Neue Standards für die Behandlung chronischer Schmerzen: AOK und aQua-Institut handeln
Millionen Menschen in Deutschland leiden unter dauerhaften Beschwerden. Oftmals gleicht die Suche nach der richtigen Therapie einer Odyssee. Um die ambulante Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen spürbar zu verbessern, haben der AOK-Bundesverband und das renommierte Göttinger aQua-Institut nun einen neuen Maßnahmenkatalog vorgestellt.
Gefahr der Unter- und Fehlversorgung
Expertinnen und Experten warnen bereits seit Jahren: Bei chronischen Schmerzen liegt im deutschen Gesundheitssystem häufig eine Unter- oder Fehlversorgung vor. Die dramatische Folge für die Betroffenen ist eine weitere Chronifizierung des Schmerzes. Dies bedeutet nicht nur massives persönliches Leid und einen drastischen Verlust an Lebensqualität, sondern verursacht auch immense volkswirtschaftliche Schäden durch Arbeitsausfälle und ineffektive Behandlungen.
Das nun erweiterte Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung – kurz QISA – soll hier gezielt gegensteuern. Der neue Themenband umfasst insgesamt 13 Indikatoren, die Hausarztpraxen bei der adäquaten Behandlung unterstützen sollen und vor allem auf eine verbesserte Prozessqualität abzielen.
Strukturierte Langzeitbetreuung im Fokus
Im Zentrum der neuen Qualitätsrichtlinien steht die Hausarztpraxis als primärer Ankerpunkt für Betroffene. Laut Dr. Carola Reimann, der Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, macht der neue QISA-Band deutlich, dass es für eine optimale Behandlung eine strukturierte Langzeitbetreuung brauche. Ein zentrales Ziel sei dabei, die schmerzbedingten Einschränkungen der Patientinnen und Patienten im Alltag wirksam zu verringern. Mit dem neuen Band wolle man Arztnetze und Praxen aktiv bei der Umsetzung einer leitliniengerechten Therapie unterstützen.
Was ändert sich für Patientinnen und Patienten?
Die 13 neuen Indikatoren bringen mehr Struktur und Sicherheit in den Behandlungsalltag. Zu den empfohlenen und nun systematisch erfassten Maßnahmen gehören unter anderem:
- Einsatz validierter Instrumente: Schmerzen sollen künftig objektiver beurteilt und exakter dokumentiert werden.
- Klare Therapieziele: Arzt und Patient vereinbaren gemeinsam realistische und überprüfbare Meilensteine.
- Strenges Schmerzmittel-Monitoring: Der Einsatz von Analgetika wird engmaschig überwacht. Zudem wird großer Wert auf die Aufklärung über mögliche unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen der Medikamente gelegt.
- Psychosoziale Faktoren: Auch die seelische Verfassung und das soziale Umfeld der Betroffenen rücken stärker in den Fokus, da diese Faktoren das Schmerzempfinden maßgeblich beeinflussen können.
- Vermeidung von Notfällen: Durch eine verlässliche Identifikation von Risikopatienten sollen akute Verschlechterungen und daraus resultierende Notfallbehandlungen frühzeitig verhindert werden.
Ein wichtiger Schritt für die Lebensqualität
Mit der Veröffentlichung dieses mittlerweile 16. QISA-Themenbandes wächst das Qualitätsindikatorensystem auf über 200 Indikatoren für die ambulante Versorgung an. Für Pflegekräfte, Angehörige und vor allem für die Schmerzpatienten selbst ist dieser Vorstoß ein wichtiges Signal: Chronischer Schmerz wird zunehmend als komplexe Erkrankung verstanden, die ein strukturiertes, verbindliches und vor allem ganzheitliches Vorgehen in der hausärztlichen Praxis erfordert. Die neuen Leitlinien bieten nun das nötige Rüstzeug, um den Leidensweg vieler Betroffener entscheidend zu verkürzen.
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