Gesundheitswende: Neue Präventionsoffensive soll Pflegebedürftigkeit stoppen
Ein Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Anstatt erst einzugreifen, wenn Menschen bereits erkrankt oder pflegebedürftig sind, soll die Gesundheit künftig aktiv gefördert werden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat hierzu eine umfassende Präventionsoffensive gestartet. Das erklärte Ziel: Prävention soll zu einer tragenden Säule der medizinischen Versorgung und Pflege werden.
Laut der Gesundheitsministerin leiste das derzeitige System zwar eine hochwertige Versorgung im Krankheitsfall, doch müsse man künftig deutlich besser darin werden, Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Prävention sei demnach keine Nebensache mehr, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe für die gesamte Gesellschaft.
Fokus auf Senioren: Der neue "Check-up 60 plus"
Besonders für ältere Menschen und pflegende Angehörige bringt die Initiative vielversprechende Neuerungen. Im Rahmen der geplanten Pflegereform sollen Versicherte ab 60 Jahren Anspruch auf einen sogenannten "Check-up 60 plus" erhalten. Dieser erweiterte Gesundheitscheck zielt darauf ab, altersbedingte Risiken frühzeitig zu erkennen.
Ein frühzeitiges Eingreifen soll die Selbstständigkeit von Senioren so lange wie möglich erhalten. Damit sollen drohende Pflegebedürftigkeiten gezielt verhindert, zeitlich nach hinten verschoben oder zumindest in ihrer Schwere abgemildert werden.
Pflegebegleitung als neue Stütze
Zusätzlich plant das Bundesgesundheitsministerium die Etablierung einer sogenannten Pflegebegleitung. Diese soll Betroffenen und ihren Familien künftig aktiv dabei helfen, geeignete Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Oftmals scheitert die Inanspruchnahme solcher Angebote im Alltag an bürokratischen Hürden oder schlichter Unkenntnis – genau hier soll die neue Begleitung ansetzen.
Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die Offensive wird von wichtigen Akteuren des Gesundheitssystems unterstützt. Die Bundesärztekammer sieht in den Plänen die Chance für einen echten Paradigmenwechsel. Wer heute in wirksame Vorbeugung investiere, verhindere morgen vermeidbare Leiden, so die Einschätzung der Ärzteschaft.
Auch der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) begrüßt den Vorstoß. Die Ausgaben der Krankenkassen für Gesundheitsförderung sind im vergangenen Jahr zwar bereits auf 734 Millionen Euro gestiegen, doch das System stoße allmählich an seine Grenzen. Um einen nachhaltigen Mentalitätswandel zu erreichen, müssen laut dem GKV-Spitzenverband nun auch Bund, Länder und Kommunen mehr finanzielle Verantwortung übernehmen.
Weitere geplante Maßnahmen im Überblick
- Digitale Einladungen: Kinder und Jugendliche sollen künftig verpflichtende, digitale Einladungen zu wichtigen Vorsorgeuntersuchungen erhalten.
- Betriebliche Gesundheit: Kleine und mittlere Unternehmen sollen bei der Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter stärker unterstützt werden.
- Ressortübergreifende Zusammenarbeit: Das Gesundheitsministerium will in den kommenden Monaten mit verschiedenen Politikfeldern zusammenarbeiten, um Prävention fest im Alltag der Menschen zu verankern.
Die Präventionsoffensive knüpft an das Präventionsgesetz von 2015 an und soll dieses konsequent weiterentwickeln. Ob und wie schnell die ambitionierten Ziele im Pflege- und Gesundheitsalltag spürbar werden, wird maßgeblich von der zügigen Umsetzung der geplanten Reformen abhängen.
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