Kampf gegen chronische Schmerzen: Neuer Leitfaden für Arztpraxen veröffentlicht

Dominik Hübenthal
Chronische Schmerzen: Neuer QISA-Leitfaden für Arztpraxen

Chronische Schmerzen schränken die Lebensqualität von Millionen Menschen massiv ein. Besonders bei Schmerzen, die nicht durch eine Tumorerkrankung verursacht werden, klagen Expertinnen und Experten häufig über eine Unter- oder Fehlversorgung. Um diese Lücke zu schließen und die ambulante Betreuung zu verbessern, haben der AOK-Bundesverband und das Göttinger aQua-Institut nun eine neue Arbeitshilfe für Arztpraxen vorgestellt.

Strukturierte Langzeitbetreuung im Fokus

Der neue Praxisleitfaden ist Teil der Reihe „Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung“ (kurz QISA). Mit dem Themenband C5 „Chronische nicht tumorbedingte Schmerzen“ steht Ärztinnen und Ärzten ab sofort ein Instrumentarium zur Verfügung, das eine leitliniengerechte und strukturierte Behandlung im hausärztlichen Sektor fördern soll.

Laut Dr. Carola Reimann, der Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, macht der neue Band deutlich, dass es für eine optimale Behandlung eine strukturierte Langzeitbetreuung durch die Hausarztpraxis brauche. Das wichtigste Ziel sei dabei stets die Linderung der schmerzbedingten Einschränkungen im Alltag der Betroffenen.

Warum eine neue Arbeitshilfe wichtig ist

Eine unzureichende Schmerztherapie führt oft zu einer weiteren Chronifizierung der Beschwerden. Dies bedeutet nicht nur immenses Leid für die Patientinnen und Patienten, sondern verursacht auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten. Der neue QISA-Band setzt genau hier an und bietet 13 konkrete Qualitätsindikatoren, die vor allem die Prozessqualität der Behandlung messbar und verbesserbar machen sollen.

Was der neue Leitfaden für Praxen bedeutet

Um ein ganzheitliches Schmerzmanagement zu etablieren, decken die neuen Indikatoren verschiedene Bereiche der ärztlichen Versorgung ab. Zu den wichtigsten Aspekten gehören:

  • Erhebung psychosozialer Risikofaktoren: Schmerz ist oft ein vielschichtiges Problem, bei dem auch die psychische und soziale Situation der Patienten eine Rolle spielt.
  • Dokumentation und Beurteilung: Der Einsatz von validierten Instrumenten zur Schmerzmessung sowie die genaue Dokumentation bisheriger Behandlungsversuche werden dringend empfohlen.
  • Monitoring von Schmerzmitteln: Insbesondere bei der Verordnung von Opioiden und anderen starken Analgetika ist eine engmaschige Überwachung unerlässlich.
  • Patientenaufklärung: Eine umfassende Aufklärung über mögliche unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen der verschriebenen Medikamente ist ein zentraler Bestandteil der Therapie.
  • Klare Arbeitsanweisungen: Die Schaffung von verbindlichen Vorgaben und Zielen für das gesamte Praxisteam soll die Versorgungsqualität nachhaltig sichern.

Ein Gewinn für das Gesundheitssystem

Die Einführung der neuen Indikatoren, die aus einer umfassenden Recherche in Leitlinien und Datenbanken hervorgegangen sind, bietet eine wertvolle Orientierung für Arztnetze und Einzelpraxen. Durch die Vermeidung von Notfallbehandlungen aufgrund akuter Verschlechterungen und die Etablierung verbindlicher Vorgehensweisen wird nicht nur das medizinische Personal entlastet, sondern vor allem die Patientensicherheit signifikant erhöht.

Der neue Praxisleitfaden markiert somit einen wichtigen Schritt hin zu einer flächendeckenden, qualitativ hochwertigen Schmerztherapie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und chronischen Verläufen frühzeitig entgegenwirkt.

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