Neuer TI-Score: Nur jedes siebte Praxis-System erhält die Bestnote
Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen schreitet voran, doch die Technik im Praxis- und Pflegealltag hinkt oft hinterher. Ein reibungsloser Ablauf rund um das elektronische Rezept (E-Rezept), die elektronische Patientenakte (ePA) oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) steht und fällt mit dem genutzten Praxisverwaltungssystem (PVS). Um Licht in den Dschungel der Software-Anbieter zu bringen, hat die Gematik nun den sogenannten TI-Score eingeführt. Die Ergebnisse der ersten Auswertung zeigen deutlich: Es gibt noch viel Luft nach oben.
Was ist der neue TI-Score?
Der TI-Score der Gematik soll transparent aufzeigen, wie praxistauglich und benutzerfreundlich die verschiedenen Verwaltungssysteme die Anwendungen der Telematikinfrastruktur (TI) integrieren. Neben Arztpraxen werden auch Ergebnisse für Primärsysteme in Pflegeeinrichtungen, Apotheken und Kliniken abgebildet. Entwickelt wurden die Bewertungskriterien in einem mehrstufigen Verfahren gemeinsam mit dem renommierten IGES-Institut.
Auf einer Skala von A (Bestnote) bis E (schlechteste Bewertung) können sich medizinische und pflegerische Einrichtungen nun ein Bild davon machen, wie gut ihr aktuelles oder zukünftiges System abschneidet. Bewertet werden unter anderem:
- Das elektronische Rezept (E-Rezept)
- Die elektronische Patientenakte (ePA)
- Der elektronische Arztbrief (eArztbrief)
- Die elektronische Medikationsliste (eML)
- Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)
Die Ergebnisse: Viel Luft nach oben
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen offenbart, dass die Software-Hersteller noch deutlichen Nachholbedarf haben. Insgesamt wurden derzeit 48 Praxisverwaltungssysteme von der Digitalagentur unter die Lupe genommen. Das ernüchternde Ergebnis: Nur sieben dieser Systeme – also rund jedes siebte – konnten die Bestnote "A" für sich beanspruchen.
Die weitere Verteilung zeigt ein durchwachsenes Bild der Branche:
- Note A: 7 Systeme
- Note B: 8 Systeme
- Note C: 10 Systeme
- Note D: 8 Systeme
- Note E: 15 Systeme
Damit erreichen aktuell nur rund 31 Prozent der analysierten Praxisverwaltungssysteme mindestens die Note B. Fast ein Drittel der Anbieter muss sich mit der schlechtesten Bewertung "E" zufriedengeben.
Kritik am Bewertungsverfahren: Selbstauskunft und Punktelücken
Obwohl der TI-Score einen wichtigen Schritt in Richtung Transparenz darstellt, gibt es auch Einschränkungen beim Verfahren. Ein wesentlicher Faktor: Der Score basiert nicht auf unabhängigen Software-Tests im Echtbetrieb, sondern auf den Selbstauskünften der Anbieter. Die Hersteller füllen Befragungen aus und aktualisieren diese eigenständig.
Zudem weist die Gematik selbst auf eine Besonderheit in der Notenvergabe hin. Aufgrund des gewählten Bewertungsansatzes ist es für ein System möglich, die Gesamtnote "A" zu erhalten, selbst wenn es in zentralen Kategorien schwächelt. So reicht es beispielsweise aus, bei den für den Praxisalltag immens wichtigen Kriterien "Alltagstauglichkeit" und "Usability" der ePA lediglich etwa die Hälfte der maximalen Punkte zu erzielen, um dennoch als Testsieger hervorzugehen.
Fazit für den Pflege- und Praxisalltag
Für Arztpraxen, aber auch für angebundene Pflegeeinrichtungen, die zunehmend auf eine funktionierende digitale Infrastruktur angewiesen sind, bietet der TI-Score eine erste, wertvolle Orientierungshilfe. Dennoch sollten Verantwortliche bei der Neuanschaffung oder dem Wechsel einer Software genau hinsehen und die Bewertungen der Einzelkriterien im Detail prüfen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Digitalisierung den Arbeitsalltag tatsächlich erleichtert und nicht zu neuen Hürden führt.
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