Umdenken bares Geld für die Versichertengemeinschaft spart. Berechnungen des Bündnisses zufolge ließe sich das deutsche Bruttoinlandsprodukt um rund 250 Milliarden Euro pro Jahr steigern, wenn international bewährte Präventionsmaßnahmen auch hierzulande konsequent umgesetzt würden.

Für Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Präsidentin der BVPG, ist die Gesundheitsförderung längst keine Kür mehr. Sie sei vielmehr die absolute Grundvoraussetzung, um das Gesundheitssystem nachhaltig zu stabilisieren und gesundheitliche Chancengleichheit zu gewährleisten.

Rückenwind aus der Politik?

Die Forderungen der Ärzteschaft fallen in eine Zeit intensiver politischer Debatten. Schleswig-Holstein plant bereits eine Bundesratsinitiative zur Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke. Zudem hatte sich Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kürzlich auf einem Präventionsgipfel der Krankenkassen für mehr Vorbeugung ausgesprochen. Ob die Politik jedoch den Mut aufbringt, unpopuläre Maßnahmen wie Steuererhöhungen auf Genussmittel flächendeckend durchzusetzen, wird sich in den kommenden Verhandlungen zeigen müssen.

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