GKV-Milliardenloch: Warum weniger Krankenkassen nicht beim Sparen helfen

Dominik Hübenthal
Finanzkommission: Weniger Krankenkassen sparen kein Geld

In der öffentlichen Debatte um die explodierenden Kosten im Gesundheitssystem gibt es zwei populäre Forderungen: Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen drastisch reduzieren und die Gehälter der Kassen-Vorstände kappen. Doch wer gehofft hat, dass sich das gewaltige Milliardenloch der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durch diese Maßnahmen stopfen lässt, wird nun enttäuscht.

Expertenbericht: Kassen-Fusionen bringen keinen Spareffekt

Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Finanzkommission Gesundheit hat einen umfassenden, 483 Seiten starken Report vorgelegt. Die klare Botschaft des zehnköpfigen Gremiums: Eine Verringerung der Kassenanzahl führt nicht zu nennenswerten finanziellen Entlastungen. Laut dem Kommissionsbericht gibt es schlichtweg keinen empirischen Beleg dafür, dass größere Krankenkassen pro Versichertem effizienter oder günstiger wirtschaften als kleinere.

Auch die oft kritisierten Vorstandsgehälter der Krankenkassen fallen angesichts der gigantischen Gesamtausgaben der GKV kaum ins Gewicht. Selbst wenn man hier drastisch kürzen würde, bliebe der erhoffte große Spareffekt aus. Das Problem liegt tiefer im System verankert.

Das tatsächliche Ausmaß der Finanzlücke

Die nackten Zahlen, die die Experten präsentieren, sind alarmierend. Ohne massives Gegensteuern droht der gesetzlichen Krankenversicherung bereits im Jahr 2027 eine Finanzierungslücke von rund 15 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2030 könnte dieses Defizit sogar auf bis zu 40 Milliarden Euro anwachsen. Würde die Politik nicht eingreifen, kämen auf jeden Beitragszahler drastische Mehrbelastungen zu. Die Kommission warnt vor bis zu 680 Euro zusätzlichen Kosten pro Jahr für ein durchschnittliches Mitglied bis 2030.

Wo stattdessen gespart werden soll

Um die drohende Finanzkrise abzuwenden, hat die Kommission insgesamt 66 konkrete Reformvorschläge erarbeitet. Diese zielen nicht auf die Verwaltung der Kassen ab, sondern greifen tief in die Leistungsstruktur und die Taschen der Versicherten ein. Zu den brisantesten Vorschlägen gehören:

  • Höhere Zuzahlungen für Medikamente: Der Eigenanteil der Patienten könnte von derzeit maximal zehn Euro auf bis zu 15 Euro pro Präparat steigen.
  • Einschnitte beim Krankengeld: Der Zahlbetrag soll laut den Experten von aktuell 70 auf 65 Prozent des Bruttogehalts sinken. Zudem wird ein gestaffeltes Teilkrankengeld vorgeschlagen.
  • Ende der kostenlosen Familienversicherung: Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern könnte entfallen und durch einen pauschalen Eigenbeitrag ersetzt werden.
  • Neue Steuern: Um frisches Geld in das System zu pumpen, empfiehlt das Gremium die Einführung einer Zuckersteuer auf Softdrinks sowie spürbare Erhöhungen der Tabak- und Alkoholsteuer.
  • Streichung von Zusatzleistungen: Die Finanzierung von homöopathischen Behandlungen durch die GKV soll komplett gestrichen werden.

Die Politik ist nun am Zug

Mit dem vorgelegten Report liegt der Ball nun im Spielfeld der Politik. Die Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit bieten ein theoretisches Entlastungspotenzial von über 40 Milliarden Euro. Doch welche dieser teils sehr unpopulären Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, muss die Bundesregierung in den kommenden Monaten entscheiden. Fest steht jedoch: Die Illusion, man könne das System allein durch weniger Krankenkassen und niedrigere Chefgehälter sanieren, ist endgültig geplatzt.

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