Umbau der Telematikinfrastruktur: IT-Experten warnen vor voreiligen Schritten der gematik

Benedikt Hübenthal
Gematik-Transformationsplan 2030: BITMARCK fordert klare Regeln

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens schreitet unaufhaltsam voran, doch bei der durchgehenden Vernetzung aller Beteiligten knirscht es weiterhin im Gebilde. Um diese Hürden zu überwinden, hat die halbstaatliche Digitalagentur gematik kürzlich ihr „Konzept TI-Betriebsstabilität und Transformationsplan 2030“ vorgelegt. Doch die weitreichenden Pläne stoßen nicht nur auf ungeteilte Zustimmung.

Chancen und Risiken des neuen gematik-Konzepts

Grundsätzlich stößt das Vorhaben der gematik auf positive Resonanz. Die formulierten Ziele – darunter eine höhere Wirtschaftlichkeit, mehr Schnelligkeit, die Reduzierung von Komplexität sowie eine stabilere Telematikinfrastruktur (TI) – werden von den meisten Akteuren des Gesundheitswesens begrüßt. Auch der IT-Dienstleister BITMARCK, der einen Großteil der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland betreut, bewertet die Ausrichtung prinzipiell als positiv.

Dennoch gibt es an entscheidenden Stellen erheblichen Diskussionsbedarf. In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier benennen die IT-Experten sieben Kernpunkte, die bei der Umsetzung zwingend beachtet werden müssen. Ein zentraler Kritikpunkt ist der mögliche Wechsel von einem dezentralen Marktmodell hin zu einer zentral gesteuerten TI-Plattform.

„Nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“

Kritisch gesehen wird vor allem der zeitliche Rahmen der geplanten Umstrukturierungen. Laut Andreas Strausfeld, dem Vorsitzenden der BITMARCK-Geschäftsführung, weisen die Ziele der gematik zwar in die absolut richtige Richtung. Er warnt jedoch nachdrücklich davor, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, da dies das gesamte Projekt ins Stolpern bringen könnte.

Mit der aktuellen Digitalgesetzgebung hat sich das Bundesgesundheitsministerium bereits ehrgeizige Ziele gesetzt. Besonders im Bereich der Primärversorgung bietet die Digitalisierung den Schlüssel für nachhaltige Verbesserungen, mehr Effizienz und dringend notwendige Einsparungen. Aus Sicht der IT-Experten ist daher eine strikte Priorisierung unerlässlich.

Fokus auf echten Mehrwert für Versicherte

Bevor die von der gematik skizzierte weitreichende Konsolidierung der Telematikinfrastruktur angegangen wird, sollten zunächst die bereits im Digitalgesetz (GeDIG) festgeschriebenen Maßnahmen vollständig und fehlerfrei umgesetzt werden. Der Fokus müsse vorerst darauf liegen, echte Mehrwerte für die Versicherten und Patienten zu schaffen.

Zudem pocht der IT-Dienstleister darauf, dass die sogenannte Frontend-Hoheit – also die direkte digitale Schnittstelle zum Patienten, wie etwa Kassen-Apps – weiterhin in den Händen der Krankenkassen verbleiben muss. Nur so könne eine passgenaue, sichere und nutzerfreundliche Betreuung der Versicherten gewährleistet werden.

  • Transparenz: Alle Schritte des Transformationsplans müssen offen und nachvollziehbar kommuniziert werden.
  • Teilhabe: Die relevanten Akteure des Gesundheitswesens müssen frühzeitig in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden.
  • Klare Regeln: Es bedarf verbindlicher Rahmenbedingungen für den Übergang zu neuen Systemarchitekturen, um Ausfälle zu vermeiden.

Die aktuelle Debatte um den Transformationsplan 2030 zeigt deutlich: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist kein reiner Selbstläufer. Sie erfordert einen ständigen, konstruktiven Dialog zwischen den Behörden, den technischen Dienstleistern und den Krankenkassen, um letztlich das beste und sicherste Ergebnis für die Patientinnen und Patienten zu erzielen.

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