Krankenhäuser werden digitaler: Meilenstein von 55 Punkten erreicht

Dominik Hübenthal
Digitalisierung im Krankenhaus 2026: Kliniken erreichen 55 Punkte

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen nimmt spürbar Fahrt auf. Lange Zeit galten heimische Kliniken als Nachzügler in Sachen IT und Vernetzung, doch aktuelle Zahlen belegen nun einen deutlichen Aufwärtstrend. Eine neue Auswertung zeigt, dass die staatlichen Förderungen der letzten Jahre messbare Erfolge bringen und den Klinikalltag moderner machen.

Deutlicher Sprung bei der digitalen Reife

In der dritten flächendeckenden Studie des Konsortiums „Digital Radar Krankenhaus“ erreichten die deutschen Kliniken auf einer Skala von bis zu 100 möglichen Punkten mittlerweile einen Durchschnittswert von 55 Punkten. An der großangelegten Befragung, die unter anderem im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgeführt wurde, nahmen bundesweit 1.531 Krankenhäuser teil.

Dieser Wert markiert einen enormen Fortschritt: Bei der ersten Erhebung im Jahr 2021 lag der durchschnittliche Score noch bei mageren 33 Punkten. Wie die Projektleiterin des DigitalRadar, Sylvia Thun, bei der Vorstellung der Ergebnisse erklärte, entspricht dies einer massiven Steigerung der digitalen Reife um 65 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre.

Milliarden-Förderung zeigt Wirkung

Hinter diesem Digitalisierungsschub steht vor allem das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG). Mit diesem groß angelegten Förderprogramm stellten Bund und Länder ab 2021 insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro bereit, um die IT-Infrastruktur der Kliniken grundlegend zu modernisieren. Die aktuellen Zahlen belegen eindrucksvoll, dass diese Investitionen nun Früchte tragen.

Gefördert wurden unter anderem:

  • Die Einführung und nutzerfreundliche Erweiterung von Patientenportalen
  • Der Ausbau der elektronischen Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen
  • Die Etablierung eines sicheren, digitalen Medikationsmanagements
  • Umfassende Maßnahmen zur Stärkung der Cybersicherheit

Wo die Kliniken punkten – und wo es noch hakt

Die Studienautoren betonen, dass die Digitalisierung über sämtliche Versorgungsstufen hinweg vorangeschritten ist. Besonders erfreulich ist die Entwicklung in der Fläche: Kleinere Krankenhäuser konnten ihren digitalen Reifegrad überdurchschnittlich steigern und zunehmend zu den größeren Einrichtungen aufschließen. Die größten Verbesserungen verzeichneten die Kliniken in den Bereichen klinische Prozesse, Informationsaustausch sowie bei den grundlegenden IT-Strukturen und Systemen.

Nachholbedarf bei der Telemedizin

Trotz der positiven Gesamtentwicklung weisen die Experten auch auf bestehende Schwachstellen hin. So hinkt der Bereich Telehealth – also die telemedizinische Betreuung und Überwachung von Patienten aus der Ferne – noch deutlich hinterher. Hier sehen Fachleute für die kommenden Jahre den größten Handlungsbedarf, um die medizinische Versorgung noch effizienter und patientenfreundlicher zu gestalten.

Auch wenn das aktuelle Etappenziel von 55 Punkten ein Grund zur Freude ist, zeigt die Skala bis 100 deutlich, dass der Weg zum vollständig digitalisierten Krankenhaus noch nicht abgeschlossen ist. Die Weichen für eine moderne, vernetzte Gesundheitsversorgung sind jedoch unumkehrbar gestellt.

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