Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Wie die Parteien Pflege, Kliniken und Landärzte sichern wollen
Mecklenburg-Vorpommern steht vor gewaltigen demografischen Herausforderungen: Das Land ist weitläufig, dünn besiedelt und weist eine im bundesweiten Vergleich besonders alte Bevölkerung auf. Vor der anstehenden Landtagswahl rücken daher existenzielle Fragen der Daseinsvorsorge in den Mittelpunkt des politischen Wettbewerbs. Wie lassen sich Krankenhäuser in der Fläche erhalten? Wie kann dem wachsenden Hausärztemangel begegnet werden und welche Antworten gibt es auf die Krise in der Pflege? Die Wahlprogramme der aussichtsreichen Parteien bieten unterschiedliche Lösungsansätze.
Krankenhäuser: Spagat zwischen Grundversorgung und Spezialisierung
Die Zukunft der Kliniklandschaft im Nordosten ist einer der am intensivsten diskutierten Punkte. Die SPD setzt darauf, rund 250 Millionen Euro aus Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität in die Krankenhäuser zu investieren. Ziel ist es, die Grund- und Regelversorgung flächendeckend abzusichern und zugleich Spezialisierungen an größeren Standorten zu fördern.
Die CDU betont eine verlässliche Erreichbarkeit und fordert, dass jede Bürgerin und jeder Bürger binnen maximal 30 Minuten mit dem Pkw ein Krankenhaus der Grundversorgung erreichen können muss. Die AfD warnt vor einem Kliniksterben und will regionale Notaufnahmen sowie Geburtsstationen über individuelle Budgetvereinbarungen stützen. Bündnis 90/Die Grünen und das BSW fordern eine stärkere Ausrichtung am Gemeinwohl und wollen ländliche Kliniken für ambulante Angebote öffnen oder zu regionalen Versorgungszentren weiterentwickeln.
Ärztemangel auf dem Land: Quoten, MVZ und Gemeindeschwestern
Besonders außerhalb der kreisfreien Städte Rostock und Schwerin bereitet die haus- und fachärztliche Versorgung zunehmend Sorgen. Viele Praxen stehen vor dem Generationswechsel ohne direkte Nachfolge. Um dem entgegenzuwirken, setzen die Parteien auf verschiedene Instrumente:
- Landarztprogramme: Programme zur gezielten Vergabe von Medizinstudienplätzen an Bewerber, die sich für den ländlichen Raum verpflichten, sollen weitergeführt oder ausgeweitet werden.
- Medizinische Versorgungszentren (MVZ): Der Aufbau kommunaler und gemeinwohlorientierter Zentren wird von mehreren Parteien forciert, um jungen Medizinern eine Anstellung zu ermöglichen.
- Mobile Teams und Gemeindeschwestern: Konzepte wie mobile Praxisteams und flächendeckende Gemeindeschwestern sollen Versorgungswege verkürzen und chronisch Kranke vor Ort betreuen.
- Telemedizin: Die Vernetzung von Hausärzten, Kliniken, Pflegeheimen und Rettungsdiensten soll beschleunigt werden.
Pflege im Fokus: Ambulante Hilfen und stärkere Rolle der Fachkräfte
Auch die pflegerische Versorgung verlangt dringende Weichenstellungen. Die SPD plant die Weiterführung des landeseigenen Pakts für Pflege sowie die Einführung digitaler Vermittlungshilfen wie eines Pflegefinders. Verbände wie der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sowie private Träger fordern von der künftigen Landesregierung jedoch noch weitreichendere Reformen. Im Mittelpunkt stehen dabei eine stärkere Eigenverantwortung für Pflegefachpersonen, ein konsequenter Bürokratieabbau sowie eine tragfähige wirtschaftliche Absicherung der stationären und ambulanten Pflegedienste.
Welche dieser Vorhaben in den kommenden fünf Jahren Realität werden, entscheidet sich nicht nur am Wahltag, sondern vor allem in den anschließenden Koalitionsverhandlungen in Schwerin.
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