Hoffnung bei Long COVID: Studie zeigt Erfolge durch gezieltes kognitives Training
Für viele Menschen, die eine Corona-Infektion überstanden haben, bleibt der Alltag ein ständiger Kampf. Sogenannter "Gehirnnebel" (Brain Fog), Konzentrationsschwächen und Gedächtnislücken gehören zu den häufigsten und hartnäckigsten Symptomen von Long COVID. Doch nun gibt eine aktuelle britische Studie Anlass zur Hoffnung: Eine gezielte, individuelle kognitive Rehabilitation kann Betroffenen maßgeblich dabei helfen, ihre geistigen Fähigkeiten zurückzugewinnen und in ihr normales Leben zurückzukehren.
Individuelles Training statt Standardversorgung
Forschende des renommierten University College London haben in einer klinischen Studie untersucht, wie sich ein maßgeschneidertes Rehabilitationsprogramm auf Patienten mit langanhaltenden kognitiven Einschränkungen auswirkt. Die Ergebnisse, die kürzlich im medizinischen Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurden, sind äußerst vielversprechend.
Unter der Leitung von Dr. Martina Vanova nahmen knapp 80 Erwachsene an der Studie teil, die seit mindestens drei Monaten unter Long-COVID-bedingten kognitiven Symptomen litten. Die Hälfte der Probanden erhielt über einen Zeitraum von zehn Wochen ein spezielles kognitives Training via Videotelefonie. In einstündigen Einzelsitzungen erarbeiteten Therapeuten gemeinsam mit den Patienten Strategien, um ganz persönliche Alltagsziele zu erreichen – sei es die Rückkehr in den Beruf, das Lesen eines Buches oder die Bewältigung von Hobbys. Die Kontrollgruppe erhielt weiterhin die regionale Standardversorgung.
Nachhaltige Erfolge für den Alltag
Das Besondere an diesem Ansatz: Anstatt abstrakte Gedächtnistests zu trainieren, lag der Fokus auf praxisnahen Bewältigungsstrategien. Patienten lernten beispielsweise, komplexe Aufgaben in kleinere, handhabbare Schritte zu unterteilen oder Visualisierungstechniken zur Wortfindung zu nutzen.
Die Erfolge sprechen für sich:
- Kurzfristige Besserung: Drei Monate nach Abschluss des Programms berichteten deutlich mehr Teilnehmer aus der Trainingsgruppe von signifikanten Fortschritten bei der Erreichung ihrer Ziele als in der Kontrollgruppe.
- Langfristige Wirkung: Auch nach sechs Monaten verzeichnete mehr als die Hälfte der therapierten Patienten substanzielle und anhaltende Verbesserungen – im Gegensatz zu einem Bruchteil bei den standardmäßig versorgten Patienten.
Ein Meilenstein in der Long-COVID-Behandlung
Laut Dr. Vanova entwickelt bis zu jeder Dritte nach einer Corona-Infektion Long COVID. Kognitive Schwierigkeiten gehören dabei zu den häufigsten Symptomen, die über Monate anhalten und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen können. Die Studie belegt nun erstmals, dass zielorientierte kognitive Rehabilitation nicht nur machbar ist, sondern auch klinisch bedeutsame und vor allem dauerhafte Vorteile bringt.
Für Betroffene, die oft das Gefühl haben, mit ihren kognitiven Einschränkungen allein gelassen zu werden, stellt dieser Ansatz einen wichtigen Lichtblick dar. Er zeigt, dass mit der richtigen, individuellen Unterstützung der Weg aus dem Gehirnnebel zurück in einen selbstbestimmten Alltag gelingen kann.
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