Marburger Bund schlägt Alarm: Regierung riskiert mit GKV-Sparplänen die Patientenversorgung

Benedikt Hübenthal
GKV-Sparpläne im Blindflug: Marburger Bund kritisiert Bundesregierung

Die Pläne der Bundesregierung zur Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stoßen auf massiven Widerstand. Auf der 147. Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund fand die erste Vorsitzende, Susanne Johna, deutliche Worte für das geplante Gesetz zur Beitragsstabilisierung. Sie warnt vor weitreichenden Konsequenzen für das gesamte Gesundheitssystem und wirft der Politik einen gefährlichen „Blindflug“ vor.

Milliardenschwere Kürzungen und ein Griff in die Kasse

Im Zentrum der Kritik steht das kürzlich vom Bundeskabinett gebilligte GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Um das drohende Finanzloch der Krankenkassen ab dem kommenden Jahr zu schließen, sind drastische Einsparungen bei den Leistungserbringern vorgesehen. Gleichzeitig plant die Regierung, den regulären Bundeszuschuss für die GKV massiv um zwei Milliarden Euro zu kürzen – von 14,5 auf 12,5 Milliarden Euro.

Für die Vorsitzende des Marburger Bundes ist dieses Vorgehen inakzeptabel. Sie bezeichnete die Kürzung als direkten Griff in die Kassen der Solidarfinanzierung, der lediglich dazu diene, den angeschlagenen Bundeshaushalt zu stützen. Es sei eine absolute Illusion zu glauben, dass bei sinkenden finanziellen Mitteln die gleiche medizinische Leistung durch noch weniger Personal erbracht werden könne, so Johna.

Ein Paradigmenwechsel zulasten der Patienten

Besonders scharf kritisierte die Gewerkschaft die Wortwahl von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Die Ministerin hatte das Vorgehen der Regierung als „einnahmenorientierte Ausgabenpolitik“ verteidigt. Laut Susanne Johna markiert dies einen fatalen Paradigmenwechsel im deutschen Gesundheitswesen: Künftig bestimme nicht mehr der tatsächliche medizinische Bedarf der Patienten die Versorgung, sondern rein die Kassenlage.

Der Marburger Bund warnt eindringlich davor, dass an der falschen Stelle gespart wird:

  • Belastung des Personals: Die geplante Streichung der Refinanzierung von Tarifkostensteigerungen trifft Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal in den Kliniken direkt und verschärft die ohnehin angespannte Personalsituation.
  • Drohender Stellenabbau: Die Gewerkschaft bereitet sich bereits darauf vor, Klinikpersonal arbeitsrechtlich zu beraten, da durch den enormen Spardruck Entlassungen befürchtet werden.
  • Erschwerter Berufseinstieg: Schon jetzt haben junge Mediziner nach der Approbation zunehmend Schwierigkeiten, eine Anstellung zu finden, da Krankenhäuser aus Kostengründen oft nur noch Fachärzte einstellen, um spezifische Leistungsgruppen-Vorgaben zu erfüllen.

Bürokratie-Wahnsinn statt Entlastung

Neben den direkten finanziellen Einschnitten droht den Krankenhäusern eine weitere massive Belastung durch zunehmende Bürokratie. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Kliniken deutlich mehr fehlerfreie Abrechnungen vorweisen müssen, um in eine niedrigere Prüfquote durch den Medizinischen Dienst zu gelangen. Im Gegenzug soll die reguläre Prüfquote von fünf auf 15 Prozent drastisch erhöht werden.

Die Folgen für den Klinikalltag sind immens: Laut Berechnungen des Marburger Bundes würde diese Maßnahme bundesweit rund 1,3 Millionen Arztstunden für reine Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben binden – Zeit, die für die direkte Patientenversorgung dringend benötigt wird. Zuvor lag dieser bürokratische Aufwand bei etwa 425.000 Stunden.

Forderung nach echten Reformen

Die Delegierten der Hauptversammlung verabschiedeten einen klaren Beschluss: Statt das ohnehin überlastete Klinikpersonal mit pauschalen Einsparmaßnahmen weiter unter Druck zu setzen, müsse die Politik endlich Fehlanreize im Entgeltsystem beseitigen. Ein zukunftsfähiges Vergütungssystem müsse ressourcenschonende Diagnostik und Therapie honorieren, anstatt sie wirtschaftlich abzustrafen.

Die Botschaft der Ärzteschaft an die Bundesregierung ist unmissverständlich: Ein Kaputtsparen des Gesundheitssystems auf dem Rücken von Patienten und Personal darf es nicht geben.

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