Körperpflege bei Bettlägerigkeit: Tipps für Angehörige

Körperpflege bei Bettlägerigkeit: Tipps für Angehörige

Die Körperpflege bei Bettlägerigkeit: Ein Leitfaden für pflegende Angehörige

Die Pflege eines geliebten Menschen in den eigenen vier Wänden ist eine der anspruchsvollsten, aber auch liebevollsten Aufgaben, die Sie als Angehöriger übernehmen können. Wenn ein Familienmitglied durch Alter, Krankheit oder einen Unfall bettlägerig wird, verändert sich der Alltag grundlegend. Die tägliche Körperpflege rückt in den Mittelpunkt der häuslichen Versorgung. Sie dient nicht nur der reinen Hygiene und der Vermeidung von Infektionen, sondern ist ein essenzieller Baustein für das körperliche Wohlbefinden, die Erhaltung der Würde und die Förderung der Lebensqualität des Pflegebedürftigen.

Für viele Angehörige stellt die Vorstellung, eine komplette Ganzkörperwäsche, das Haarewaschen oder die Intimpflege im Bett durchzuführen, zunächst eine enorme Herausforderung dar. Unsicherheiten bezüglich der richtigen Handgriffe, die Angst, dem Angehörigen Schmerzen zuzufügen, und die körperliche Belastung für den eigenen Rücken sind allgegenwärtig. Dieser umfassende Ratgeber nimmt Sie an die Hand. Wir zeigen Ihnen detailliert, wie Sie die Körperpflege schonend, sicher und professionell durchführen, welche Hilfsmittel Ihnen den Alltag erleichtern und welche gesetzlichen Unterstützungsleistungen Sie in Anspruch nehmen können.

Modernes, gemütliches Pflegebett in einem sonnendurchfluteten heimischen Schlafzimmer

Ein gut ausgestattetes Pflegezimmer ist die Basis

Die psychologische Ebene: Würde, Scham und respektvolle Kommunikation

Bevor wir uns den praktischen Handgriffen widmen, ist es unerlässlich, die emotionale Dimension der Körperpflege zu betrachten. Für einen erwachsenen Menschen ist es oft mit großen Schamgefühlen verbunden, bei intimsten Verrichtungen auf fremde Hilfe – selbst die der eigenen Kinder oder des Partners – angewiesen zu sein. Der Verlust der Autonomie wiegt schwer.

Kommunikation ist der Schlüssel: Kündigen Sie jeden Schritt an. Ein plötzlicher kalter Waschlappen auf der Haut oder eine unerwartete Berührung im Intimbereich können Erschrecken oder Abwehrreaktionen auslösen. Erklären Sie mit ruhiger Stimme: "Ich wasche jetzt deinen rechten Arm" oder "Ich werde dich nun auf die Seite drehen, um deinen Rücken zu waschen." Dies gibt dem Pflegebedürftigen ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zurück.

Ressourcen fördern: Das oberste Prinzip in der professionellen Pflege lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. Übernehmen Sie nur das, was Ihr Angehöriger absolut nicht mehr selbst tun kann. Wenn die Person noch in der Lage ist, sich das Gesicht oder den Bauch selbst zu waschen, reichen Sie lediglich den Waschlappen an. Diese kleinen Handlungen erhalten die Restmobilität, fördern die Durchblutung und stärken das Selbstwertgefühl ungemein.

Privatsphäre wahren: Auch im häuslichen Umfeld muss die Privatsphäre strikt gewahrt werden. Schließen Sie die Zimmertür, ziehen Sie gegebenenfalls Vorhänge zu und decken Sie stets nur die Körperpartien auf, die Sie gerade waschen. Der Rest des Körpers bleibt zugedeckt, um Auskühlung und Scham zu vermeiden.

Pflegerin und Senior sitzen am Tisch und unterhalten sich vertrauensvoll

Respektvolle Kommunikation erhält die Würde

Vorbereitung ist das halbe Leben: Raum, Materialien und Ergonomie

Eine gute Vorbereitung erspart Ihnen Hektik während der Pflege und verhindert, dass Ihr Angehöriger unnötig lange entblößt im Bett liegen muss. Richten Sie sich alle benötigten Utensilien griffbereit auf einem Beistelltisch oder einem Nachttisch her.

Die optimale Raumumgebung:
Bettlägerige Menschen frieren deutlich schneller, da ihre Eigenbewegung und Muskeltätigkeit stark reduziert sind. Die Raumtemperatur sollte während der Körperpflege bei angenehmen 22 bis 24 Grad Celsius liegen. Schließen Sie alle Fenster, um Zugluft strikt zu vermeiden. Achten Sie auf eine gute, aber nicht blendende Beleuchtung, damit Sie Hautveränderungen sofort erkennen können.

Checkliste der benötigten Materialien:

  • Zwei Waschschüsseln: Eine für den Oberkörper und das Gesicht, eine separate für den Intimbereich und die Füße.

  • Vier bis sechs Waschlappen: Nutzen Sie unterschiedliche Farben (z. B. Weiß für das Gesicht, Blau für den Körper, Rot für den Intimbereich), um Verwechslungen und Keimverschleppungen auszuschließen.

  • Vier bis sechs Handtücher: Zum Abtrocknen und zum Unterlegen, um das Bettzeug zu schützen.

  • Milde Reinigungszusätze: Verwenden Sie pH-neutrale Waschlotionen (pH-Wert 5,5) oder sogenannte Syndets (synthetische Detergentien), um den Säureschutzmantel der Haut nicht zu zerstören. Bei trockener Haut können rückfettende Badeöle ins Waschwasser gegeben werden.

  • Hautpflegeprodukte: Körperlotionen, spezielle Cremes für trockene Haut (z. B. Wasser-in-Öl-Emulsionen) oder ärztlich verordnete Salben.

  • Frische Kleidung: Unterwäsche, Schlafanzug oder Nachthemd (ideal sind hinten offene Pflegehemden).

  • Inkontinenzmaterial: Frische Einlagen, Vorlagen oder Windelhosen, falls benötigt.

  • Bettschutz: Einmal-Betteinlagen zum Schutz der Matratze.

  • Einweghandschuhe und Händedesinfektionsmittel: Zu Ihrem eigenen Schutz und zur Infektionsprävention.

  • Abwurfbehälter: Ein Mülleimer oder Wäschesack in direkter Reichweite für gebrauchte Materialien.

Ergonomie und Selbstschutz für Pflegende:
Die Pflege am Bett ist körperliche Schwerstarbeit. Um Bandscheibenvorfällen und chronischen Rückenschmerzen vorzubeugen, ist ein höhenverstellbares Pflegebett unerlässlich. Fahren Sie das Bett vor Beginn der Pflege auf Ihre individuelle Arbeitshöhe (etwa auf Höhe Ihres Bauchnabels). Arbeiten Sie mit leicht gebeugten Knien und geradem Rücken. Nutzen Sie das Gewicht Ihres eigenen Körpers zur Gewichtsverlagerung, anstatt aus den Armen oder dem Rücken zu heben.

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Finanzielle Unterstützung und Pflegehilfsmittel

Die Anschaffung all dieser Materialien kann ins Geld gehen. Der Gesetzgeber hat dies erkannt und unterstützt pflegende Angehörige finanziell. Sobald Ihr Angehöriger mindestens in Pflegegrad 1 eingestuft ist und zu Hause gepflegt wird, haben Sie Anspruch auf sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.

Gemäß § 40 Abs. 2 SGB XI übernimmt die Pflegekasse die Kosten für diese Verbrauchsmaterialien bis zu einem Betrag von 40 Euro pro Monat. Zu diesen Hilfsmitteln zählen unter anderem:

  • Einmalhandschuhe

  • Hände- und Flächendesinfektionsmittel

  • Bettschutzeinlagen (Einmalgebrauch)

  • Schutzschürzen und Mundschutz

Darüber hinaus können technische Pflegehilfsmittel wie ein elektrisches Pflegebett, ein Patientenlifter oder ein Haarwaschbecken von der Pflegekasse leihweise zur Verfügung gestellt oder bezuschusst werden. Wenn Ihr Angehöriger noch in der Lage ist, mit Unterstützung das Bett zu verlassen, können Hilfsmittel wie ein Badewannenlift oder ein Duschstuhl den Transfer ins Badezimmer ermöglichen und die Pflege erheblich erleichtern. Für detaillierte Informationen zu gesetzlichen Ansprüchen und Voraussetzungen empfiehlt sich ein Blick auf die offiziellen Seiten der Regierung, wie etwa das Bundesgesundheitsministerium.

Verschiedene Pflegehilfsmittel wie Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel übersichtlich angeordnet

Pflegehilfsmittel erleichtern den Alltag

Die Ganzkörperwäsche im Bett: Eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die Ganzkörperwäsche ist ein zentrales Ritual. Sie sollte nicht unter Zeitdruck stattfinden. Prüfen Sie vorab die Wassertemperatur. Sie sollte angenehm warm sein, idealerweise zwischen 36 und 38 Grad Celsius. Lassen Sie Ihren Angehörigen das Wasser mit der Hand prüfen, ob es ihm angenehm ist.

Das Grundprinzip der Waschung lautet: Von sauber nach unrein und von oben nach unten. Decken Sie immer nur den Teil des Körpers auf, den Sie gerade waschen. Legen Sie ein Handtuch unter die zu waschende Körperpartie, um das Bettlaken trocken zu halten.

Schritt 1: Gesicht, Hals und Ohren
Beginnen Sie mit dem Gesicht. Viele Menschen bevorzugen hier klares Wasser ohne Seife. Waschen Sie die Augen vorsichtig von außen nach innen (Richtung Nase), um das Einreiben von Schmutz in den Tränenkanal zu vermeiden. Verwenden Sie für jedes Auge eine andere Ecke des Waschlappens, um bei einer eventuellen Bindehautentzündung keine Keime zu übertragen. Waschen Sie anschließend Stirn, Wangen, Nase und den Bereich um den Mund. Vergessen Sie nicht die Ohrmuscheln und die Haut hinter den Ohren – hier sammeln sich oft Schweiß und Hautschuppen. Trocknen Sie das Gesicht durch sanftes Tupfen ab.

Schritt 2: Arme und Hände
Legen Sie ein Handtuch unter den Arm. Beginnen Sie an den Händen und waschen Sie den Arm in Richtung Schulter. Diese Streichrichtung (herzwärts) fördert den venösen Blutrückfluss und wirkt entstauend. Achten Sie besonders auf die Achselhöhlen und die Fingerzwischenräume. Wenn die Hände stark verschmutzt sind oder die Fingernägel gereinigt werden müssen, können Sie eine kleine Waschschüssel direkt ins Bett stellen und die Hände des Patienten darin einige Minuten baden lassen. Trocknen Sie auch die Zwischenräume der Finger sehr sorgfältig ab, um Pilzinfektionen vorzubeugen.

Schritt 3: Brust und Bauch
Decken Sie den Oberkörper auf, während der Unterkörper bedeckt bleibt. Waschen Sie Brust und Bauch. Bei Frauen ist besondere Aufmerksamkeit unter den Brüsten geboten. In dieser Hautfalte staut sich leicht Feuchtigkeit, was zu einer schmerzhaften Intertrigo (Hautwolf oder Entzündung der Hautfalten) führen kann. Heben Sie die Brust sanft an, waschen Sie den Bereich darunter, spülen Sie mit klarem Wasser nach und trocknen Sie ihn penibel durch Tupfen ab. Auch der Bauchnabel und eventuelle Bauchfalten müssen gründlich gereinigt und getrocknet werden.

Schritt 4: Beine und Füße
Decken Sie nun den Oberkörper wieder zu und ein Bein auf. Legen Sie ein Handtuch unter. Waschen Sie das Bein beginnend vom Fuß in Richtung Oberschenkel (wieder herzwärts gerichtet). Die Füße benötigen besondere Zuwendung. Stellen Sie, wenn möglich, eine Waschschüssel ans Fußende und baden Sie die Füße kurz. Trocknen Sie die Zehenzwischenräume extrem sorgfältig ab. Restfeuchtigkeit zwischen den Zehen ist die Hauptursache für Fußpilz. Bei Diabetikern müssen die Füße täglich auf kleinste Verletzungen, Risse oder Druckstellen kontrolliert werden (diabetisches Fußsyndrom).

Schritt 5: Der Rücken
Um den Rücken zu waschen, muss der Pflegebedürftige auf die Seite gedreht werden. Bitten Sie ihn, den Kopf in die Drehrichtung zu wenden, den Arm der Drehrichtung auszustrecken und das andere Bein aufzustellen. So können Sie ihn mit wenig Kraftaufwand zu sich herüberrollen. Sichern Sie ihn in der Seitenlage. Waschen Sie den Rücken vom Nacken abwärts bis zum Gesäß. Diese Position eignet sich hervorragend, um den Rücken mit einer pflegenden Lotion einzureiben und durch leichte Streichungen die Durchblutung zu fördern. Kontrollieren Sie dabei unbedingt die Haut über der Wirbelsäule und den Schulterblättern auf Rötungen – dies sind typische Stellen für das Entstehen eines Dekubitus (Druckgeschwür).

Zwei Waschschüsseln mit bunten Waschlappen und frischen Handtüchern vorbereitet auf einem Beistelltisch

Gute Vorbereitung schützt vor Auskühlung

Intimpflege bei Bettlägerigkeit: Höchste Sensibilität und Hygiene

Die Intimpflege ist der sensibelste Teil der Körperpflege. Ziehen Sie sich für diesen Arbeitsschritt unbedingt Einweghandschuhe an. Wechseln Sie das Waschwasser und nutzen Sie frische, farblich markierte Waschlappen und Handtücher. Legen Sie eine saugfähige Bettschutzeinlage unter das Gesäß des Patienten.

Intimpflege bei Frauen:
Spreizen Sie die Beine der Patientin leicht an (Beine aufstellen lassen, wenn möglich). Waschen Sie den Intimbereich immer von vorne nach hinten (von der Schambein-Richtung zum After). Dies ist eine eiserne Regel in der Pflege. Würden Sie von hinten nach vorne waschen, bestünde die akute Gefahr, Darmbakterien (wie E. coli) in die Harnröhre zu wischen, was bei Frauen aufgrund der kurzen Harnröhre unweigerlich zu schweren Harnwegsinfektionen führt. Spreizen Sie die großen Schamlippen sanft und waschen Sie den Bereich dazwischen mit klarem Wasser oder einer sehr milden Waschlotion. Trocknen Sie alles gründlich, aber ohne starkes Rubbeln, ab.

Intimpflege bei Männern:
Waschen Sie zunächst den Penis und den Hodensack. Bei unbeschnittenen Männern muss die Vorhaut vorsichtig zurückgeschoben werden, um die Eichel und den Bereich unter der Vorhaut zu reinigen. Hier sammelt sich Smegma, ein Sekret, das bei mangelnder Hygiene zu Entzündungen führt. Kritischer Hinweis: Schieben Sie die Vorhaut nach dem Waschen und Abtrocknen unbedingt sofort wieder in ihre ursprüngliche Position zurück. Geschieht dies nicht, kann es zu einer lebensgefährlichen Abschnürung der Eichel kommen (Paraphimose), die ein medizinischer Notfall ist.

Die Gesäßregion:
Drehen Sie den Patienten abschließend auf die Seite, um die Analregion zu reinigen. Waschen Sie auch hier von vorne nach hinten weg. Wenn der Patient stuhlinkontinent ist, entfernen Sie grobe Verschmutzungen vorab mit weichem Toilettenpapier oder speziellen feuchten Pflegetüchern, bevor Sie mit dem Waschlappen arbeiten. Kontrollieren Sie das Steißbein – der Bereich direkt über der Gesäßfalte ist die häufigste Stelle für Druckgeschwüre bei Bettlägerigkeit.

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Haarpflege und Haarewaschen im Bett

Frisch gewaschene Haare tragen massiv zum Wohlbefinden bei. Tägliches Kämmen regt die Durchblutung der Kopfhaut an und verhindert das Verfilzen der Haare. Doch wie wäscht man Haare im Bett, ohne die Matratze zu fluten?

Die beste Lösung hierfür ist ein aufblasbares Haarwaschbecken. Dieses Hilfsmittel sieht aus wie ein kleiner Planschbecken-Ring mit einer Aussparung für den Nacken. Es verfügt über einen integrierten Ablaufschlauch, der in einen Eimer neben dem Bett geführt wird.

  1. Schützen Sie das Kopfende des Bettes großflächig mit Handtüchern oder einer wasserdichten Unterlage.

  2. Pumpen Sie das Haarwaschbecken auf und platzieren Sie den Kopf des Patienten bequem in der Nackenmulde.

  3. Stellen Sie einen Eimer für das Abwasser neben das Bett und hängen Sie den Schlauch hinein.

  4. Nutzen Sie einen Messbecher oder eine kleine Gießkanne mit warmem Wasser, um die Haare zu befeuchten.

  5. Massieren Sie ein mildes Shampoo ein. Seien Sie vorsichtig, dass kein Wasser oder Schaum in die Augen und Ohren läuft (Sie können dem Patienten einen Waschlappen über die Augen legen).

  6. Spülen Sie das Shampoo gründlich mit klarem Wasser aus.

  7. Entfernen Sie das Becken zügig, wickeln Sie das Haar in ein trockenes Handtuch und föhnen Sie es auf mittlerer Stufe trocken. Bettlägerige Patienten kühlen über den nassen Kopf extrem schnell aus.

Wenn eine Haarwäsche mit Wasser an bestimmten Tagen zu anstrengend ist, bieten Trockenshampoos aus der Sprühdose eine hervorragende Überbrückung. Sie entziehen dem Haar das Fett und lassen sich einfach ausbürsten.

Aufblasbares Haarwaschbecken auf einem Bett liegend, bereit für die Pflege

Haarewaschen im Bett ist problemlos möglich

Mund- und Zahnpflege: Mehr als nur Kariesprophylaxe

Eine unzureichende Mundhygiene bei bettlägerigen Patienten führt nicht nur zu Karies, Parodontitis und Mundgeruch. Sie birgt ein massives, oft unterschätztes Risiko: Bakterien aus dem Mundraum können in die Lunge gelangen und dort eine lebensbedrohliche Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) auslösen. Zudem kann es zu schmerzhaften Pilzinfektionen (Mundsoor) oder Entzündungen der Ohrspeicheldrüse (Parotitis) kommen.

Führen Sie die Mundpflege mindestens zweimal täglich durch. Setzen Sie den Patienten dafür im Bett so aufrecht wie möglich hin, um ein Verschlucken zu verhindern.

Bei eigenen Zähnen:
Nutzen Sie eine weiche Zahnbürste und eine milde Zahnpasta. Putzen Sie die Zähne von Rot nach Weiß (vom Zahnfleisch zum Zahn). Wenn der Patient nicht mehr selbst ausspucken kann, verwenden Sie nur minimal Zahnpasta und wischen Sie den Mundraum mit feuchten Tupfern (Schaumstoffstäbchen aus der Apotheke) aus. Lassen Sie den Patienten Wasser aus einem Becher nehmen, um den Mund zu spülen, und halten Sie eine Nierenschale ans Kinn, in die er das Wasser wieder ausspucken kann.

Bei Zahnprothesen:
Nehmen Sie die Prothese heraus und reinigen Sie diese am Waschbecken mit einer speziellen Prothesenbürste und milder Seife oder spezieller Reinigungspaste (normale Zahnpasta zerkratzt das Material). Legen Sie beim Putzen ein Handtuch ins Waschbecken oder füllen Sie es mit etwas Wasser – falls die Prothese aus der Hand rutscht, bricht sie so nicht. Vergessen Sie nicht, auch bei Prothesenträgern den zahnlosen Kiefer, den Gaumen und die Zunge des Patienten sanft mit einer weichen Bürste oder einem Tupfer zu reinigen und zu massieren.

Achten Sie auf feuchte Lippen. Tragen Sie nach der Mundpflege einen Lippenbalsam auf, da bettlägerige Menschen oft durch den Mund atmen und die Lippen schnell rissig werden.

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Hautpflege und Prophylaxen: Dekubitus, Intertrigo und Co.

Die Haut im Alter ist ohnehin dünner, trockener und verliert an Elastizität (sogenannte Pergamenthaut). Bei Bettlägerigkeit ist die Haut zudem ständigem Druck, Reibung und oft auch Feuchtigkeit (durch Schweiß oder Urin) ausgesetzt. Die Hautpflege ist daher untrennbar mit der Vorbeugung von Komplikationen (Prophylaxen) verbunden.

Die richtige Hautpflege:
Verzichten Sie auf alkoholhaltige Einreibungen (wie Franzbranntwein), da diese die Haut extrem austrocknen. Verwenden Sie stattdessen feuchtigkeitsspendende Lotionen. Bei trockener Haut empfehlen sich Wasser-in-Öl-Emulsionen (W/O), da sie einen leichten Schutzfilm auf der Haut hinterlassen. Bei normaler Haut genügen Öl-in-Wasser-Emulsionen (O/W), die schnell einziehen. Massieren Sie die Cremes mit flachen Händen und sanftem Druck ein. Rubbeln oder starkes Kneten kann feine Blutgefäße zerstören.

Dekubitusprophylaxe (Vermeidung von Druckgeschwüren):
Ein Dekubitus entsteht, wenn anhaltender Druck auf eine Hautstelle die Durchblutung abdrückt. Das Gewebe stirbt ab. Gefährdet sind besonders knöcherne Vorsprünge: Fersen, Knöchel, Steißbein, Hüftknochen, Schulterblätter und Hinterkopf. Die absolut wichtigste Maßnahme zur Verhinderung ist die Druckentlastung durch regelmäßiges Umlagern. Ein bettlägeriger Patient sollte in der Regel alle zwei bis vier Stunden in seiner Position verändert werden (z. B. von der Rückenlage in die 30-Grad-Seitenlage). Kontrollieren Sie die Haut bei jeder Körperpflege. Wenn Sie eine gerötete Stelle sehen, machen Sie den Fingertest: Drücken Sie mit dem Finger auf die Rötung. Wird die Haut kurz weiß und nach dem Loslassen wieder rot, ist die Durchblutung intakt. Bleibt die Stelle rot, handelt es sich bereits um einen Dekubitus ersten Grades. Diese Stelle darf nicht mehr massiert und nicht mehr belastet werden!

Intertrigoprophylaxe (Vermeidung von Hautwolf):
Hautfalten unter der Brust, im Bauchbereich oder in der Leiste sind anfällig für Feuchtigkeitsstau. Haut reibt auf Haut, es entsteht eine rote, nässende und juckende Entzündung, in der sich schnell Pilze ansiedeln. Die beste Prophylaxe ist das penible Abtrocknen nach der Wäsche. Legen Sie bei stark schwitzenden Patienten saubere, trockene Baumwollkompressen oder spezielle Mullstreifen in die gefährdeten Hautfalten, um die Feuchtigkeit aufzusaugen. Verzichten Sie auf Puder! Puder verklumpt in Verbindung mit Schweiß zu kleinen, scharfkantigen Krümeln, die die Haut regelrecht aufscheuern.

Thrombose- und Pneumonieprophylaxe:
Bettlägerigkeit verlangsamt den Blutfluss in den Beinen (Thrombosegefahr) und verringert die Belüftung der Lunge (Pneumoniegefahr). Führen Sie während der Körperpflege kleine Bewegungsübungen durch. Beugen und strecken Sie vorsichtig die Beine des Patienten. Bitten Sie ihn, tief ein- und auszuatmen oder beim Ausatmen leicht zu husten. Setzen Sie den Patienten zur Körperpflege auf, das erleichtert das Durchatmen der Lungenflügel enorm.

Weiche Zahnbürste, milde Zahnpasta und ein Wasserbecher auf einem kleinen Tablett

Mundpflege beugt Lungenentzündungen vor

Bettwäsche wechseln bei bettlägerigen Patienten

Ein frisches Bett gehört zur Körperpflege dazu. Doch wie wechselt man das Laken, wenn der Patient das Bett nicht verlassen kann? Hierfür gibt es eine spezielle Technik, das sogenannte Bettenmachen von der Seite.

  1. Drehen Sie den Patienten auf die Seite (z. B. auf die linke Bettseite), sodass er am Rand liegt. Sichern Sie ihn vor dem Herausfallen (Bettgitter hochstellen).

  2. Lösen Sie auf der nun freien rechten Betthälfte das schmutzige Laken und rollen Sie es längs in Richtung des Rückens des Patienten auf.

  3. Nehmen Sie das frische Laken, schlagen Sie es auf der freien rechten Seite um die Matratze und rollen Sie den restlichen Stoff ebenfalls in Richtung des Patienten, direkt neben das aufgerollte schmutzige Laken.

  4. Nun drehen Sie den Patienten vorsichtig über diese "Stoffrolle" in der Mitte des Bettes hinweg auf die frisch bezogene rechte Seite.

  5. Gehen Sie auf die andere Seite des Bettes. Ziehen Sie das schmutzige Laken komplett ab und werfen Sie es in den Wäschesack.

  6. Ziehen Sie nun das aufgerollte frische Laken glatt und befestigen Sie es an der Matratze. Achten Sie penibel darauf, dass das Laken völlig faltenfrei liegt. Falten im Laken sind eine häufige Ursache für Druckstellen und Dekubitus!

Frisch bezogenes, faltenfreies Pflegebett mit hellen, freundlichen Bezügen

Ein faltenfreies Bett schützt die Haut

Professionelle Entlastung für pflegende Angehörige durch PflegeHelfer24

Die tägliche Körperpflege eines bettlägerigen Menschen fordert Angehörigen körperlich und emotional alles ab. Wenn die Kräfte schwinden, die Pflegesituation komplexer wird oder Sie als Angehöriger selbst Erholungsphasen benötigen, ist es ein Zeichen von Stärke, sich professionelle Unterstützung zu holen.

Wir von PflegeHelfer24 stehen Ihnen als Spezialist für Seniorenpflege bundesweit zur Seite. Unser Leistungsspektrum ist darauf ausgerichtet, Ihnen genau die Entlastung zu bieten, die Sie in Ihrer individuellen Situation benötigen:

  • Pflegeberatung: Unsere Experten analysieren Ihre Pflegesituation zu Hause, beraten Sie zu rückenschonenden Techniken, zur optimalen Gestaltung des Pflegezimmers und helfen Ihnen bei der Beantragung von Pflegegraden und Fördermitteln bei der Pflegekasse.

  • Ambulante Pflege: Wenn Sie die Grundpflege (Waschen, Anziehen, Betten) ganz oder teilweise in professionelle Hände abgeben möchten, kommen qualifizierte Pflegekräfte zu Ihnen nach Hause. Dies entlastet Sie physisch und sichert eine fachgerechte Versorgung, inklusive der wichtigen medizinischen Prophylaxen.

  • 24-Stunden-Pflege: Bei intensiverem Betreuungsbedarf vermitteln wir liebevolle und erfahrene Betreuungskräfte für die 24-Stunden-Pflege. Diese übernehmen nicht nur die Grundpflege und Körperhygiene, sondern auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten und leisten wertvolle Gesellschaft, während Sie als Angehöriger durchatmen können.

  • Alltagshilfe: Benötigen Sie Unterstützung bei Besorgungen, der Reinigung der Wäsche oder der Zubereitung von Mahlzeiten? Unsere Alltagshilfen greifen Ihnen verlässlich unter die Arme.

  • Hilfsmittelversorgung: Wir unterstützen Sie bei der Beschaffung essenzieller Hilfsmittel, die die Pflege erleichtern. Vom Hausnotruf für mehr Sicherheit über den Badewannenlift und Barrierefreien Badumbau bis hin zum Pflegebett – wir beraten Sie markenunabhängig und bedarfsgerecht.

Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur wer auf seine eigenen Ressourcen achtet, kann langfristig für andere da sein. Die Pflegekassen stellen für viele dieser Leistungen Budgets zur Verfügung (wie z. B. Pflegesachleistungen oder Entlastungsbeträge), über die wir Sie gerne umfassend aufklären.

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Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Die Körperpflege am Bett ist eine komplexe, aber mit der richtigen Technik und Vorbereitung gut zu bewältigende Aufgabe. Hier sind die essenziellen Grundregeln für Sie zusammengefasst:

  • Würde bewahren: Kommunizieren Sie jeden Schritt, wahren Sie die Privatsphäre und fördern Sie die Eigenständigkeit Ihres Angehörigen, wo immer es möglich ist.

  • Vorbereitung: Stellen Sie alle Materialien (Waschschüsseln, Handtücher, frische Wäsche) vorab bereit und achten Sie auf eine warme Raumtemperatur (22 bis 24 Grad).

  • Ergonomie: Nutzen Sie ein höhenverstellbares Pflegebett, um Ihren eigenen Rücken zu schonen.

  • Hygienerichtlinien: Waschen Sie immer von sauber nach unrein (z.B. im Intimbereich bei Frauen zwingend von vorne nach hinten). Nutzen Sie separate Waschlappen für Gesicht, Körper und Intimbereich.

  • Hautkontrolle: Nutzen Sie die tägliche Wäsche, um die Haut auf Rötungen und Druckstellen (Dekubitusgefahr) zu kontrollieren. Cremen Sie die Haut mit geeigneten Lotionen ein und trocknen Sie Hautfalten und Zehenzwischenräume penibel ab.

  • Finanzielle Hilfen nutzen: Beantragen Sie die 40 Euro Pflegehilfsmittelpauschale der Pflegekasse für Verbrauchsmaterialien wie Handschuhe und Betteinlagen.

  • Hilfe annehmen: Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung durch ambulante Dienste, Pflegeberatung oder eine 24-Stunden-Betreuung durch PflegeHelfer24, bevor Sie an Ihre eigenen Belastungsgrenzen stoßen.

Die Pflege eines Angehörigen ist ein Marathon, kein Sprint. Mit dem nötigen Wissen, der richtigen Technik und verlässlichen Partnern an Ihrer Seite können Sie sicherstellen, dass Ihr pflegebedürftiges Familienmitglied bestens versorgt ist und sich trotz Bettlägerigkeit rundum wohl und respektiert fühlt.

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