Pflegebegleitung im Fokus: Wie die häusliche Versorgung wirksam gestärkt werden soll

Benedikt Hübenthal
Pflegeneuordnungsgesetz: KDA fordert ganzheitliche Pflegebegleitung

Die Pflege in den eigenen vier Wänden ist für Millionen von Familien in Deutschland eine tägliche Herausforderung zwischen Organisation, emotionaler Belastung und bürokratischen Hürden. Mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) steht eine der umfassendsten Weichenstellungen für das Pflegesystem an. Ein zentraler Baustein des Reformvorhabens: die Einführung eines Rechtsanspruchs auf fachliche Pflegebegleitung. Um diesen Anspruch praxistauglich und wirkungsvoll auszugestalten, hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) nun konkrete Empfehlungen in einem richtungsweisenden Positionspapier vorgelegt.

Mehr als Paragrafen: Warum reine Beratung oft zu kurz greift

Bislang gleicht die Landschaft der Pflegeberatung in Deutschland oft einem unübersichtlichen Flickenteppich. Zwar existieren verschiedene gesetzliche Ansprüche auf Auskunft und Schulung, doch in der Praxis scheitern Betroffene und ihre Angehörigen nicht selten daran, die passenden Hilfen rechtzeitig miteinander zu verzahnen. Genau hier setzt die Kritik der Pflegeexperten Michael Ranft und Ulrich Wendte an, die das Positionspapier für das KDA verfasst haben.

Pflegebedürftige Menschen und pflegende Angehörige benötigen nach Einschätzung der Autoren weitaus mehr als bloße Informationen über einzelne Geld- und Sachleistungsansprüche. Notwendig sei eine kontinuierliche, niedrigschwellige und ganzheitliche Begleitung, die direkt an der individuellen Lebenswirklichkeit der Menschen ansetzt. Die neue Pflegebegleitung dürfe kein punktuelles Abarbeiten von Formularen sein, sondern müsse pflegefachliche, sozialrechtliche sowie sozialarbeiterische Kompetenzen aus einer Hand bündeln.

Alltagsprobleme ganzheitlich lösen

Die Belastungen in der häuslichen Pflege beschränken sich selten auf rein pflegerische Verrichtungen wie das Waschen oder Medikamentengaben. Oft sind es die scheinbar alltäglichen Hürden, die ein Pflegesetting ins Wanken bringen:

  • Erhalt der Mobilität: Praktische Anpassungen des Wohnraums und Beschaffung geeigneter Hilfsmittel, um Stürze zu vermeiden.
  • Prävention von Einsamkeit: Einbindung in soziale Aktivitäten und nachbarschaftliche Strukturen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige.
  • Haushaltsorganisation: Gezielte Entlastung im Alltag durch verlässliche Dienstleistungsangebote.
  • Medizinische Koordination: Strukturierte Abstimmung von Arztbesuchen, Therapien und Nachsorge.

Ein zentraler Ansprechpartner vor Ort könnte diese verschiedenen Stränge zusammenführen. Dadurch ließe sich verhindern, dass pflegende Angehörige durch Überlastung selbst erkranken oder die häusliche Pflege frühzeitig abgebrochen werden muss.

Kommunale Netzwerke als Schlüssel zum Erfolg

Ein zentraler Punkt im Konzept des KDA ist die feste Verankerung der Pflegebegleitung auf kommunaler Ebene. Regionale Strukturen kennen die lokalen Gegebenheiten, bestehende Pflegedienste, ehrenamtliche Initiativen und kommunale Angebote der Altenhilfe am besten.

KDA-Vorständin Dr. Alexia Zurkuhlen hebt hervor, dass die geplante Maßnahme ihr volles Potenzial erst dann entfalten kann, wenn sie eng in kommunale Netzwerke eingebunden wird. Eine enge Verzahnung von Pflegebegleitung, Altenhilfe und lokaler Pflegeplanung schaffe nicht nur verlässliche Hilfe für Familien, sondern hebe auch erhebliche Effizienzpotenziale im Gesamtsystem. Doppelstrukturen könnten so abgebaut und knappe Fachkraftressourcen zielgerichteter eingesetzt werden.

Fazit: Eine Chance für mehr Stabilität zu Hause

Der im Pflegeneuordnungsgesetz vorgesehene Anspruch auf fachliche Pflegebegleitung birgt eine historische Chance, die häusliche Pflege zukunftssicher aufzustellen. Ob die Reform den erhofften Nutzen im Alltag der Betroffenen entfaltet, hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent die Politik den Wechsel von bürokratischer Beratung hin zu einer echten, kontinuierlichen Begleitung vollzieht.

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