Herzinfarkt-Nachsorge: Wann Betablocker sicher abgesetzt werden können

Benedikt Hübenthal
Betablocker nach Herzinfarkt absetzen: Neue Studie zeigt, wann es sicher ist

Für Millionen von Menschen gehört der tägliche Griff zur Tablettenbox nach einem überstandenen Herzinfarkt zur lebenswichtigen Routine. Über Jahrzehnte hinweg galten Betablocker als absolut unverzichtbarer Bestandteil der kardiologischen Nachsorge. Sie sollen das Herz entlasten, den Blutdruck senken und das Risiko für einen erneuten Infarkt minimieren. Doch eine aktuelle medizinische Untersuchung bringt nun Bewegung in die bisherigen Behandlungsstandards: Unter ganz bestimmten Voraussetzungen können diese Medikamente offenbar völlig gefahrlos abgesetzt werden.

Neue Erkenntnisse aus der Kardiologie

Auf der renommierten Fachtagung des American College of Cardiology (ACC) in New Orleans wurden kürzlich zukunftsweisende Ergebnisse einer groß angelegten, randomisierten Studie präsentiert. Im Fokus der Forscher standen Patienten, die zwar in der Vergangenheit einen Herzinfarkt erlitten haben, deren Herz aber mittlerweile wieder über eine stabile und normale Pumpfunktion verfügt. Das für viele überraschende Resultat: Der Verzicht auf Betablocker brachte für diese spezifische Patientengruppe keinerlei gesundheitliche Nachteile mit sich. Das Risiko für Folgeerkrankungen stieg durch das Absetzen nicht an.

Warum das Absetzen eine Erleichterung sein kann

Betablocker sind hochwirksame Medikamente, die das Herz vor Stresshormonen abschirmen. Dieser Schutzmechanismus geht jedoch häufig mit spürbaren Begleiterscheinungen einher, die die Lebensqualität der Betroffenen im Alltag einschränken können. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen:

  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schwindelgefühle, insbesondere beim Aufstehen
  • Kalte Hände und Füße durch eine veränderte Durchblutung
  • Gewichtszunahme und depressive Verstimmungen

Für Patienten, die unter diesen Symptomen leiden, bietet die neue Studienlage einen enormen Lichtblick. Wenn medizinisch nichts dagegen spricht, könnte der Verzicht auf die Tabletten ein großes Stück Lebensqualität zurückbringen.

Für wen ist das Absetzen sicher?

Die Kardiologen betonen ausdrücklich, dass die Entwarnung nicht pauschal für alle Herzpatienten gilt. Der entscheidende Faktor ist die sogenannte Auswurffraktion (Ejektionsfraktion) des Herzens. Nur wenn diese Pumpfunktion nach dem Infarkt stabil geblieben ist oder sich wieder vollständig normalisiert hat, ist ein Verzicht auf Betablocker medizinisch vertretbar. Patienten, die infolge des Herzinfarkts eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) entwickelt haben, sind weiterhin dringend auf die schützende Wirkung der Medikamente angewiesen.

Wichtiger Hinweis: Niemals auf eigene Faust handeln

Auch wenn die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse vielversprechend sind, warnen Ärzte eindringlich vor eigenmächtigen Therapieänderungen. Ein abruptes Absetzen von Betablockern kann zu einem gefährlichen Rebound-Effekt führen, bei dem der Blutdruck und die Herzfrequenz plötzlich in die Höhe schnellen. Dies kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein.

Patienten, die ihre Medikation hinterfragen oder unter starken Nebenwirkungen leiden, sollten daher zwingend das Gespräch mit ihrem behandelnden Kardiologen suchen. Mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen (Echokardiografie) kann der Arzt die aktuelle Pumpfunktion des Herzens präzise beurteilen und gemeinsam mit dem Patienten entscheiden, ob ein langsames und kontrolliertes Ausschleichen des Betablockers eine sichere Option darstellt.

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