Nordrhein-Westfalen erhöht Landarztquote: Mehr Medizinstudienplätze gegen den Ärztemangel
Nordrhein-Westfalen verstärkt den Kampf gegen den drohenden Ärztemangel auf dem Land. Um die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen langfristig zu sichern, weitet die Landesregierung die sogenannte Landarztquote deutlich aus. Ab dem Wintersemester 2026/27 stehen mehr Studienplätze für angehende Medizinerinnen und Mediziner zur Verfügung, die sich für eine spätere Tätigkeit als Hausarzt auf dem Land verpflichten.
Mehr Studienplätze für die ländliche Versorgung
Konkret wird der Anteil der reservierten Studienplätze an staatlichen Universitäten in Nordrhein-Westfalen von bislang 7,8 Prozent auf 8,8 Prozent angehoben. Dies entspricht insgesamt 227 Studienplätzen für das kommende Studienjahr – ein Plus von 25 Plätzen beziehungsweise zwölf Prozent. Mit insgesamt rund 2.750 Studienplätzen in der Humanmedizin stellt Nordrhein-Westfalen ohnehin das bundesweit größte Angebot, wovon nun ein noch größerer Teil gezielt der ländlichen Versorgung zugutekommt.
Wie funktioniert die Landarztquote?
Das Prinzip der Landarztquote ist einfach, aber wirkungsvoll: Die ausgewählten Bewerberinnen und Bewerber erhalten einen begehrten Studienplatz für Humanmedizin. Im Gegenzug verpflichten sie sich vertraglich, nach dem Abschluss ihrer Facharztweiterbildung für mindestens zehn Jahre als Hausärztin oder Hausarzt in einer unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Region zu arbeiten. Laut dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium hat sich dieses Modell, das 2019 als bundesweit erstes seiner Art eingeführt wurde, bestens bewährt. Bereits jetzt haben sich mehr als 1.100 künftige Hausärzte über diese Quote verpflichtet. Die ersten Absolventen befinden sich aktuell schon in der Weiterbildung zum Facharzt.
Zugang zum Medizinstudium auch ohne Einser-Abitur
Ein großer Vorteil der Landarztquote ist das abweichende Auswahlverfahren. Wer über diesen Weg Medizin studieren möchte, benötigt nicht zwingend das klassische Einser-Abitur, da der strenge Numerus Clausus (NC) in dieser Form nicht greift. Die Auswahl der Kandidaten erfolgt über das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz (LfGA NRW). Neben der Abiturnote und dem Ergebnis des Medizinertests (TMS) fließen vor allem berufliche Vorerfahrungen im Gesundheitswesen in die Bewertung ein. Zudem gibt es strukturierte Auswahlgespräche, bei denen soziale Kompetenzen und Empathie im Vordergrund stehen – Eigenschaften, die für den Beruf des Hausarztes von entscheidender Bedeutung sind.
Ein Vorbild für andere Bundesländer
Mit der Erhöhung der Quote setzt Nordrhein-Westfalen ein klares Signal für eine zukunftssichere Patientenversorgung. Das Modell hat mittlerweile in zahlreichen anderen Bundesländern Nachahmer gefunden und gilt als einer der wichtigsten Bausteine, um dem demografischen Wandel und dem damit verbundenen Hausärztemangel abseits der Großstädte aktiv zu begegnen.
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