Paracetamol in der Schwangerschaft: Studie relativiert Risiko für ADHS und Autismus

Dominik Hübenthal
Paracetamol in der Schwangerschaft: Risiko für ADHS & Autismus?

Sorge um das beliebteste Schmerzmittel

Ein pochender Kopf, Gliederschmerzen oder ein plötzlicher Fieberschub: In der Schwangerschaft greifen viele Frauen bei Beschwerden zu Paracetamol. Lange Zeit galt das Medikament als völlig unbedenklich. Doch in den vergangenen Jahren sorgten Berichte für Verunsicherung, die einen möglichen Zusammenhang zwischen der Einnahme des Schmerzmittels und späteren neurologischen Entwicklungsstörungen wie ADHS oder Autismus beim Kind herstellten. Eine neue, umfassende Studie, die im renommierten Fachmagazin JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde, bringt nun Licht ins Dunkel und liefert beruhigende Antworten.

Die Ergebnisse auf den ersten Blick

Ein Forscherteam der National Cheng Kung University in Taiwan analysierte die Gesundheitsdaten von über zwei Millionen Geburten im Zeitraum von 2004 bis 2015. Zunächst schien sich der anfängliche Verdacht zu bestätigen: Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft häufiger Paracetamol verschrieben bekamen, wiesen ein leicht erhöhtes Risiko auf, später an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zu erkranken. Die Daten zeigten eine scheinbar klare Verbindung zwischen der Dosis des Medikaments und der Häufigkeit der Diagnosen.

Der entscheidende Geschwister-Vergleich

Doch die Wissenschaftler gaben sich mit diesem ersten Befund nicht zufrieden und wandten eine präzisere Methode an: den sogenannten Geschwister-Vergleich. Sie betrachteten gezielt Familien, in denen die Mutter bei einer Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatte, bei einer anderen jedoch nicht. Das überraschende Ergebnis: Innerhalb derselben Familie verschwand der statistische Zusammenhang zwischen dem Schmerzmittel und den Entwicklungsstörungen vollständig.

Dies deutet laut den Studienautoren stark darauf hin, dass nicht das Medikament selbst für das erhöhte Risiko verantwortlich ist. Vielmehr spielen unberücksichtigte familiäre Faktoren eine entscheidende Rolle. Dazu zählen beispielsweise die genetische Veranlagung, das soziale Umfeld oder die zugrunde liegende Erkrankung der Mutter. Schließlich wird Paracetamol nicht ohne Grund eingenommen: Unbehandeltes hohes Fieber oder schwere Infektionen während der Schwangerschaft können die kindliche Entwicklung nachweislich negativ beeinflussen. Die scheinbaren negativen Effekte von Paracetamol sind also höchstwahrscheinlich auf die Krankheitssymptome der Mutter oder familiäre Veranlagungen zurückzuführen, nicht auf die Tablette selbst.

Was bedeutet das für werdende Mütter?

Für Schwangere ist das eine überaus beruhigende Nachricht. Führende medizinische Fachgesellschaften betonen weiterhin, dass Paracetamol bei Schmerzen und Fieber in der Schwangerschaft das Mittel der Wahl bleibt. Ein Verzicht aus reiner Angst vor Spätfolgen für das Kind ist wissenschaftlich nicht begründet und kann bei starkem Fieber sogar schädlich sein. Dennoch gilt, wie bei allen Medikamenten in dieser sensiblen Phase, der ärztliche Grundsatz der Sparsamkeit:

  • Nur bei Bedarf einnehmen: Medikamente sollten in der Schwangerschaft nie präventiv oder leichtfertig geschluckt werden.
  • Die Dosis so gering wie möglich halten: Nehmen Sie nur so viel wie nötig und so kurz wie möglich ein.
  • Bei Unsicherheiten ärztlichen Rat einholen: Sprechen Sie bei anhaltenden Schmerzen oder hohem Fieber immer mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen.

Die aktuelle Studie zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, medizinische Daten im richtigen Kontext zu betrachten. Werdende Mütter dürfen aufatmen: Wer bei starkem Fieber oder unerträglichen Schmerzen zur Paracetamol-Tablette greift, muss sich keine Vorwürfe machen.

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