Studie belegt: Luftfilter in Pflegeheimen schützen nicht vor Infektionen

Benedikt Hübenthal
Luftfilter in Pflegeheimen: Studie zeigt keine Wirkung gegen Infektionen

Die Hoffnung war groß, doch die Realität sieht anders aus: Mobile Luftfilter, die während der Coronapandemie als Heilsbringer galten, bieten in Pflegeheimen keinen nennenswerten Schutz vor winterlichen Infektionswellen. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt nun die bislang größte Praxisstudie auf diesem Gebiet, die kürzlich im renommierten Fachmagazin JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde.

Großangelegte Studie aus Bristol liefert klare Daten

Die unter dem Namen AFRI-c bekannte Studie wurde von Forschern der University of Bristol geleitet und vom britischen National Institute for Health and Care Research (NIHR) finanziert. Über drei Winter hinweg – von September 2021 bis Mai 2024 – untersuchten die Wissenschaftler 91 Pflegeheime mit mehr als 1.100 Bewohnerinnen und Bewohnern. Das Ziel war es herauszufinden, ob mobile HEPA-Luftfilter in Gemeinschaftsräumen und Schlafzimmern das Risiko von Atemwegsinfektionen wie Grippe, Erkältungen oder COVID-19 effektiv senken können.

Die Ergebnisse im Detail

Das Resultat überrascht Experten und Pflegekräfte gleichermaßen: Die Geräte machten in der Praxis keinen Unterschied. Ein Vergleich der Heime mit und ohne Luftfilter zeigte, dass die Technologie keinen messbaren Einfluss auf die Gesundheit der Senioren hatte. Konkret gab es keine Verbesserungen in folgenden Bereichen:

  • Atemwegsinfektionen: Die Häufigkeit von Husten, Schnupfen oder schwereren Atemwegserkrankungen blieb unverändert hoch.
  • Andere Erkrankungen: Auch Magen-Darm-, Harnwegs- oder Hautinfektionen traten durch den Einsatz der Filter nicht seltener auf.
  • Medizinische Maßnahmen: Die Zahl der Krankenhausaufenthalte und der verschriebenen Antibiotika verringerte sich nicht.
  • Personal: Die krankheitsbedingten Fehlzeiten bei den Pflegekräften blieben auf dem gleichen Niveau.

Warum versagen die Filter in der Praxis?

Obwohl HEPA-Filter unter Laborbedingungen Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger hocheffektiv aus der Raumluft filtern, lässt sich dieser Erfolg offenbar nicht eins zu eins auf den Pflegealltag übertragen. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch bei der engen körperlichen Kontaktpflege eine viel größere Rolle spielt. Die bloße Luftreinigung reicht schlichtweg nicht aus, um die Infektionsketten in einem belebten Pflegeheim zu durchbrechen.

Klassische Hygiene bleibt der beste Schutz

Die Forscher ziehen aus den Daten ein klares Fazit: Pflegeeinrichtungen sollten sich nicht auf technische Lösungen wie Luftfilter verlassen, sondern weiterhin auf bewährte Standardmaßnahmen zur Infektionskontrolle setzen. Eine konsequente Hände- und Flächenhygiene, das Tragen von Masken im akuten Krankheitsfall sowie ein umfassender Impfschutz für Bewohner und Personal bleiben die wichtigsten Säulen der Prävention.

Für Betreiber von Pflegeheimen bedeutet dies, dass hohe Investitionen in teure Luftfilteranlagen kritisch hinterfragt werden sollten. Das ohnehin knappe Budget ist oftmals besser in ausreichendes Personal und grundlegende Hygieneschulungen investiert, um die vulnerable Gruppe der Seniorinnen und Senioren bestmöglich durch die kalte Jahreszeit zu bringen.

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