Milliarden-Geschäft Krebsmittel: Meistverkauftes Medikament massiv überteuert

Benedikt Hübenthal
Krebsmittel Keytruda zu teuer? Krankenkassen zahlen Milliarden

Es gilt als einer der größten Hoffnungsträger in der modernen Onkologie, doch der Preis sorgt nun für heftige Kritik: Das weltweit umsatzstärkste Medikament, das Krebsmittel Keytruda, wird aktuellen Medienberichten zufolge zu einem massiv überhöhten Preis verkauft. Eine Auswertung von internationalen Gesundheitsexperten zeigt, dass die Kosten für das Gesundheitssystem weitaus geringer ausfallen könnten – ohne dass der Hersteller auf faire Gewinne verzichten müsste.

Ein "Gamechanger" mit enormem Preisschild

Bei dem Medikament Keytruda (Wirkstoff Pembrolizumab) des US-Pharmakonzerns MSD handelt es sich um eine fortschrittliche Immuntherapie, die in der Krebsbehandlung häufig als echter "Gamechanger" bezeichnet wird. Doch diese medizinische Innovation hat einen exorbitanten Preis: Aktuell zahlen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland stolze 2.039,27 Euro für lediglich 100 Milligramm des Arzneimittels. Allein im Jahr 2025 beliefen sich die Ausgaben der Kassen für dieses einzige Präparat auf über zwei Milliarden Euro. Eine Summe, die das ohnehin angespannte Gesundheitssystem enorm belastet.

Experten berechnen den "fairen" Preis

Dass medizinischer Fortschritt teuer ist, steht außer Frage. Doch wie viel darf ein lebensrettendes Medikament kosten? Der internationale Krankenversicherungsverband (AIM) hat in einem umfassenden Rechercheprojekt nachgerechnet. Das verblüffende Ergebnis: Ein fairer Preis für 100 Milligramm Keytruda läge bei lediglich 40 Euro.

In dieser Kalkulation des AIM sind laut Experten bereits alle relevanten Faktoren wirtschaftlich fair berücksichtigt:

  • Die kompletten Forschungs- und Entwicklungskosten
  • Ausgaben für Produktion, Zulassung und Marketing
  • Eine feste Gewinnrendite von acht Prozent für den Hersteller

Die enorme Diskrepanz zwischen dem errechneten fairen Preis von 40 Euro und dem tatsächlichen Preis von über 2.000 Euro zeigt eindrücklich, mit welchen enormen Margen im Pharmasektor gearbeitet wird.

Milliardenstreit um die Entwicklungskosten

Der Hersteller MSD verteidigt die hohen Preise traditionell mit den immensen Kosten, die bis zur Marktzulassung eines neuen Medikaments anfallen. Der Konzern gibt an, rund 44 Milliarden US-Dollar in die Forschung und Entwicklung investiert zu haben.

Diese Zahl wird jedoch von unabhängigen Beobachtern stark angezweifelt. Die Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye kommt in eigenen Berechnungen auf weitaus geringere Entwicklungskosten in Höhe von rund 4,8 Milliarden US-Dollar. Selbst in dieser deutlich niedrigeren Summe ist bereits ein großzügiger Risikoaufschlag für gescheiterte Forschungsprojekte einkalkuliert. Dem gegenüber steht ein gigantischer wirtschaftlicher Erfolg: Seit der ersten Zulassung in den USA im Jahr 2014 hat Keytruda einen kumulierten weltweiten Umsatz von rund 163 Milliarden US-Dollar eingespielt.

Belastung für die Beitragszahler

Der Fall Keytruda wirft ein Schlaglicht auf die generelle Preisbildung von Medikamenten. In Deutschland dürfen Pharmaunternehmen den Preis für ein neues, patentgeschütztes Medikament im ersten halben Jahr nach der Zulassung völlig frei festlegen. Erst danach greifen Verhandlungen, die sich am tatsächlichen Zusatznutzen für die Patienten orientieren. Für das Pflegesystem und die Beitragszahler bedeutet dies letztlich: Jeder Euro, der für überteuerte Medikamente ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle im ohnehin knappen Gesundheitsbudget. Kritiker fordern daher schon lange, diese Preisbindung zugunsten der Solidargemeinschaft strenger zu regulieren.

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