WHO-Showdown: Der globale Streit um das Pandemieabkommen

Dominik Hübenthal
WHO Pandemieabkommen 2026: Verhandlungen um das PABS-System

Die Welt schaut gespannt auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In diesen Tagen fällt die Entscheidung über eines der wichtigsten globalen Gesundheitsprojekte unseres Jahrzehnts. Es geht um das Herzstück des internationalen Pandemieabkommens: das sogenannte PABS-System (Pathogen Access and Benefit-Sharing). Während der übergeordnete Rahmen des Abkommens bereits im Mai 2025 verabschiedet wurde, steht und fällt dessen Inkrafttreten mit genau diesem Mechanismus. Doch die Fronten zwischen wohlhabenden Industrienationen und den Entwicklungsländern sind verhärtet.

Worum geht es beim PABS-System?

Hinter dem technischen Kürzel PABS verbirgt sich eine hochbrisante Frage: Wie stellen wir sicher, dass bei der nächsten globalen Gesundheitskrise alle Länder fairen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten und Impfstoffen haben? Laut dem Bundesgesundheitsministerium soll das System im Pandemiefall den schnellen Zugang zu Krankheitserregern und deren genetischen Informationen gewährleisten. Gleichzeitig soll es aber auch eine gerechtere Verteilung von Pandemieprodukten wie Diagnostika, Therapeutika und Impfstoffen sicherstellen.

Genau hier liegt der Kern des Konflikts. Es geht um einen Tauschhandel: Die Länder, in denen neue Erreger zuerst auftauchen, sollen die genetischen Daten sofort und transparent mit der Weltengemeinschaft teilen. Im Gegenzug fordern sie verbindliche Zusagen, dass sie bei der Verteilung von Impfstoffen und Medikamenten nicht wieder das Nachsehen haben – so wie es während der COVID-19-Pandemie vielfach der Fall war.

Der tiefe Graben zwischen Nord und Süd

Die Verhandlungen offenbaren einen tiefen geopolitischen Graben. Auf der einen Seite stehen die Entwicklungsländer, insbesondere Staaten des Globalen Südens. Sie fordern ein völkerrechtlich bindendes System. Sie möchten verhindern, dass große Pharmakonzerne aus Industrienationen die geteilten Erreger-Daten nutzen, um Milliardengewinne zu erzielen, während ärmere Länder leer ausgehen. Sie verlangen feste Quoten und Technologietransfers.

Auf der anderen Seite stehen die Industrienationen. Sie befürchten, dass zu strenge, verpflichtende Auflagen die Pharmaindustrie abschrecken und die dringend benötigte Forschung und Entwicklung im Ernstfall ausbremsen könnten. Sie plädieren eher für freiwillige Anreizsysteme, um die privatwirtschaftliche Innovation nicht zu gefährden.

Die Zeit drängt: Deadline im Mai 2026

Die Uhr tickt unerbittlich. Ziel der aktuellen Verhandlungsrunden ist es, einen fertigen Text vorzulegen, der auf der Weltgesundheitsversammlung im Mai 2026 offiziell verabschiedet werden kann. Gelingt dies nicht, droht das gesamte Pandemieabkommen zu scheitern oder auf unbestimmte Zeit verzögert zu werden.

  • Mai 2025: Die WHO-Mitgliedsstaaten verabschieden den allgemeinen Text des Pandemieabkommens.
  • April 2026: Die entscheidenden Verhandlungsrunden über den PABS-Annex gehen in die heiße Phase.
  • Mai 2026: Geplante finale Verabschiedung auf der Weltgesundheitsversammlung.

Für die globale Gesundheitsarchitektur steht viel auf dem Spiel. Ein Scheitern der Gespräche wäre ein fatales Signal für die internationale Solidarität. Ob am Ende ein tragfähiger Kompromiss gefunden wird, der sowohl schnelle wissenschaftliche Reaktionen ermöglicht als auch globale Gerechtigkeit garantiert, werden die kommenden, intensiven Verhandlungstage zeigen.

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