Neues Telemedizin-Netzwerk: Norddeutschland bündelt medizinische Expertise

Djamal Sadaghiani
Krankenhausreform im Norden: Neues Telemedizin-Netz TENNO startet

Im Zuge der bundesweiten Weichenstellungen in der Krankenhauslandschaft beschreiten Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam neue Wege. Mit einem länderübergreifenden Großprojekt wollen beide Bundesländer ihre medizinische Versorgung enger verzahnen und eine gemeinsame digitale Infrastruktur aufbauen. Das Vorhaben mit dem Namen „Telemedizin-Netz Nord-Ost“ (TENNO) soll sicherstellen, dass spezialisiertes Fachwissen künftig überall schnell verfügbar ist – unabhängig davon, wie ländlich ein Krankenhaus gelegen ist.

Gemeinsamer Versorgungsraum statt digitaler Insellösungen

Die Gesundheitsministerien beider Länder haben dazu gemeinsam mit den jeweiligen Krankenhausgesellschaften sowie den Universitätskliniken in Rostock und Schleswig-Holstein (UKSH) eine verbindliche Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel der Initiative ist es, bestehende digitale Angebote zusammenzuführen und Doppelstrukturen zu vermeiden.

Anstatt dass jedes Bundesland oder einzelne Träger eigene, voneinander getrennte Systeme etablieren, soll ein einheitlicher digitaler Versorgungsraum entstehen. Nach den Planungen sollen alle Kliniken beider Länder – unabhängig von ihrer Trägerschaft, Größe oder Versorgungsstufe – verbindlich an das Netzwerk angebunden werden.

Televisiten und Telekonsile für den schnellen Fachaustausch

Im ersten Schritt liegt der Schwerpunkt auf dem stationären Sektor. Ärztinnen und Ärzte in kleineren oder regionalen Krankenhäusern sollen über das Netzwerk unkompliziert Spezialisten aus den Universitätskliniken und Maximalversorgern hinzuziehen können. Zu den zentralen Anwendungen gehören:

  • Telekonsile: Digitale Fallbesprechungen zwischen behandelnden Teams vor Ort und spezialisierten Fachärzten.
  • Televisiten: Virtuelle Visiten, bei denen Expertenteams digital an das Patientenbett zugeschaltet werden.
  • Spezialisierte Notfallversorgung: Schnelle Unterstützung bei akuten Notfällen und schweren Verletzungen.
  • Kinder- und Jugendmedizin: Regionale Absicherung der pädiatrischen Versorgung durch direkte Anbindung an Fachzentren.

Perspektivisch soll TENNO über den Krankenhausbereich hinauswachsen. Geplant ist, schrittweise auch den Rettungsdienst sowie den ambulanten Sektor in das System einzubinden, um eine durchgängige sektorenübergreifende Versorgung zu ermöglichen.

Finanzierung und Start ab Anfang 2027

Die operative Steuerung und Koordination des Projekts übernehmen die Universitätsmedizin Rostock und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Zudem werden weitere Schwerpunktkliniken eng eingebunden, um eine flächendeckende Abdeckung zu garantieren.

Finanzieren wollen die beiden Bundesländer den Aufbau des Netzwerks vorrangig über Mittel aus dem bundesweiten Transformationsfonds für Krankenhäuser. Sobald die konkreten bundesseitigen Förderrichtlinien für telemedizinische Großprojekte finalisiert sind, sollen die entsprechenden Anträge beim Bundesamt für Soziale Sicherung eingereicht werden. Der offizielle Start für den praktischen Aufbau des Netzwerks ist für Anfang 2027 vorgesehen.

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