Umfrage zeigt erhebliche Lücken bei der Krisenvorsorge in Arztpraxen

Dominik Hübenthal
Krisenresilienz in Arztpraxen: Geringe Vorbereitung auf Notfälle laut Zi-Umfrage

Ob flächendeckender Stromausfall, digitale Netzzusammenbrüche oder extreme Großschadenslagen: Die ambulante medizinische Versorgung in Deutschland weist im Katastrophenfall erhebliche Schwachstellen auf. Eine repräsentative Erhebung des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) verdeutlicht, dass sich die überwältigende Mehrheit der niedergelassenen Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten nur unzureichend auf schwerwiegende Notfallszenarien vorbereitet sieht.

Alarmierende Ergebnisse des Zi-Praxis-Panels

Für die Untersuchung zur Krisenresilienz wurden über 4.000 ambulant tätige Mediziner und Psychotherapeuten befragt. Das Stimmungsbild zeichnet ein deutliches Bild des Nachholbedarfs:

  • Großkrisen und Katastrophen: Rund 90 Prozent der Befragten fühlen sich auf langanhaltende Krisen wie militärische Konflikte oder radioaktive und chemische Kontaminationslagen so gut wie gar nicht vorbereitet.
  • Massenanfall von Verletzten: Knapp 80 Prozent gaben an, im Fall eines plötzlichen Massenansturms von Verletzten unzureichend gerüstet zu sein.
  • Infrastrukturausfälle: Mehr als zwei Drittel der Praxen sehen sich nicht in der Lage, einen einwöchigen Ausfall der Stromversorgung oder der Telekommunikation zu bewältigen.
  • Versorgungsengpässe: Etwa die Hälfte der Praxen stuft sich bei akuten Arzneimittelmängeln als schlecht vorbereitet ein.

Etwas resilienter schätzen sich die Praxen hingegen bei extremen Wetterereignissen und saisonalen Infektionswellen ein: Hier sehen sich lediglich 30 Prozent (bei Hitzewellen) beziehungsweise rund 40 Prozent (bei Infektionswellen) unzureichend aufgestellt.

Fehlende Notfallpläne und Versorgungsrisiken

Besonders kritisch ist das Fehlen strukturierter Ablaufpläne in den Gesundheitseinrichtungen. Den Ergebnissen zufolge verfügt der Großteil der ambulanten Praxen über keinerlei Notfallkonzepte für den Ausfall essenzieller Versorgungsnetze wie Strom, Wasser, Heizung oder Kühlung. Lediglich jede zehnte Praxis wäre bei einem Zusammenbruch der Strom- oder Wärmeversorgung imstande, den Praxisbetrieb ohne wesentliche Einschränkungen fortzuführen.

Gerade spezialisierte Facharztpraxen, die auf energieintensive Medizintechnik oder durchgehende Kühlketten für empfindliche Medikamente angewiesen sind, stünden bei einem längeren Blackout vor massiven Problemen. Doch auch in der Grundversorgung würde ein Ausfall der digitalen Praxisverwaltungssysteme und Kommunikationswege die Patientenversorgung unverzüglich lähmen.

Forderung nach klaren Leitfäden und staatlicher Unterstützung

Die Erhebung unterstreicht die Notwendigkeit, den ambulanten Sektor deutlich stärker in nationale Notfall- und Katastrophenschutzpläne einzubinden. Bislang konzentrieren sich politische Debatten und gesetzliche Vorhaben im Bevölkerungsschutz überwiegend auf Krankenhäuser und Rettungsdienste.

Aus den Reihen der Versorgungsforschung und Praxisverbände wird deshalb gefordert, praxisnahe Leitfäden, Checklisten sowie finanzielle und logistische Hilfen bereitzustellen. Eine verlässliche Notfallinfrastruktur im ambulanten Bereich sei unerlässlich, um bei künftigen Krisen eine Überlastung der Kliniken abzuwenden und die medizinische Grundversorgung vor Ort aufrechtzuerhalten.

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