Pflegekammern fordern Gesetz für hochqualifizierte Pflegekräfte

Djamal Sadaghiani
Advanced Practice Nursing: Pflegekammern machen Druck für neues Gesetz

Trotz eines eklatanten Fachkräftemangels und einer immer älter werdenden Gesellschaft bleibt ein enormes Potenzial im deutschen Gesundheitssystem ungenutzt. Hochqualifizierte Pflegefachpersonen, die über weitreichende akademische und praktische Fähigkeiten verfügen, werden durch fehlende gesetzliche Grundlagen ausgebremst. Die Pflegekammern schlagen nun Alarm und fordern die Politik zum sofortigen Handeln auf.

Advanced Practice Nursing: Mehr als nur ein Trend

Im Zentrum der Debatte steht das sogenannte Advanced Practice Nursing (APN). Dabei handelt es sich um Pflegefachpersonen, die in der Regel über einen Masterabschluss verfügen und erweiterte Kompetenzen in der direkten Patientenversorgung besitzen. International – etwa in den USA, Kanada oder Skandinavien – sind diese hochqualifizierten Kräfte längst eine tragende Säule der medizinischen und pflegerischen Grundversorgung. Sie stellen Diagnosen, passen Therapien eigenständig an und entlasten somit das ärztliche Personal erheblich.

In Deutschland hingegen dürfen diese Spezialisten ihre hart erarbeiteten Fähigkeiten im Berufsalltag oft nicht vollumfänglich anwenden, da es an rechtlichen Rahmenbedingungen für die Übernahme heilkundlicher Tätigkeiten mangelt. Die Akademisierung der Pflege schreitet zwar voran, doch in der Praxis prallen die Absolventen auf starre, veraltete Strukturen.

Pflegekammern machen Druck auf die Politik

Um diesen Missstand zu beheben, fordern die Pflegekammern nun nachdrücklich die Schaffung eines klaren gesetzlichen Rahmens. Die Forderungen umfassen dabei mehrere Kernpunkte:

  • Rechtliche Absicherung: Eine bundeseinheitliche Regelung, die genau definiert, welche erweiterten Aufgaben APNs eigenverantwortlich übernehmen dürfen.
  • Abrechnungsmöglichkeiten: Die Integration der APN-Leistungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen, damit diese eigenständig abgerechnet werden können.
  • Berufliche Perspektiven: Die Schaffung attraktiver Karrieremodelle innerhalb der direkten Patientenversorgung, um Pflegekräfte langfristig am Bett zu halten.

Ein Gewinn für das gesamte Gesundheitssystem

Die Implementierung von APN-Strukturen ist weit mehr als nur ein berufspolitisches Anliegen der Pflegeverbände. Experten im Gesundheitswesen sind sich einig, dass eine stärkere Einbindung hochqualifizierter Pflegekräfte die Versorgungsqualität signifikant steigern kann. Besonders in ländlichen Regionen, in denen der Hausarztmangel bereits heute spürbar ist, könnten Advanced Practice Nurses eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung der lokalen Gesundheitsversorgung spielen.

Zudem würde eine Aufwertung des Berufsbildes die Attraktivität der Pflegeausbildung enorm steigern. Wer heute ein Pflegestudium absolviert, wünscht sich entsprechende Verantwortung und Handlungsspielräume in der Praxis. Bleiben diese verwehrt, wandern hochqualifizierte Kräfte nicht selten in die Verwaltung, die Wissenschaft oder ins Ausland ab.

Der Ball liegt bei der Regierung

Die Konzepte liegen längst auf dem Tisch, die Notwendigkeit ist angesichts der demografischen Entwicklung unbestritten. Nun liegt es an der Gesundheitspolitik, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen und den Weg für eine moderne, interprofessionelle Zusammenarbeit auf Augenhöhe freizumachen. Ein entsprechendes APN-Gesetz wäre ein Meilenstein – nicht nur für die Pflegefachpersonen, sondern für alle Patientinnen und Patienten in Deutschland.

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