Hoffnung bei Long COVID: Krankenkassen zahlen vier neue Medikamente

Djamal Sadaghiani
Long COVID & ME/CFS: GKV zahlt 4 Medikamente im Off-Label-Use

Hunderttausende Menschen in Deutschland leiden unter den massiven Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Bislang gab es für sie nicht nur hohe gesundheitliche, sondern oft auch finanzielle Hürden, da lindernde Medikamente meist aus eigener Tasche bezahlt werden mussten. Das ändert sich nun: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat offiziell beschlossen, dass die gesetzlichen Krankenkassen künftig die Kosten für vier vielversprechende Wirkstoffe im sogenannten Off-Label-Use übernehmen.

Was bedeutet Off-Label-Use für Betroffene?

Bislang gibt es noch keine Medikamente, die speziell und offiziell für die ursächliche Behandlung von Long- oder Post-COVID zugelassen sind. In der Praxis haben Ärzte und Forscher jedoch festgestellt, dass bestimmte, bereits für andere Krankheiten zugelassene Präparate die schweren Beschwerden deutlich lindern können. Wird ein solches Medikament außerhalb seines eigentlichen Zulassungsbereichs verschrieben, spricht man vom Off-Label-Use. Bisher mussten Patienten diese Therapien oft mühsam erkämpfen oder als Privatrezept selbst bezahlen. Durch die neue Regelung des G-BA werden diese Behandlungsoptionen nun endlich Teil der regulären Kassenleistung.

Diese vier Medikamente werden nun von der Kasse bezahlt

Die wegweisende Entscheidung basiert auf den fundierten Empfehlungen einer speziellen Expertengruppe des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums handelte. Konkret geht es um folgende vier Wirkstoffe, die teils auch bei der postinfektiösen Myalgischen Enzephalomyelitis (ME/CFS) eingesetzt werden dürfen:

  • Ivabradin: Dieses bekannte Herzmedikament hilft Patienten, die nach einer COVID-19-Infektion unter einem stark beschleunigten Puls beim Aufstehen (dem sogenannten PoTS) leiden und herkömmliche Betablocker nicht vertragen oder für diese nicht geeignet sind.
  • Metformin: Das bewährte Diabetes-Medikament kann künftig zur direkten Vorbeugung von Long-COVID eingesetzt werden. Es richtet sich an frisch infizierte Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren mit Übergewicht (BMI über 25), wenn die Behandlung innerhalb der ersten Tage der akuten Infektion startet.
  • Agomelatin: Ein Antidepressivum, das nun gezielt zur Behandlung der extremen, anhaltenden körperlichen und geistigen Erschöpfung (Fatigue) bei Long-COVID und ME/CFS verschrieben werden darf.
  • Vortioxetin: Ein weiterer Wirkstoff aus der Gruppe der Antidepressiva, der bei kognitiven Beeinträchtigungen – wie dem oft beschriebenen „Brain Fog“ (Gehirnnebel) – sowie bei depressiven Symptomen infolge der Erkrankung helfen soll.

Ein wichtiger Meilenstein, aber kein Allheilmittel

Laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss ist die rasche Umsetzung der Expertenempfehlungen ein wichtiges und starkes Signal für die Patientenversorgung in Deutschland. Dennoch betonen die Verantwortlichen, dass der Off-Label-Use nur eine Behelfsoption darstellt. Es bestehe weiterhin ein enormer und dringender Bedarf an groß angelegten klinischen Studien und speziell zugelassenen Medikamenten für Long-COVID und ME/CFS, um die Versorgungssituation langfristig zu sichern.

Für die Betroffenen bedeutet der aktuelle Beschluss dennoch eine riesige Erleichterung im Alltag. Sobald die Neuregelung nach der Prüfung durch das Bundesgesundheitsministerium im Bundesanzeiger veröffentlicht ist, können Haus- und Fachärzte die genannten Wirkstoffe auf einem regulären Kassenrezept verordnen. Patienten wird geraten, sich bei anhaltenden Beschwerden vertrauensvoll an ihren behandelnden Arzt zu wenden, um zu prüfen, ob eine der neuen Therapieoptionen für sie infrage kommt.

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