Notfallreform in der Kritik: Warum KVB und AOK Bayern vor einem 24/7-Fahrdienst warnen

Djamal Sadaghiani
Notfallreform: KV Bayerns & AOK kritisieren 24/7-Bereitschaftsdienst

Die geplante Reform der Notfallversorgung durch das Bundesgesundheitsministerium sorgt in Bayern für deutlichen Gegenwind. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) und die AOK Bayern schlagen Alarm: Ein verpflichtender, rund um die Uhr verfügbarer aufsuchender Bereitschaftsdienst sei nicht nur unnötig, sondern auch ein massiver Kostentreiber.

Der Streitpunkt: Ein 24/7-Fahrdienst für ganz Deutschland?

Laut dem aktuellen Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) künftig dazu verpflichtet werden, einen aufsuchenden Bereitschaftsdienst an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr (24/7) anzubieten. Ziel der Bundesregierung ist es, die Notfallversorgung bundesweit zu vereinheitlichen und zu verbessern. Doch genau diese starre Vorgabe stößt bei den bayerischen Akteuren auf großes Unverständnis.

In einem gemeinsam veröffentlichten Positionspapier fordern die KVB und die AOK Bayern mehr regionale Flexibilität statt starrer Vorgaben aus Berlin. Sie befürchten, dass durch den Zwang zu einem durchgehenden Fahrdienst teure Parallelstrukturen geschaffen werden, die an den tatsächlichen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten vorbeigehen.

Datenanalyse zeigt: Kaum Bedarf während der regulären Öffnungszeiten

Um ihre Kritik mit Fakten zu untermauern, haben KVB und AOK das Anrufaufkommen unter der bundesweiten Bereitschaftsdienstnummer 116117 detailliert ausgewertet. Analysiert wurden 37 bayerische Fahrdienstregionen an Werktagen während der regulären Praxisöffnungszeiten. Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Bayernweit (mit Ausnahme der Metropole München) gab es durchschnittlich nur drei mögliche Fälle pro Fahrdienstregion und Werktag, die überhaupt einen aufsuchenden Dienst erfordert hätten.
  • Der Bedarf an ärztlichen Hausbesuchen über den Bereitschaftsdienst ist tagsüber, wenn die regulären Arztpraxen geöffnet haben, demnach verschwindend gering.

Telemedizin und Vor-Ort-Praxen als bessere Lösung

Die bayerischen Kassen- und Ärztevertreter betonen, dass viele medizinische Anliegen der Anrufer gar keinen aufsuchenden Fahrdienst benötigen. Stattdessen könnten diese Fälle oft schnell und effizient durch telemedizinische Beratungen geklärt oder direkt an eine geöffnete Arztpraxis vor Ort verwiesen werden.

Millionen-Kosten ohne spürbaren Nutzen für Patienten

Besonders kritisch sehen KVB und AOK die finanziellen Auswirkungen der geplanten Notfallreform. Während das Bundesgesundheitsministerium die Versorgung verbessern möchte, warnen die bayerischen Experten vor einer enormen Ressourcenverschwendung im Gesundheitswesen.

Die verpflichtende Vorhaltung eines 24/7-Fahrdienstes würde allein in Bayern schätzungsweise rund acht Millionen Euro an zusätzlichen Kosten verursachen. Heruntergebrochen bedeutet das:

  • Vorhaltekosten von rund 104 Euro pro Region und Stunde.
  • Diese immensen Kosten fallen völlig unabhängig davon an, ob der Fahrdienst überhaupt zu einem Einsatz ausrücken muss oder untätig wartet.

Die bundesweite Pflicht für einen solchen Dienst würde laut den Verantwortlichen der KVB und AOK in erheblichem Umfang zusätzliche Vorhaltestrukturen schaffen, ohne die medizinische Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger spürbar zu verbessern.

Fazit: Regionale Lösungen statt "One-Size-Fits-All"

Für die Gesundheitsexperten in Bayern ist klar: Eine erfolgreiche Notfallreform darf nicht am grünen Tisch in Berlin vorbei an den regionalen Realitäten geplant werden. Statt eines starren 24/7-Fahrdienstes brauche es flexible, bedarfsgerechte Lösungen, die sowohl die medizinische Notfallversorgung der Bevölkerung sicherstellen als auch die begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen der Pflege- und Gesundheitseinrichtungen schonen. Ob das Bundesgesundheitsministerium auf diese fundierten Warnungen reagieren wird, bleibt abzuwarten.

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