Wenn Medikamente zur Gefahr werden: Polymedikation überfordert Senioren

Dominik Hübenthal
Polymedikation: Studie zeigt Überforderung bei Senioren

Die tägliche Einnahme von Medikamenten gehört für die meisten Senioren in Deutschland fest zum Alltag. Doch was passiert, wenn die Liste der verschriebenen Präparate immer länger wird? Für viele ältere Menschen wird der tägliche Tablettenkonsum dann zu einer unüberschaubaren Herausforderung, die ernsthafte gesundheitliche Risiken birgt.

Neue Studie offenbart zunehmende Überforderung

Wie eine aktuelle Untersuchung der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Essen zeigt, fällt es vielen älteren Menschen zunehmend schwerer, bei der Einnahme verschiedener Arzneimittel den Überblick zu bewahren. Die Ergebnisse der Studie, die kürzlich im renommierten Fachmagazin Frontiers of Public Health veröffentlicht wurden, verdeutlichen ein wachsendes Problem in der geriatrischen Versorgung: die sogenannte Polymedikation.

Von Polymedikation spricht man in der medizinischen Fachwelt in der Regel, wenn Patienten dauerhaft fünf oder mehr verschiedene Medikamente einnehmen müssen. Die Untersuchung belegt, dass genau diese Vielzahl an Präparaten bei Senioren im heimischen Umfeld häufig zu Unsicherheiten führt. Wann muss welche Tablette eingenommen werden? Darf das Mittel vor oder nach dem Essen geschluckt werden? Solche Fragen überfordern viele Betroffene im Alltag maßlos.

Gefährliche Folgen durch fehlerhafte Einnahme

Wenn der Überblick verloren geht, steigt das Risiko für schwerwiegende Fehler rapide an. Eine fehlerhafte Einnahme, das Vergessen von lebenswichtigen Tabletten oder gar eine versehentliche Überdosierung können drastische Folgen haben. Zudem erhöhen sich bei der Kombination zahlreicher Wirkstoffe die Gefahren von unvorhersehbaren Wechselwirkungen und Nebenwirkungen. Diese reichen von akutem Schwindel und einem damit verbundenen erhöhten Sturzrisiko bis hin zu schweren Verwirrtheitszuständen, die oft fälschlicherweise als Demenzsymptome gedeutet werden.

Praktische Tipps für Angehörige und Pflegekräfte

Um Senioren im Alltag wirkungsvoll zu entlasten und die Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme zu gewährleisten, sind pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte gefragt. Folgende Maßnahmen können helfen, das gefährliche Tabletten-Chaos zu ordnen:

  • Aktueller Medikationsplan: Führen Sie einen übersichtlichen, stets aktuellen Plan, der alle Medikamente (auch rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel) auflistet. Ärzte und Apotheker können diesen auf gefährliche Wechselwirkungen prüfen.
  • Wöchentliche Pillenboxen (Dispenser) nutzen: Das Vorsortieren der Tabletten in Tages- und Uhrzeitfächer nimmt den Senioren die tägliche Entscheidung ab und gibt ein großes Maß an Sicherheit.
  • Regelmäßige ärztliche Überprüfung: Mindestens einmal im Jahr sollte der behandelnde Hausarzt prüfen, ob noch alle verschriebenen Medikamente wirklich notwendig sind. Oftmals können Präparate abgesetzt oder in der Dosis reduziert werden.
  • Apotheken-Service in Anspruch nehmen: Viele Apotheken bieten mittlerweile eine professionelle Medikationsanalyse an oder verblistern Medikamente individuell und maschinell für den Patienten.

Weniger ist in der Altersmedizin oft mehr

Die Erkenntnisse der Universität Duisburg-Essen sind ein wichtiger Weckruf für das Gesundheitssystem. Sie verdeutlichen, dass das bloße Verschreiben von Medikamenten nicht ausreicht. Die engmaschige Begleitung und Aufklärung der älteren Patienten muss viel stärker in den Fokus rücken. Letztendlich gilt in der Altersmedizin häufig der bewährte Grundsatz: Eine gut abgestimmte, reduzierte Medikation ist sicherer und effektiver als ein unübersichtliches Tabletten-Sammelsurium.

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