Tag der Organspende: Bündnis drängt auf Einführung der Widerspruchsregelung in Deutschland

Benedikt Hübenthal
Organspende in Deutschland: Leben Spenden e.V. fordert Widerspruchsregelung

Pünktlich zum anstehenden Tag der Organspende am 6. Juni wird der Ruf nach einer grundlegenden Reform des deutschen Organspendesystems wieder lauter. Das Bündnis "Leben Spenden - Bündnis für Organspende e. V." richtet einen eindringlichen Appell an die Politik: Deutschland müsse endlich dem Beispiel vieler europäischer Nachbarn folgen und die sogenannte Widerspruchsregelung einführen.

Die aktuelle Lage: Leichter Anstieg, aber weiterhin dramatische Engpässe

Zwar verzeichnete die Bundesrepublik im Jahr 2025 einen leichten Aufwärtstrend – laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten 985 Menschen nach ihrem Tod Organe, was dem höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt entspricht. Doch diese Zahl täuscht über den Ernst der Lage hinweg. Mit rund 11,8 Spenderinnen und Spendern pro einer Million Einwohner bildet Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor eines der Schlusslichter.

Gleichzeitig warten über 8.100 schwer kranke Patientinnen und Patienten händeringend auf ein lebensrettendes Organ. Die aktuelle "erweiterte Zustimmungslösung", bei der eine Organentnahme nur nach ausdrücklicher Zustimmung zu Lebzeiten oder durch die Angehörigen erfolgen darf, reicht offensichtlich nicht aus, um diesen immensen Bedarf zu decken.

Warum die Widerspruchsregelung der Schlüssel sein könnte

In den meisten europäischen Ländern, wie etwa im Vorreiterland Spanien, bildet die Widerspruchsregelung längst das Fundament eines erfolgreichen Organspendesystems. Das Prinzip ist simpel: Jeder volljährige Mensch gilt nach dem Tod grundsätzlich als potenzieller Organspender, es sei denn, er hat zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen.

Laut Jutta Falke-Ischinger, der Vorsitzenden von Leben Spenden e. V., setze der Gesetzgeber mit der aktuell geltenden Zustimmungslösung faktisch ein negatives Signal, da niemand Spender sei, solange er es nicht explizit erkläre. Eine Widerspruchsregelung würde hingegen die ohnehin positive Grundhaltung der deutschen Bevölkerung aufgreifen – Umfragen zufolge stehen rund 85 Prozent der Deutschen der Organspende positiv gegenüber.

Was bedeutet die Widerspruchslösung für den Einzelnen?

Kritiker äußern oft Bedenken hinsichtlich einer möglichen Bevormundung durch den Staat. Das Bündnis stellt jedoch klar, dass es auch unter der Widerspruchsregelung keinen Automatismus gäbe. Die Autonomie des Einzelnen bleibt vollständig gewahrt:

  • Aktiver Widerspruch: Wer nach seinem Tod keine Organe spenden möchte, kann dies unkompliziert dokumentieren oder seinen Angehörigen mitteilen.
  • Einbezug der Angehörigen: Auch bei einer Widerspruchsregelung werden die nächsten Angehörigen im Todesfall weiterhin in den Entscheidungsprozess einbezogen und angehört.
  • Kliniken in der Pflicht: Ein Systemwechsel würde Krankenhäuser stärker in die Pflicht nehmen, potenzielle Spender zu identifizieren und die internen Abläufe zu optimieren.

Fazit: Ein Systemwechsel als Chance auf mehr Leben

Das Bündnis Leben Spenden e. V. unterstützt ausdrücklich die erneuten Initiativen des Bundesrates sowie überparteiliche Gesetzentwürfe aus dem Parlament, die einen Wechsel zur Widerspruchsregelung anstreben. Der Tag der Organspende sollte nicht nur ein Tag des Gedenkens an die Spender und des Dankes sein, sondern auch ein Tag der mutigen politischen Entscheidungen. Ein Paradigmenwechsel könnte die Organspende in Deutschland vom Ausnahme- zum Normalfall machen – und so in Zukunft tausende Leben retten.

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