Kliniken schlagen Alarm: Kassenprüfungen kosten jährlich 245 Millionen Euro
Die bürokratische Belastung in den deutschen Kliniken erreicht neue Höchststände. Durch die aufwendigen Abrechnungsprüfungen des Medizinischen Dienstes (MD) entstehen dem stationären Sektor jedes Jahr Kosten in Höhe von rund 245 Millionen Euro. Dies geht aus einer aktuellen repräsentativen Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) übt scharfe Kritik an der anhaltenden Prüfpraxis der gesetzlichen Krankenkassen.
4.000 Vollzeitstellen rein für Prüfverfahren gebunden
Die personellen Auswirkungen des bürokratischen Prüfaufwands sind gravierend: Bundesweit sind hochgerechnet etwa 4.000 Vollzeitkräfte in den Kliniken primär damit beschäftigt, Beanstandungen, Nachfragen und Prüffälle des Medizinischen Dienstes zu bearbeiten. Im Schnitt bindet jedes einzelne Krankenhaus vier Stellen ausschließlich für administrative Nachweispflichten. Dadurch entstehen pro Einrichtung durchschnittlich Personalkosten von mehr als 236.000 Euro im Jahr – Ressourcen, die bei der direkten Versorgung der Patientinnen und Patienten fehlen.
Kliniken befürchten weiteren Anstieg der Belastung
Eine Entlastung ist für die Krankenhäuser vorerst nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Laut der Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts rechnen 98 Prozent der befragten Einrichtungen damit, dass die Prüfquoten und die damit verbundenen Kosten in naher Zukunft weiter steigen werden. Um dem drohenden Mehraufwand standzuhalten, hat mehr als die Hälfte der Häuser bereits zusätzliches Personal für das MD-Management eingestellt oder plant entsprechende Maßnahmen.
- 245 Millionen Euro jährliche Zusatzkosten durch bürokratische Prüfprozesse
- Rund 4.000 Vollzeitkräfte bundesweit allein für Prüfungsdokumentation gebunden
- 98 Prozent der Kliniken erwarten eine weitere Zunahme der Prüfungen
- Mehr als 50 Prozent der Häuser bauten bereits Personal zur Prüfbewältigung auf
Kritik an Misstrauenskultur im Gesundheitswesen
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht in den aktuellen Zahlen ein fatales Signal für den gesamten Gesundheitssektor. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels in Pflege und Medizin sei das Binden hochqualifizierter Arbeitskräfte durch ausufernde Dokumentationspflichten unverantwortlich. Nach Ansicht der Verbandsführung dient die kleinteilige Prüfungspraxis oft nicht der medizinischen Qualitätssicherung, sondern vorrangig der Kostenoptimierung auf Seiten der Kostenträger. Gefordert wird daher eine grundlegende Deregulierung sowie ein spürbarer Abbau bürokratischer Hürden, damit das medizinische und pflegerische Personal wieder den Menschen in den Mittelpunkt stellen kann.
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