Tödlicher Irrtum: Warum Frauen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen benachteiligt werden
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten in der gesellschaftlichen Wahrnehmung noch immer häufig als typische Männersache. Doch dieser Irrtum kann fatale Folgen haben. Expertinnen warnen davor, dass Frauen in der medizinischen Praxis bei der Diagnostik und Therapie von kardiologischen Beschwerden weiterhin strukturell benachteiligt werden.
Ein gefährlicher Mythos
Obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch bei Frauen zu den häufigsten Todesursachen zählen, ist das Bewusstsein dafür in der Bevölkerung oft erschreckend gering. Anlässlich des Internationalen Tags der Frauengesundheit machten Medizinerinnen der Charité Universitätsmedizin Berlin unlängst auf diesen gravierenden Missstand aufmerksam. Laut der Kardiologin Julia Lueg vom Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) ist vielen Patientinnen die reale Gefahr für ihr eigenes Herz schlichtweg nicht bewusst. Die Folge: Präventive Maßnahmen werden vernachlässigt und bei akuten Beschwerden wird oft viel zu spät medizinische Hilfe gesucht.
Warum Frauen oft durchs Raster fallen
Das größte Problem liegt in der Art und Weise, wie sich beispielsweise ein Herzinfarkt äußert. Während Männer sehr häufig den klassischen, in den linken Arm ausstrahlenden Brustschmerz verspüren, zeigen Frauen oftmals unspezifischere Symptome. Zu den typischen weiblichen Warnsignalen gehören unter anderem:
- Schlagartige Übelkeit mit oder ohne Erbrechen
- Ziehende oder stechende Schmerzen zwischen den Schulterblättern
- Unerklärliche Kurzatmigkeit und Atemnot
- Plötzliche, starke Erschöpfung und unerklärliche Müdigkeit
Da diese Symptome sowohl von den Betroffenen selbst als auch von Teilen des medizinischen Personals seltener direkt mit einem Herzinfarkt in Verbindung gebracht werden, geht in Notsituationen wertvolle Zeit verloren. Erhebungen zeigen, dass Frauen in kardiologischen Notfällen oft deutlich später in eine Klinik eingeliefert werden als Männer und seltener sofort die lebensrettende Katheteruntersuchung erhalten.
Forderung nach einer geschlechtersensiblen Medizin
Um die Überlebenschancen und die Lebensqualität von Patientinnen zu verbessern, muss sich der Fokus im Gesundheitswesen wandeln. Die spezifischen Bedürfnisse und körperlichen Voraussetzungen von Frauen erfordern eine angepasste, geschlechtersensible Diagnostik. Es reicht nicht aus, das männliche Herz als alleinigen Standard für die medizinische Forschung und Behandlung heranzuziehen.
Für Pflegekräfte, Ärzteschaft und auch für die Patientinnen selbst gilt es, genauer hinzusehen und bei unklaren Beschwerden hartnäckig zu bleiben. Nur wenn die frauenspezifischen Besonderheiten in der Kardiologie umfassend Beachtung finden, kann die gefährliche Versorgungslücke in der Herzmedizin in Zukunft geschlossen werden.
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