Pflegereform in der Kritik: Infektionsschutz in der häuslichen Pflege gefährdet

Djamal Sadaghiani
Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG): Warnung vor Gefahren in der Pflege

Das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) soll die Pflege in Deutschland zukunftsfest machen und Angehörige entlasten. Doch schon der aktuelle Referentenentwurf stößt auf massiven Gegenwind aus der Gesundheitsbranche. Besonders im Fokus der Kritik steht eine geplante Änderung, die auf den ersten Blick wie eine reine bürokratische Umstrukturierung wirkt, aber weitreichende Folgen für den Pflegealltag und die Gesundheit von Millionen Menschen haben könnte.

Hygiene und Infektionsschutz stehen auf dem Spiel

Laut dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) birgt der vorliegende Gesetzentwurf erhebliche Risiken für die häusliche Pflege. Der entscheidende Knackpunkt ist die geplante Überführung der sogenannten zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel in das neue, übergreifende Entlastungsbudget. Bislang steht Pflegebedürftigen, die zu Hause betreut werden, ein festes, eigenständiges monatliches Budget für diese wichtigen Hygieneartikel zur Verfügung.

Zu diesen unverzichtbaren Hilfsmitteln für die tägliche Versorgung gehören unter anderem:

  • Einmalhandschuhe für die sichere Körperpflege
  • Flächen- und Händedesinfektionsmittel
  • Saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch
  • Schutzschürzen und medizinischer Mundschutz

Warum das Entlastungsbudget zum Problem wird

Das neue Entlastungsbudget der Bundesregierung soll eigentlich verschiedene Leistungsansprüche bündeln, um pflegenden Angehörigen mehr finanzielle Flexibilität zu geben. Der Branchenverband warnt jedoch eindringlich davor, die existenziellen Hygieneprodukte in diesen großen Topf zu werfen. Die Gefahr: Wenn Familien das Budget beispielsweise vollständig für die dringend benötigte Kurzzeit- oder Verhinderungspflege ausschöpfen, bliebe schlichtweg kein Geld mehr für die tägliche Hygiene und den Infektionsschutz übrig.

Ein solcher Engpass würde die Sicherheit in der häuslichen Umgebung massiv gefährden. Gerade ältere und pflegebedürftige Menschen haben oft ein stark geschwächtes Immunsystem. Höchste Hygienestandards bei der Grundpflege, beim Toilettengang oder bei der Wundversorgung sind daher absolut unerlässlich, um lebensbedrohliche Infektionen zu vermeiden.

Die klare Forderung: Eigenständiger Anspruch muss bleiben

Um die Sicherheit der Pflegebedürftigen lückenlos zu gewährleisten, fordert der BVMed den Gesetzgeber zu deutlichen Nachbesserungen am Pflegeneuordnungsgesetz auf. Der Verband plädiert nachdrücklich für den unbedingten Erhalt des eigenständigen Sachleistungsanspruchs für Pflegehilfsmittel. Nur durch ein separates Budget könne sichergestellt werden, dass die grundlegende Versorgung mit Hygieneartikeln nicht gegen andere wichtige Entlastungsleistungen ausgespielt wird.

Wie geht es nun weiter?

Das Gesetz befindet sich derzeit noch in der Entwurfsphase, was bedeutet, dass inhaltliche Anpassungen durch die Politik noch möglich sind. Für die Millionen von Menschen, die in Deutschland ihre Angehörigen aufopferungsvoll zu Hause pflegen, bleibt zu hoffen, dass die Warnungen aus der medizinischen Praxis Gehör finden. Ein starker Infektionsschutz ist das Fundament einer sicheren häuslichen Pflege und darf nicht einer gut gemeinten, aber in der Praxis riskanten Budgetierung zum Opfer fallen.

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