Krankenkassen-Beiträge vor Explosion? TK-Chef warnt vor „Betrug am Bürger“

Djamal Sadaghiani
TK-Chef Jens Baas warnt: Krankenkassen-Beiträge steigen weiter

Die geplante Gesundheitsreform sollte eigentlich für Entlastung sorgen – doch laut dem Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, droht den gesetzlich Versicherten ein ganz anderes Szenario. Die Krankenkassen-Beiträge könnten in den kommenden Jahren weiter steigen. In einem Interview mit dem Sender rbb24 Inforadio äußerte sich der Kassenchef besorgt über die aktuellen Regierungspläne und fand dabei ungewohnt drastische Worte.

„Betrug am Bürger“: Scharfe Kritik an der Finanzierung

Ein zentraler Kritikpunkt von Baas ist die Finanzierung der Krankenversicherung für Bürgergeld-Empfänger. Laut dem TK-Chef handelt es sich bei der aktuellen Praxis schlichtweg um „Betrug am Bürger“. Die Kosten für die Versicherung von Menschen ohne Arbeit belaufen sich auf rund 12 Milliarden Euro – eigentlich eine klassische staatliche Aufgabe.

Die Realität sieht jedoch anders aus: Der Staat wälzt den Löwenanteil dieser Kosten auf die Beitragszahler ab. Von den zwölf Milliarden Euro, die die Regierung eigentlich aufbringen müsste, fließen aktuell nur noch marginale Summen. Baas rechnet vor, dass der Bund derzeit lediglich 250 Millionen Euro beisteuert. Den massiven Restbetrag müssen die gesetzlich Versicherten mit ihren Beiträgen schultern.

Abgeschwächte Gesundheitsreform bringt kaum Entlastung

Auch die geplanten Einsparungen der neuen Gesundheitsreform gehen dem Kassenchef nicht weit genug. Ursprünglich waren Einsparungen in Höhe von 19,6 Milliarden Euro vorgesehen. Diese Summe wurde nun auf rund 16 Milliarden Euro reduziert. Für die Patienten sei die Belastung jedoch weiterhin extrem hoch, mahnt Baas.

Die reduzierten Einsparziele haben drastische Folgen für die Geldbeutel der Versicherten:

  • Kurzfristige Stabilität fraglich: Mit sehr viel Glück könnten die Beitragssätze im kommenden Jahr stabil bleiben.
  • Langfristiger Anstieg vorprogrammiert: Spätestens in den Jahren darauf ist ein erneuter Anstieg der Krankenkassen-Beiträge laut Baas unvermeidlich.
  • Ziel verfehlt: Eine nachhaltige Stabilisierung der Finanzen, wie sie ursprünglich durch die Reform angedacht war, sei damit gescheitert.

Kürzung der Bundeszuschüsse als „Taschenspielertrick“

Zusätzlichen Unmut bereitet die von der Regierung geplante Kürzung des Bundeszuschusses für sogenannte versicherungsfremde Leistungen. Dieser soll um zwei Milliarden Euro jährlich gekürzt werden. Jens Baas bezeichnete dieses Vorgehen im Interview als reinen „Taschenspielertrick“ des Staates, der die Finanzlöcher der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nur weiter vergrößere.

Für Millionen von gesetzlich Versicherten in Deutschland sind das düstere Aussichten. Anstatt der erhofften finanziellen Entlastung durch die groß angekündigte Gesundheitsreform drohen mittelfristig spürbare Mehrbelastungen bei den monatlichen Lohnabzügen.

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