Neues DMP bei Rückenschmerzen: Warum Bewegung jetzt im Fokus steht
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das strukturierte Behandlungsprogramm – das sogenannte Disease-Management-Programm (DMP) – für Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen überarbeitet. Die aktualisierte Richtlinie bringt eine entscheidende Wende in der Therapieempfehlung: Körperliche Aktivität soll künftig eine wesentlich größere Rolle spielen, während von einer dauerhaften Medikamenteneinnahme abgeraten wird.
Kampf dem "Angst-Vermeidungs-Verhalten"
Wer unter starken Rückenschmerzen leidet, neigt oft dazu, sich zu schonen. Doch genau dieses Verhalten ist bei chronischen Beschwerden laut Experten kontraproduktiv. Laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss ist körperliche Aktivität entscheidend, um Schmerzen langfristig zu verringern und die Funktionsfähigkeit im Alltag wiederherzustellen.
In den ärztlichen Aufklärungsgesprächen soll künftig gezielt dem sogenannten Angst-Vermeidungs-Verhalten entgegengewirkt werden. Ärzte sind dazu angehalten, Betroffene zu motivieren, in Bewegung zu bleiben und die Angst vor belastungsbedingten Schmerzen abzubauen. Die wissenschaftliche Basis für diese Anpassungen lieferte eine umfassende Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
Neben dem verstärkten Fokus auf Bewegung wurden weitere spezifische Details in der seit 2019 geltenden Anforderungen-Richtlinie angepasst:
- Altersgrenze: Die Teilnahme am strukturierten Behandlungsprogramm für chronischen Rückenschmerz ist nun explizit erst ab der Vollendung des 18. Lebensjahres möglich.
- Keine dauerhaften Schmerzmittel: Die Richtlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass eine medikamentöse Therapie nicht als Dauerlösung empfohlen wird.
- Weniger Bürokratie: Die Dokumentation des Blutdrucks von eingeschriebenen Personen ist künftig nur noch optional auszufüllen.
Warten auf die Umsetzung: Wann startet das Programm?
Obwohl die Richtlinien nun auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sind, gibt es für Betroffene einen großen Wermutstropfen: Aktuell gibt es noch keine abgeschlossenen Verträge zwischen Krankenkassen, ärztlichen Vertretungen und Krankenhäusern. Das bedeutet, dass sich Patientinnen und Patienten derzeit noch nicht in das DMP für chronische Rückenschmerzen einschreiben können.
Wie Karin Maag, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses DMP, erklärte, seien von den beschlossenen Programmen bereits acht sehr gut etabliert. Rund 7,9 Millionen Versicherte profitieren demnach schon von strukturierten Schulungen und Behandlungen, etwa bei Diabetes oder Asthma. Bei einigen Programmen – darunter auch der chronische Rückenschmerz – stehe die Umsetzung in die Praxis jedoch noch aus. Maag äußerte die Hoffnung, dass sich dies noch im laufenden Jahr ändern werde.
Warum strukturierte Programme so wichtig sind
Disease-Management-Programme haben das Ziel, chronisch kranke Menschen leitliniengerecht und sektorübergreifend zu betreuen. Durch eine strukturierte Behandlung lassen sich Fehlversorgungen vermeiden. Gleichzeitig können Gesamtbehandlungskosten gesenkt werden, da Komplikationen, unnötige Krankenhausaufenthalte und überflüssige Facharzttermine reduziert werden. Für Millionen von Menschen mit chronischen Rückenleiden wäre ein flächendeckendes Angebot ein enormer Gewinn für die Lebensqualität.
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