Die Diagnose einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung verändert das Leben von einem Tag auf den anderen. Für die betroffenen Menschen und ihre Familien beginnt eine Zeit voller emotionaler, körperlicher und organisatorischer Herausforderungen. Die meisten schwerstkranken Menschen haben einen tiefen Wunsch: Sie möchten die verbleibende Lebenszeit so lange wie möglich in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung verbringen. Doch die Pflege am Lebensende bringt Angehörige häufig an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Genau an diesem Punkt setzt ein innovatives und überaus wichtiges Versorgungskonzept an: das Tageshospiz.
Als spezialisierte, teilstationäre Einrichtung schließt das Tageshospiz die entscheidende Lücke zwischen der rein ambulanten Pflege zu Hause und der vollstationären Aufnahme in einem Hospiz oder auf einer Palliativstation. Es bietet schwerstkranken Menschen tagsüber eine professionelle palliativmedizinische und psychosoziale Betreuung, während sie die Abende, Nächte und Wochenenden weiterhin in ihrem eigenen Zuhause bei ihren Liebsten verbringen können. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über das Konzept des Tageshospizes wissen müssen – von den konkreten Leistungen und dem Tagesablauf über die medizinischen Voraussetzungen bis hin zur vollständigen Klärung der Kosten und Finanzierung.
Ein Tageshospiz bietet eine wohnliche Atmosphäre
Ein Tageshospiz ist eine teilstationäre Einrichtung der Hospiz- und Palliativversorgung. Der Grundgedanke der Hospizbewegung, der auf die englische Krankenschwester und Ärztin Cicely Saunders zurückgeht, lautet: „Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben.“ Genau diese Philosophie wird im Tageshospiz aktiv gelebt. Im Gegensatz zu einem Krankenhaus oder einer regulären Pflegeeinrichtung steht hier nicht die Heilung einer Krankheit im Vordergrund – da diese medizinisch nicht mehr möglich ist –, sondern die bestmögliche Linderung von Beschwerden (Palliation) und die Steigerung der Lebensqualität.
Die Besucher eines Tageshospizes werden bewusst nicht als „Patienten“, sondern als Gäste bezeichnet. Dies unterstreicht den wohnlichen, gastfreundlichen und selbstbestimmten Charakter der Einrichtung. Ein Tageshospiz verfügt in der Regel über gemütliche Gemeinschaftsräume, Ruhezimmer mit speziellen Pflegebetten oder Ruhesesseln, Therapieräume und oft auch über einen geschützten Garten. Die Gäste können die Einrichtung an einem oder an mehreren Tagen in der Woche besuchen. Die typischen Öffnungszeiten orientieren sich an einem normalen Arbeitstag, meist von 08:00 Uhr bis 16:00 oder 17:00 Uhr.
Während in Ländern wie Großbritannien Tageshospize (dort Day Hospices genannt) bereits seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung sind, ist dieses Modell in Deutschland noch relativ jung, wächst aber stetig. Immer mehr Träger erkennen den enormen Bedarf an dieser flexiblen Versorgungsform, die es ermöglicht, die häusliche Pflege zu stabilisieren und eine vorzeitige vollstationäre Aufnahme zu verhindern.
Das Angebot eines Tageshospizes richtet sich an erwachsene Menschen (für Kinder gibt es spezialisierte Kinderhospize), die an einer weit fortgeschrittenen, unheilbaren und fortschreitenden (progredienten) Erkrankung leiden. Die Lebenserwartung der Gäste ist in der Regel auf Monate oder wenige Jahre begrenzt. Zu den typischen Krankheitsbildern, die eine Aufnahme in ein Tageshospiz rechtfertigen, gehören unter anderem:
Weit fortgeschrittene Krebserkrankungen (onkologische Diagnosen im Endstadium)
Schwere neurologische Erkrankungen, wie beispielsweise Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder fortgeschrittene Multiple Sklerose
Chronische Organinsuffizienzen im Endstadium, wie schwere Herzschwäche (Herzinsuffizienz), chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder terminales Nierenversagen
Das Tageshospiz eignet sich besonders für Menschen, die:
Einer spezialisierten Symptomkontrolle (z. B. bei starken Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit) bedürfen, die durch einen regulären ambulanten Pflegedienst allein nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann.
Unter sozialer Isolation leiden, da sie aufgrund ihrer schweren Erkrankung das Haus kaum noch verlassen können und sich den Austausch mit Menschen in ähnlichen Lebenssituationen wünschen.
Noch über ein gewisses Maß an Mobilität verfügen. Das bedeutet nicht, dass die Gäste laufen können müssen – auch Rollstuhlfahrer oder Menschen, die einen Liegendtransport benötigen, können ein Tageshospiz besuchen. Sie müssen jedoch gesundheitlich stabil genug sein, um den Transport von zu Hause in die Einrichtung und zurück bewältigen zu können.
Auch mit Rollstuhl ist der Besuch möglich
Die individuelle Betreuung steht im Vordergrund
Damit ein schwerstkranker Mensch in ein Tageshospiz aufgenommen werden kann und die Kosten von den Sozialversicherungsträgern übernommen werden, müssen bestimmte formelle und medizinische Kriterien erfüllt sein. Diese sind im deutschen Sozialrecht klar definiert.
Die wichtigste rechtliche Grundlage bildet § 39a des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V), der die stationäre und teilstationäre Hospizversorgung regelt. Folgende Voraussetzungen müssen zwingend vorliegen:
Ärztliche Bescheinigung: Ein behandelnder Arzt (dies kann der Hausarzt, ein Facharzt oder ein Arzt im Krankenhaus sein) muss die medizinische Notwendigkeit der Hospizversorgung bescheinigen. Er bestätigt schriftlich, dass eine unheilbare Erkrankung vorliegt, die eine palliativmedizinische und palliativpflegerische Versorgung erfordert.
Ausschluss einer Krankenhausbehandlung: Es darf keine Notwendigkeit (mehr) für eine kurative (heilende) Krankenhausbehandlung bestehen. Die Therapieziele haben sich rein auf die Palliation (Linderung) verschoben.
Gesicherte häusliche Versorgung: Da das Tageshospiz eine teilstationäre Einrichtung ist, muss sichergestellt sein, dass der Gast in der restlichen Zeit – also abends, nachts und an den Wochenenden – zu Hause angemessen versorgt ist. Dies geschieht in der Regel durch pflegende Angehörige, oft in Kombination mit einem ambulanten Pflegedienst oder der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV).
Transportfähigkeit: Der gesundheitliche Zustand muss den täglichen Weg zum Hospiz zulassen, ohne dass der Transport eine unzumutbare Belastung oder Gefährdung für den Gast darstellt.
Ein bestimmter Pflegegrad (nach SGB XI) ist für die Aufnahme in ein Tageshospiz übrigens keine zwingende Voraussetzung. Ausschlaggebend ist allein die palliativmedizinische Notwendigkeit. Dennoch haben die meisten Gäste aufgrund ihrer schweren Erkrankung bereits einen anerkannten Pflegegrad (meist Pflegegrad 3, 4 oder 5).
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Die komplexe Situation am Lebensende erfordert mehr als nur grundpflegerische Maßnahmen. Daher arbeitet in einem Tageshospiz ein sogenanntes multiprofessionelles Team. Verschiedene Berufsgruppen greifen hier Hand in Hand, um den Gast ganzheitlich – also körperlich, seelisch, sozial und spirituell – zu begleiten.
Palliative Care Pflegekräfte: Dies sind examinierte Pflegefachkräfte, die eine umfangreiche Zusatzqualifikation im Bereich der Palliativpflege absolviert haben. Sie sind Experten für Schmerzmanagement, Wundversorgung bei tumorbedingten Wunden und die Linderung von Symptomen wie Atemnot oder starker Unruhe.
Palliativmediziner: Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin sind eng in die Arbeit des Tageshospizes eingebunden. Sie überprüfen regelmäßig die Medikation, passen Schmerztherapien an und stehen dem Pflegeteam beratend zur Seite.
Psychologen und Sozialarbeiter: Die Konfrontation mit dem nahenden Tod löst bei den Betroffenen und ihren Familien oft Ängste, tiefe Trauer oder auch Wut aus. Psychosoziale Fachkräfte bieten entlastende Gespräche an und helfen bei der Bewältigung sozialrechtlicher Fragen (z. B. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Schwerbehindertenausweis).
Therapeuten: Je nach Einrichtung ergänzen Kunsttherapeuten, Musiktherapeuten, Physiotherapeuten oder Atemtherapeuten das Angebot. Diese Therapien zielen nicht auf Heilung ab, sondern auf Entspannung, Ausdruck von Emotionen und den Erhalt der verble শুটিং körperlichen Fähigkeiten.
Seelsorger: Unabhängig von der Konfession stehen Seelsorger für existenzielle und spirituelle Fragen zur Verfügung.
Ehrenamtliche Hospizbegleiter: Sie sind das Herzstück der Hospizarbeit. Ehrenamtliche schenken den Gästen ihre Zeit, lesen vor, spielen Gesellschaftsspiele, begleiten bei Spaziergängen oder sind einfach nur schweigend da.
Pflegerische Expertise gibt Sicherheit
Viele Menschen, die das Wort "Hospiz" hören, haben unweigerlich das Bild einer düsteren, rein von Trauer geprägten Umgebung im Kopf. Ein Besuch im Tageshospiz belehrt sie oft schnell eines Besseren. Es wird gelacht, gemeinsam gekocht, diskutiert und das Leben im Hier und Jetzt genossen. Ein strukturierter, aber dennoch hochgradig flexibler Tagesablauf gibt den Gästen Halt und Sicherheit.
08:00 - 09:30 Uhr: Ankunft und gemeinsames Frühstück
Die Gäste treffen nach und nach ein, meist gebracht durch Angehörige oder einen organisierten Fahrdienst. Der Tag beginnt in der Regel mit einem gemeinsamen Frühstück. Hierbei wird stark auf individuelle Wünsche und krankheitsbedingte Einschränkungen (wie Schluckbeschwerden oder Appetitlosigkeit) Rücksicht genommen. Der Duft von frischem Kaffee und Brötchen schafft eine familiäre Atmosphäre. Es ist Zeit für erste Gespräche und den Austausch von Neuigkeiten.
09:30 - 12:00 Uhr: Pflege, Therapien und Aktivitäten
Der Vormittag wird individuell gestaltet. Für einige Gäste steht nun die medizinische Behandlungspflege an: Verbandswechsel, Medikamentengabe oder ein linderndes Entspannungsbad in einer speziellen Pflegebadewanne. Andere nehmen an therapeutischen Angeboten teil. In der Musiktherapie können beispielsweise Klangschalen eingesetzt werden, deren sanfte Vibrationen schmerzlindernd und beruhigend wirken. In der Kunsttherapie können Gefühle, für die oft die Worte fehlen, mit Farben und Formen ausgedrückt werden. Wer Ruhe braucht, kann sich jederzeit in sein Zimmer oder einen Ruhesessel zurückziehen.
12:00 - 13:00 Uhr: Das Mittagessen
Die Mahlzeiten sind ein zentrales Element im Tageshospiz. Oft wird frisch in der Einrichtung gekocht. Das gemeinsame Essen an einem großen Tisch fördert die Gemeinschaft und wirkt der sozialen Isolation entgegen, unter der viele Schwerstkranke zu Hause leiden.
13:00 - 14:30 Uhr: Mittagsruhe
Schwerstkranke Menschen haben ein stark erhöhtes Ruhebedürfnis. Die Mittagsruhe wird strikt eingehalten. Die Gäste können in bequemen Pflegebetten oder speziellen Liegesesseln schlafen oder ruhen. Das Pflegepersonal überwacht im Hintergrund diskret das Wohlbefinden.
14:30 - 16:00 Uhr: Kaffeetrinken und Ausklang
Nach der Ruhephase trifft man sich zu Kaffee und Kuchen. Oft werden kleine Aktivitäten wie Vorlesen, gemeinsame Spaziergänge im Hospizgarten (auch im Rollstuhl) oder der Besuch von Therapiehunden angeboten. Gegen 16:00 Uhr rüsten sich die Gäste für die Heimfahrt. Sie kehren mit neuen Eindrücken und optimal symptomkontrolliert in ihr häusliches Umfeld zurück.
Wenn über das Tageshospiz gesprochen wird, darf eine Gruppe von Menschen niemals vergessen werden: die pflegenden Angehörigen. Die Pflege eines sterbenskranken Partners, Elternteils oder erwachsenen Kindes zu Hause ist ein Akt tiefer Liebe, aber sie ist auch eine extreme physische und psychische Ausnahmebelastung.
Angehörige sind oft 24 Stunden am Tag im Einsatz. Der ständige Schlafmangel durch nächtliche Unruhe des Kranken, die körperliche Anstrengung beim Heben und Lagern und die permanente emotionale Anspannung ("Geht es ihm gut? Hat er Schmerzen? Atmet er noch?") führen nicht selten zu einem totalen Erschöpfungszustand – einem Burnout bei pflegenden Angehörigen.
Das Tageshospiz bietet hier eine unverzichtbare Atempause. Wenn der erkrankte Angehörige für ein bis drei Tage in der Woche im Tageshospiz ist, wissen die Familienmitglieder ihn in absoluter Sicherheit und unter professioneller medizinischer Beobachtung. In dieser Zeit können Angehörige:
Schlaf nachholen und sich körperlich regenerieren.
Eigene Arzttermine wahrnehmen oder in Ruhe Besorgungen machen.
Ihrer Berufstätigkeit (zumindest in Teilzeit) weiter nachgehen, was für die finanzielle Stabilität der Familie oft existenziell ist.
Sich Zeit für sich selbst nehmen, um Kraft für die anspruchsvolle Pflege am Abend und am Wochenende zu tanken.
Zudem bietet das Tageshospiz auch den Angehörigen psychosoziale Unterstützung an. In Gesprächen mit den Sozialarbeitern oder Seelsorgern können Ängste vor dem nahenden Verlust thematisiert werden. Viele Tageshospize organisieren auch Angehörigenabende, bei denen der Austausch mit anderen Betroffenen im Vordergrund steht. Diese Entlastung ist oft der entscheidende Faktor, der es überhaupt erst ermöglicht, den Kranken bis zum Schluss zu Hause zu pflegen, ohne dass die Familie daran zerbricht.
Angehörige finden wichtige Zeit zum Durchatmen
Die Frage der Finanzierung ist für viele Familien eine der größten Sorgen. Hier gibt es jedoch eine überaus positive und klare Nachricht: Der Aufenthalt im Tageshospiz ist für den schwerstkranken Gast und seine Angehörigen absolut kostenfrei. Niemand darf aus finanziellen Gründen von der Hospizversorgung ausgeschlossen werden.
Die Finanzierung in Deutschland ist gesetzlich über das Sozialgesetzbuch geregelt und baut auf einem Solidarprinzip auf:
95 Prozent der zuschussfähigen Kosten (die sogenannten bedarfsdeckenden Kosten für Pflege, Betreuung, Unterkunft und Verpflegung) werden von den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen übernommen. Grundlage hierfür ist der bereits erwähnte § 39a SGB V. Bei privat Versicherten gelten analoge Regelungen, hier sollte jedoch vorab kurz Rücksprache mit der privaten Krankenversicherung gehalten werden.
5 Prozent der Kosten muss der Träger des Tageshospizes (oft gemeinnützige Vereine, kirchliche Träger oder Stiftungen) selbst aufbringen. Dies geschieht in der Regel durch Spenden. Der Gesetzgeber hat diesen Eigenanteil bewusst verankert, um sicherzustellen, dass Hospize fest in der Bürgergesellschaft verankert bleiben und ein starkes ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement erhalten bleibt.
Was passiert mit dem Pflegegeld?
Eine häufig gestellte Frage ist, ob der Besuch eines Tageshospizes das monatliche Pflegegeld kürzt. Da die teilstationäre Hospizversorgung primär eine Leistung der Krankenversicherung (SGB V) zur Symptomkontrolle und Krisenintervention ist, bleibt das Pflegegeld aus der Pflegeversicherung (SGB XI), das Angehörige für die häusliche Pflege erhalten, in der Regel unangetastet. Das bedeutet: Sie können weiterhin das volle Pflegegeld für die häusliche Versorgung beziehen, auch wenn Ihr Angehöriger ein- oder mehrmals pro Woche das Tageshospiz besucht. Es empfiehlt sich dennoch, die genauen Details immer mit dem Sozialdienst des Hospizes und der zuständigen Pflegekasse abzustimmen.
Werden die Fahrtkosten übernommen?
Ja. Da die Gäste oft nicht mehr in der Lage sind, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder selbst zu fahren, ist ein organisierter Transport notwendig. Der behandelnde Arzt stellt hierfür eine „Verordnung einer Krankenbeförderung“ (den sogenannten Transportschein) aus. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten für den Transport mit dem Taxi, einem Krankentransportwagen (KTW) oder einem speziellen Fahrdienst (z.B. vom Roten Kreuz oder den Johannitern) von der Wohnungstür bis in das Tageshospiz und wieder zurück. Auch hierfür fallen für den Gast in der Regel keine Eigenanteile an, sofern die gesetzlichen Zuzahlungsbefreiungen bei chronisch Kranken greifen.
Der Sozialdienst hilft bei der Kostenklärung
Das deutsche Gesundheits- und Pflegesystem ist komplex. Um die richtige Entscheidung zu treffen, ist es wichtig, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Angeboten zu verstehen.
Tageshospiz vs. reguläre Tagespflege (nach SGB XI)
Dies ist die wichtigste Unterscheidung. Eine klassische Tagespflegeeinrichtung richtet sich an pflegebedürftige Senioren, die beispielsweise an Demenz leiden oder körperlich eingeschränkt sind, aber keine akute palliativmedizinische Symptomkontrolle benötigen. In der regulären Tagespflege steht die Grundpflege, Betreuung und Aktivierung im Vordergrund. Ein Tageshospiz hingegen ist medizinisch-pflegerisch hochspezialisiert. Wenn ein Gast im Tageshospiz plötzlich eine Schmerzkrise oder akute Atemnot erleidet, kann das Palliative-Care-Team sofort medizinisch intervenieren (z. B. durch die Gabe von Notfallmedikamenten / Bedarfsmedikation). Eine reguläre Tagespflege wäre mit einer solchen palliativen Krisensituation überfordert und müsste den Notarzt rufen, was oft zu einer ungewollten Krankenhauseinweisung führt.
Tageshospiz vs. Ambulanter Hospizdienst
Ein ambulanter Hospizdienst kommt direkt zum Patienten nach Hause. Er besteht primär aus ehrenamtlichen Begleitern, die stundenweise Zeit spenden, Angehörige entlasten und für Gespräche da sind. Sie erbringen jedoch keine pflegerischen oder medizinischen Leistungen. Das Tageshospiz bietet hingegen die volle pflegerische und medizinische Infrastruktur außerhalb der eigenen vier Wände.
Tageshospiz vs. SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung)
Die SAPV bringt Palliative-Care-Pflegekräfte und Palliativmediziner direkt in die häusliche Umgebung des Patienten. Sie sind rund um die Uhr rufbereit und kümmern sich um komplexe Symptomkontrolle zu Hause. Tageshospiz und SAPV schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich perfekt. Viele Gäste werden zu Hause durch die SAPV betreut und besuchen an ein oder zwei Tagen pro Woche das Tageshospiz, um der familiären Isolation zu entfliehen und die Angehörigen zu entlasten.
Tageshospiz vs. Stationäres Hospiz
In ein vollstationäres Hospiz zieht der Patient dauerhaft ein. Er verbringt dort seine letzten Lebenswochen oder -monate bis zum Versterben. Das Tageshospiz ist hingegen teilstationär. Der Gast schläft weiterhin zu Hause. Das Tageshospiz kann jedoch ein sanfter Übergang sein: Wenn die häusliche Pflege irgendwann nicht mehr leistbar ist, fällt der Wechsel in ein stationäres Hospiz oft leichter, wenn man die Räumlichkeiten, das Personal und die Hospizphilosophie bereits durch das Tageshospiz kennengelernt hat.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Tageshospiz die richtige Unterstützung für Sie oder Ihren Angehörigen sein könnte, ist der Weg dorthin meist unkomplizierter, als viele befürchten. Die Einrichtungen sind darauf spezialisiert, Familien in dieser schweren Zeit bürokratische Hürden abzunehmen.
Informationsbeschaffung und Kontaktaufnahme: Suchen Sie nach Tageshospizen in Ihrer Region. Da diese Versorgungsform noch ausgebaut wird, gibt es sie noch nicht in jeder Kleinstadt, aber die Netzwerke wachsen. Rufen Sie dort an. Die Pflegedienstleitung oder der Sozialdienst nimmt sich gerne Zeit für ein erstes, unverbindliches Telefonat.
Das Beratungsgespräch und der "Schnuppertag": Die meisten Tageshospize laden den interessierten Gast und seine Angehörigen zu einem persönlichen Kennenlernen ein. Oft wird ein kostenfreier "Schnuppertag" oder Schnuppernachmittag angeboten. So kann der Gast die Atmosphäre erleben, das Essen probieren und prüfen, ob er sich in der Umgebung wohlfühlt.
Die ärztliche Bescheinigung: Wenn die Entscheidung gefallen ist, benötigen Sie die ärztliche Bescheinigung nach § 39a SGB V. Sprechen Sie Ihren Hausarzt, den behandelnden Onkologen oder den Palliativmediziner an. Diese kennen die entsprechenden Formulare.
Kostenübernahmeantrag bei der Krankenkasse: Das ausgefüllte ärztliche Zeugnis wird zusammen mit einem Antrag auf Kostenübernahme bei der zuständigen Krankenkasse eingereicht. Tipp: Das Team des Tageshospizes übernimmt diese bürokratischen Schritte in der Regel komplett für Sie! Sie müssen sich nicht selbst mit Formularen herumschlagen.
Organisation des Transports: Sobald die Genehmigung der Kasse vorliegt, kümmert sich das Tageshospiz gemeinsam mit Ihnen um die Organisation des Fahrdienstes. Die Verordnung für die Krankenbeförderung stellt wiederum der Arzt aus.
Aufnahme: Der Gast kann nun an den vereinbarten Tagen (z.B. jeden Dienstag und Donnerstag) das Tageshospiz besuchen.
Ein Fahrdienst organisiert den sicheren Transport
Umfassende Beratung vor der Aufnahme
Wenn Sie unsicher sind, ob ein Tageshospiz für Ihre aktuelle familiäre Situation passend ist, können Ihnen die folgenden Fragen bei der Entscheidungsfindung helfen. Wenn Sie mehrere Fragen mit "Ja" beantworten, ist ein Beratungsgespräch sehr empfehlenswert:
Leidet der Erkrankte an einer fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Krankheit?
Steht die Linderung von Symptomen (Schmerzen, Atemnot, Übelkeit) im Vordergrund der medizinischen Behandlung?
Fühlt sich der Erkrankte zu Hause oft einsam oder isoliert, weil ihm soziale Kontakte fehlen?
Sind die pflegenden Angehörigen körperlich oder seelisch stark erschöpft und benötigen dringend regelmäßige Auszeiten?
Ist die Versorgung des Erkrankten abends, nachts und an den Wochenenden zu Hause (durch Familie oder Pflegedienste) sichergestellt?
Ist der Erkrankte gesundheitlich noch in der Lage, einen Transport (z. B. im Rollstuhl oder liegend im KTW) zu bewältigen?
Wünscht sich die Familie Unterstützung bei der Bewältigung von Ängsten, Trauer und organisatorischen Fragen rund um das Lebensende?
Das Tageshospiz ist weitaus mehr als nur eine Pflegeeinrichtung. Es ist ein lebendiger Ort der Begegnung, der spezialisierten medizinischen Fürsorge und der tiefen Menschlichkeit. Für schwerstkranke Menschen bietet es die wunderbare Möglichkeit, dem oft von Krankheit und Einschränkungen dominierten häuslichen Alltag für einige Stunden zu entfliehen, Gemeinschaft zu erleben und höchste palliativmedizinische Sicherheit zu genießen.
Gleichzeitig ist es für pflegende Angehörige ein unverzichtbarer Rettungsanker. Die Gewissheit, den geliebten Menschen in besten Händen zu wissen, ermöglicht dringend benötigte Erholungsphasen. Nur wer selbst Kraft tankt, kann die schwere und würdevolle Aufgabe der häuslichen Sterbebegleitung auf Dauer leisten. Da die Finanzierung durch die Kranken- und Pflegekassen gesetzlich gesichert ist (§ 39a SGB V) und für die Familien keine Kosten entstehen, sollte niemand davor zurückschrecken, dieses wertvolle Angebot in Anspruch zu nehmen. Ein Tageshospiz hilft dabei, den Wunsch vieler Menschen zu erfüllen: Bis zuletzt in Würde und möglichst schmerzfrei leben zu dürfen – und abends wieder im eigenen Bett einzuschlafen.
Das Tageshospiz ist ein Ort der Begegnung
Wichtige Antworten zum Tageshospiz