Verstopfung, in der medizinischen Fachsprache als Obstipation bezeichnet, ist ein weit verbreitetes Problem, das besonders Menschen in der zweiten Lebenshälfte betrifft. Schätzungen zufolge leidet fast jeder dritte Senior regelmäßig unter einer stark verlangsamten Verdauung. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Ein altersbedingter Rückgang der Darmtätigkeit, eine verringerte Flüssigkeitsaufnahme durch ein nachlassendes Durstgefühl, mangelnde körperliche Bewegung oder auch die Nebenwirkungen notwendiger Medikamente tragen maßgeblich dazu bei. Wenn der Stuhlgang ausbleibt oder nur unter starkem Pressen möglich ist, wird der tägliche Gang zur Toilette schnell zu einer enormen physischen und psychischen Belastung.
Für Senioren kommt erschwerend hinzu, dass langes Sitzen auf der Toilette mit zunehmendem Alter immer beschwerlicher wird. Arthrose in den Knie- und Hüftgelenken, eine nachlassende Muskelkraft in den Beinen oder allgemeine Kreislaufprobleme machen das Verharren auf der oft zu niedrigen Standardtoilette zu einer schmerzhaften Tortur. Das Aufstehen nach einem langen, erfolglosen Toilettengang birgt zudem ein erhebliches Sturzrisiko. Genau an diesem Punkt setzen medizinische und ergonomische Hilfsmittel an. Sie können die Verstopfung selbst zwar nicht immer heilen, aber sie schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen, um den Toilettengang wesentlich zu erleichtern, Schmerzen zu reduzieren und die Anatomie des Körpers optimal zu unterstützen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie detailliert, welche Toilettenhilfen es gibt, wie diese bei Verstopfung helfen und unter welchen Voraussetzungen die Kranken- oder Pflegekasse die Kosten für diese wichtigen Alltagshelfer übernimmt.
Um zu verstehen, warum bestimmte Hilfsmittel bei Verstopfung so effektiv sind, lohnt sich ein kurzer Blick auf die menschliche Anatomie. Die moderne Sitztoilette, die in unseren Breitengraden seit etwa 150 Jahren der Standard ist, zwingt uns in eine Sitzposition mit einem 90-Grad-Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkeln. Aus anatomischer Sicht ist diese Haltung jedoch für eine reibungslose Darmentleerung äußerst ungünstig.
Der Grund dafür ist ein spezieller Muskel, der sogenannte Musculus puborectalis (Schambeinschlingenmuskel). Dieser Muskel schlingt sich wie ein Lasso um den Enddarm und zieht ihn nach vorne. In der normalen, aufrechten Sitzhaltung (90-Grad-Winkel) bleibt dieser Muskel teilweise angespannt. Er knickt den Enddarm ab – ähnlich wie ein Gartenschlauch, der geknickt wird, um den Wasserfluss zu stoppen. Dieser Mechanismus ist im Alltag essenziell, um die Kontinenz zu wahren. Wenn wir uns jedoch auf einer Standardtoilette befinden und der Muskel nicht vollständig entspannt, muss der Stuhl gegen diesen Widerstand herausgepresst werden. Bei einer bestehenden Verstopfung, bei der der Stuhl ohnehin verhärtet ist, führt dieses Pressen zu Mikroverletzungen, Hämorrhoiden und einer enormen Belastung des Herz-Kreislauf-Systems.
Die natürliche und anatomisch korrekte Haltung für den Stuhlgang ist die tiefe Hocke (etwa ein 35-Grad-Winkel). In dieser Position entspannt sich der Musculus puborectalis vollständig, der Enddarm wird begradigt und der Stuhl kann den Körper wesentlich leichter und ohne starkes Pressen verlassen. Da die tiefe Hocke für Senioren jedoch aufgrund von Gelenkproblemen meist unmöglich ist, müssen clevere Hilfsmittel eingesetzt werden, um diese Position auf der normalen Toilette zu simulieren oder das Sitzen zumindest so komfortabel wie möglich zu gestalten.
Ein entspannter Körper und ausreichend Flüssigkeit unterstützen die natürliche Verdauung enorm.
Eines der einfachsten, aber gleichzeitig effektivsten Hilfsmittel bei chronischer Verstopfung ist der medizinische Toilettenhocker. Dieses kleine Fußbänkchen wird während des Toilettengangs vor die Toilette gestellt. Durch das Aufstellen der Füße auf den Hocker werden die Knie über die Höhe der Hüfte angehoben. Der Oberkörper wird leicht nach vorne geneigt, wodurch der zuvor beschriebene 35-Grad-Winkel erreicht wird.
Entspannung des Darms: Der Enddarm wird begradigt, was den Kraftaufwand beim Stuhlgang massiv reduziert.
Schonung der Gefäße: Durch den Wegfall des starken Pressens wird das Risiko für Hämorrhoiden und gefährliche Blutdruckspitzen minimiert.
Kürzere Sitzdauer: Die Darmentleerung erfolgt schneller und vollständiger, was die Gelenke schont, da langes Sitzen vermieden wird.
Sicherer Halt: Gute Toilettenhocker verfügen über eine rutschfeste Oberfläche und gummierte Füße, die einen sicheren Stand gewährleisten.
Obwohl der Toilettenhocker aus medizinischer Sicht bei Verstopfung äußerst sinnvoll ist, ist er in der Regel nicht im offiziellen Hilfsmittelverzeichnis (HMV) der gesetzlichen Krankenkassen gelistet. Das bedeutet, dass die Kosten für einen Toilettenhocker meist selbst getragen werden müssen. Glücklicherweise sind diese Hilfsmittel sehr erschwinglich. Ein hochwertiger, rutschfester medizinischer Toilettenhocker kostet im Fachhandel oder in Sanitätshäusern lediglich zwischen 15 und 30 Euro. Diese geringe Investition aus eigener Tasche (Eigenleistung) lohnt sich jedoch aufgrund der enormen Erleichterung im Alltag fast immer. Achten Sie beim Kauf unbedingt auf eine ausreichende Tragkraft und rutschfeste Materialien, um Stürze im Badezimmer zu vermeiden.
Ein kleiner Toilettenhocker bringt Sie mühelos in die natürliche und schonende Hocksitzhaltung.
Während der Toilettenhocker die anatomische Haltung verbessert, adressiert die Toilettensitzerhöhung ein anderes gravierendes Problem: Das schmerzhafte Hinsetzen und Aufstehen. Bei einer Verstopfung verbringen Senioren oft 15 bis 30 Minuten oder länger auf der Toilette. Eine herkömmliche Toilette hat meist eine Höhe von etwa 40 Zentimetern. Für Menschen mit Arthrose in den Knien, einer neuen Hüftprothese (TEP) oder allgemeiner Muskelschwäche ist diese Höhe viel zu niedrig.
Eine Toilettensitzerhöhung wird direkt auf das bestehende Toilettenbecken montiert und erhöht die Sitzfläche um 5, 10 oder sogar 15 Zentimeter. Dies verändert den Winkel in Knie- und Hüftgelenken beim Sitzen und macht das Aufstehen nach einem langen Toilettengang wesentlich kraftschonender und sicherer.
Standard-Sitzerhöhungen: Diese werden einfach auf das Becken geklemmt oder fest verschraubt. Sie sind ideal für eine dauerhafte Erhöhung.
Toilettensitzerhöhungen mit Armlehnen: Diese Modelle bieten zusätzlichen Halt. Die Armlehnen dienen als Stütze beim Hinsetzen und als Hebel beim Aufstehen. Dies ist besonders wichtig, wenn der Kreislauf nach langem Pressen bei Verstopfung geschwächt ist.
Höhenverstellbare Modelle: Einige Premium-Modelle lassen sich in der Neigung verstellen, was eine individuell angepasste Sitzposition ermöglicht.
Im Gegensatz zum Toilettenhocker sind Toilettensitzerhöhungen anerkannte medizinische Hilfsmittel. Sie sind in der Produktgruppe 33 (Toilettenhilfen) des Hilfsmittelverzeichnisses gelistet. Wenn Ihr Arzt feststellt, dass das Hinsetzen und Aufstehen aufgrund von Gelenkerkrankungen, neurologischen Ausfällen oder starker Schwäche eingeschränkt ist, kann er Ihnen eine Toilettensitzerhöhung auf einem Kassenrezept (Muster 16) verordnen.
Mit diesem Rezept gehen Sie zu einem Sanitätshaus. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt in diesem Fall die Kosten für die Standardausführung. Sie als Versicherter müssen lediglich die gesetzliche Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent des Abgabepreises (mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro) leisten. Wünschen Sie ein spezielles Modell, das über das Maß des medizinisch Notwendigen hinausgeht (z.B. ein besonderes Design oder weiche Polsterungen), müssen Sie die Differenz als wirtschaftliche Aufzahlung selbst tragen.
Sitzerhöhungen mit integrierten Armlehnen erleichtern das Hinsetzen und Aufstehen spürbar.
Wenn die Wege im Haus zu lang werden und der Drang zum Toilettengang durch Abführmittel (Laxanzien) oder Einläufe bei hartnäckiger Verstopfung plötzlich und stark einsetzt, kann der Weg bis ins Badezimmer für sturzgefährdete Senioren zu weit sein. In solchen Fällen ist ein Toilettenstuhl (oft auch Nachtstuhl genannt) das Mittel der Wahl.
Ein Toilettenstuhl ist ein stabiler Stuhl, oft mit gepolsterter Sitzfläche, Rückenlehne und Armlehnen, in dessen Sitzfläche sich eine Öffnung mit einem darunterliegenden, herausnehmbaren Eimer befindet. Dieser Stuhl kann direkt neben dem Pflegebett im Schlafzimmer platziert werden.
Nächtlicher Stuhldrang: Wenn die Einnahme von verdauungsfördernden Medikamenten abends erfolgt und nachts ein plötzlicher Toilettengang nötig wird.
Starke Gehschwäche: Wenn das Badezimmer nicht rechtzeitig oder nur unter großer Kraftanstrengung erreicht werden kann.
Kreislaufinstabilität: Wenn langes Verweilen auf der Toilette im oft kühleren Badezimmer zu Kreislaufproblemen führt, bietet der Toilettenstuhl im warmen Schlafzimmer eine schonendere Alternative.
Auch Toilettenstühle fallen unter die Produktgruppe 33. Sie werden von der Krankenkasse vollständig bezahlt (abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung von maximal 10 Euro), wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Der Hausarzt muss auf dem Rezept genau begründen, warum das Aufsuchen der regulären Toilette unzumutbar oder unmöglich ist. Es gibt zudem fahrbare Toilettenstühle (mit Rollen), die von pflegenden Angehörigen direkt über die normale Toilette geschoben werden können. Dies erspart das manuelle Entleeren des Eimers und bietet gleichzeitig die Funktion einer fahrbaren Sitzerhöhung mit Armlehnen.
Ein praktischer Nachtstuhl direkt neben dem Bett bietet Sicherheit bei kurzen Wegen.
Ein oft unterschätztes, aber hochwirksames Hilfsmittel bei chronischer Verstopfung ist das Dusch-WC oder ein nachrüstbarer Bidet-Aufsatz. Diese Systeme reinigen den Intimbereich nach dem Toilettengang mit einem warmen Wasserstrahl. Doch der Nutzen geht bei Verstopfung weit über die bloße Hygiene hinaus.
Viele moderne Dusch-WCs verfügen über eine sogenannte Klistier- oder Massagefunktion. Dabei wird ein sanfter, pulsierender Wasserstrahl auf den Schließmuskel gerichtet. Das warme Wasser fördert die Durchblutung und hilft dem Schließmuskel, sich zu entspannen. Diese sanfte Stimulation von außen kann bei vielen Senioren den entscheidenden Impuls geben, um den Stuhlgang auszulösen, ohne dass schädliche Abführmittel eingenommen oder stark gepresst werden muss.
Zudem ist die Reinigung mit Toilettenpapier nach einem schwierigen Stuhlgang oder bei bestehenden Hämorrhoiden oft schmerzhaft. Das warme Wasser reinigt berührungsfrei, schmerzlos und gründlich. Anschließend trocknet ein integrierter Warmluftföhn die Haut sanft ab.
Dusch-WCs sind High-Tech-Geräte und entsprechend kostenintensiv. Komplette Dusch-WC-Anlagen kosten zwischen 1.000 und 3.000 Euro, nachrüstbare Aufsätze für bestehende Toiletten liegen zwischen 300 und 800 Euro. Die gesetzliche Krankenkasse sträubt sich oft gegen die Kostenübernahme, da ein Dusch-WC primär als Komfortartikel gewertet wird. Es gibt jedoch zwei Wege, wie Sie finanzielle Unterstützung erhalten können:
Über die Pflegekasse (Wohnumfeldverbesserung): Wenn der Senior über einen anerkannten Pflegegrad (1 bis 5) verfügt, kann das Dusch-WC als Maßnahme zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes gefördert werden. Die Pflegekasse zahlt hierbei einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Voraussetzung ist, dass durch das Dusch-WC die selbstständige Lebensführung wiederhergestellt oder die Pflege durch Angehörige maßgeblich erleichtert wird (z.B. weil die Intimpflege durch Angehörige entfällt).
Als medizinisches Hilfsmittel: In seltenen Einzelfällen, wenn beispielsweise aufgrund von schweren rheumatischen Erkrankungen in den Händen die Nutzung von Toilettenpapier unmöglich ist (Feinmotorikverlust), kann ein Dusch-WC-Aufsatz ärztlich verordnet und nach zähem Ringen von der Krankenkasse übernommen werden.
Für viele Senioren und pflegende Angehörige ist das deutsche Sozialversicherungssystem ein undurchsichtiger Dschungel. Wenn es um Hilfsmittel für den Toilettengang geht, ist es entscheidend zu wissen, an welchen Kostenträger man sich wenden muss. Grundsätzlich unterscheidet der Gesetzgeber zwischen der gesetzlichen Krankenkasse (SGB V) und der Pflegekasse (SGB XI).
Die Krankenkasse ist immer dann zuständig, wenn das Hilfsmittel dazu dient, den Erfolg einer Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine bestehende Behinderung auszugleichen. Ein Pflegegrad ist hierfür NICHT erforderlich. Entscheidend ist allein die medizinische Notwendigkeit, die durch einen Arzt festgestellt wird.
Typische Hilfsmittel der Krankenkasse:
Toilettensitzerhöhungen
Toilettenstühle / Nachtstühle
Toilettenstützgestelle (frei stehende Haltegriffe rund um die Toilette)
Die Pflegekasse tritt ein, wenn das Hilfsmittel dazu dient, die Pflege zu erleichtern, die Beschwerden des Pflegebedürftigen zu lindern oder ihm eine selbstständigere Lebensführung zu ermöglichen. Zwingende Voraussetzung hierfür ist ein anerkannter Pflegegrad (mindestens Pflegegrad 1).
Typische Leistungen der Pflegekasse:
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (z.B. Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel für den Toilettenstuhl) im Wert von 40 Euro monatlich.
Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (z.B. fest installierte Haltegriffe an den Wänden, Einbau eines Dusch-WCs, barrierefreier Badumbau).
Für detaillierte Informationen zu den gesetzlichen Ansprüchen auf Pflegeleistungen empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Ratgeber-Seite des Bundesgesundheitsministeriums.
Damit die Kostenübernahme reibungslos funktioniert und Sie nicht auf den Kosten sitzen bleiben, sollten Sie den offiziellen Dienstweg unbedingt einhalten. Kaufen Sie verordnungsfähige Hilfsmittel niemals vorab auf eigene Faust, da eine nachträgliche Kostenerstattung durch die Krankenkasse gesetzlich fast immer ausgeschlossen ist.
Sprechen Sie offen mit Ihrem Hausarzt oder Orthopäden über die Probleme beim Toilettengang, die Verstopfung und die Schmerzen beim Aufstehen. Der Arzt stellt Ihnen ein Kassenrezept (Muster 16, rosa Zettel) aus. Wichtig: Auf dem Rezept muss die genaue Diagnose (z.B. "Gonarthrose beidseitig, stark eingeschränkte Mobilität") und das Hilfsmittel idealerweise mit der 7-stelligen Hilfsmittelnummer (z.B. 33.40.01.xxxx für eine Toilettensitzerhöhung) vermerkt sein. Ein Zusatz wie "mit Armlehnen aus sicherheitstechnischen Gründen" erhöht die Chancen auf das gewünschte Modell.
Mit diesem Rezept gehen Sie zu einem Sanitätshaus, das Vertragspartner Ihrer Krankenkasse ist. Das Fachpersonal dort berät Sie, welches konkrete Modell für Ihre Anatomie und Ihr Badezimmer am besten geeignet ist. Das Sanitätshaus erstellt einen Kostenvoranschlag und reicht diesen zusammen mit dem ärztlichen Rezept elektronisch bei Ihrer Krankenkasse ein.
Die Krankenkasse prüft den Antrag. Bei Standardhilfsmitteln wie einer einfachen Sitzerhöhung erfolgt die Genehmigung oft innerhalb weniger Tage. Bei teureren Hilfsmitteln kann die Kasse den Medizinischen Dienst (MD) zur Begutachtung hinzuziehen. Sobald die Genehmigung vorliegt, bestellt das Sanitätshaus das Hilfsmittel, liefert es zu Ihnen nach Hause und montiert es im Idealfall auch direkt auf Ihrer Toilette.
Leider kommt es immer wieder vor, dass Krankenkassen Anträge auf Hilfsmittel zunächst ablehnen – oft mit der Begründung, das Hilfsmittel sei "nicht medizinisch notwendig" oder es handele sich um einen "Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens". Lassen Sie sich davon nicht entmutigen! Eine Ablehnung ist nicht das letzte Wort.
Sie haben das gesetzliche Recht, innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Ablehnungsbescheids schriftlich Widerspruch einzulegen. Gehen Sie dabei wie folgt vor:
Frist wahren: Senden Sie umgehend ein kurzes Schreiben an die Kasse: "Hiermit lege ich fristgerecht Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum] ein. Eine ausführliche Begründung reiche ich nach."
Arzt ins Boot holen: Bitten Sie Ihren behandelnden Arzt um ein kurzes, prägnantes Attest. Der Arzt sollte detailliert darlegen, warum genau dieses Hilfsmittel (z.B. der Toilettenstuhl) zwingend erforderlich ist, um Stürze zu vermeiden oder den Folgen der chronischen Verstopfung entgegenzuwirken.
Begründung einreichen: Senden Sie die ärztliche Stellungnahme zusammen mit Ihrer persönlichen Schilderung der Alltagsprobleme an die Krankenkasse.
In über 50 Prozent der Fälle wird einem gut begründeten Widerspruch im zweiten Anlauf stattgegeben.
Manchmal reichen mobile Hilfsmittel wie eine Sitzerhöhung oder ein Toilettenstuhl nicht aus, um die Sicherheit und Selbstständigkeit im Badezimmer zu gewährleisten. Wenn die Toilette in einer engen Nische steht, der Rollstuhl nicht hindurchpasst oder fest installierte, hochbelastbare Stützklappgriffe an den Wänden benötigt werden, ist ein barrierefreier Badumbau die nachhaltigste Lösung.
Hier kommt der Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung nach § 40 Abs. 4 SGB XI ins Spiel. Sobald ein Pflegegrad (1 bis 5) vorliegt, gewährt die Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro pflegebedürftiger Person für Umbaumaßnahmen. Leben zwei pflegebedürftige Senioren (z.B. ein Ehepaar) im selben Haushalt, können die Zuschüsse gebündelt werden, sodass bis zu 8.000 Euro zur Verfügung stehen.
Höherhängen des kompletten WC-Beckens (Ersatz für die aufgesetzte Sitzerhöhung).
Installation von fest verschraubten Stützklappgriffen rechts und links der Toilette.
Verbreiterung der Badezimmertür, um die Toilette mit einem Rollator oder Elektrorollstuhl erreichen zu können.
Einbau eines modernen Dusch-WCs (sofern von der Pflegekasse vorab genehmigt).
Austausch von rutschigen Fliesen gegen rutschhemmende Bodenbeläge rund um den Toilettenbereich.
Wichtig: Der Antrag auf diesen Zuschuss muss zwingend vor Beginn der Umbaumaßnahmen bei der Pflegekasse gestellt und genehmigt werden. PflegeHelfer24 unterstützt Sie gerne mit einer professionellen Pflegeberatung dabei, die richtigen Maßnahmen zu planen und die Anträge korrekt auszufüllen.
Ein barrierefreier Badumbau sorgt für maximale Sicherheit und Selbstständigkeit im eigenen Zuhause.
Hilfsmittel erleichtern den Toilettengang enorm und nehmen den Schmerz beim Sitzen und Aufstehen. Sie bekämpfen jedoch nicht die Ursache der Verstopfung. Um die Darmtätigkeit im Alter nachhaltig zu unterstützen und den Stuhlgang weicher zu machen, sollten technische Hilfsmittel immer mit anpassbaren Lebensgewohnheiten kombiniert werden. Wenn der Stuhl weicher ist, verringert sich die Sitzdauer auf der Toilettensitzerhöhung automatisch.
Mit zunehmendem Alter lässt das natürliche Durstgefühl nach. Viele Senioren trinken zudem bewusst weniger, aus Angst vor nächtlichem Harndrang oder Inkontinenz. Das ist fatal für den Darm: Fehlt dem Körper Flüssigkeit, entzieht er diese dem Nahrungsbrei im Dickdarm. Der Stuhl wird hart, trocken und blockiert den Darm. Ziel sollten 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag sein. Stellen Sie morgens die Tagesration gut sichtbar bereit. Stilles Wasser, ungesüßte Kräutertees oder milde Saftschorlen sind ideal.
Ballaststoffe binden Wasser im Darm, lassen den Stuhl aufquellen und regen durch das erhöhte Volumen die Darmwand zu Bewegungen (Peristaltik) an. Integrieren Sie geschrotete Leinsamen, Flohsamenschalen oder Weizenkleie in den morgendlichen Joghurt. Achtung: Wer Ballaststoffe erhöht, muss zwingend auch die Trinkmenge erhöhen! Ohne ausreichend Wasser verklumpen die Ballaststoffe und verschlimmern die Verstopfung massiv.
Körperliche Aktivität ist die beste natürliche Darmmassage. Selbst wenn die Mobilität durch Arthrose oder Herzschwäche eingeschränkt ist, helfen kleine Maßnahmen. Ein kurzer täglicher Spaziergang mit dem Rollator, leichte Gymnastik im Sitzen oder eine sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn (dem Verlauf des Dickdarms folgend) stimulieren die Verdauungsorgane spürbar.
Viele lebensnotwendige Medikamente, die im Alter häufig verschrieben werden, haben Verstopfung als starke Nebenwirkung. Dazu gehören insbesondere starke Schmerzmittel (Opioide), Eisenpräparate, Antidepressiva, harntreibende Mittel (Diuretika) und bestimmte Blutdrucksenker. Setzen Sie Medikamente niemals eigenmächtig ab! Bitten Sie stattdessen Ihren Hausarzt um einen kompletten Medikamenten-Check. Oft kann die Dosis angepasst, auf ein anderes Präparat gewechselt oder ein sanftes, stuhlweichmachendes Mittel (wie Macrogol) ergänzend verschrieben werden.
Eine chronische Verstopfung im Alter ist eine ernstzunehmende Belastung, die durch die falsche Sitzhaltung und zu niedrige Toiletten oft noch verschlimmert wird. Mit den richtigen Hilfsmitteln können Sie Schmerzen lindern, die Sicherheit im Bad erhöhen und die anatomischen Voraussetzungen für einen leichteren Stuhlgang schaffen. Nutzen Sie die gesetzlichen Möglichkeiten der Kranken- und Pflegekassen, um finanzielle Entlastung zu erhalten.
Problem analysieren: Fällt das Hinsetzen/Aufstehen schwer? Ist die Sitzposition zu niedrig? Dauert der Toilettengang aufgrund von Verstopfung sehr lange?
Sofortmaßnahme Toilettenhocker: Besorgen Sie sich für 15 bis 30 Euro einen medizinischen Toilettenhocker im Fachhandel, um den anatomisch korrekten 35-Grad-Winkel (die Hocke) zu simulieren.
Arzttermin vereinbaren: Sprechen Sie mit dem Hausarzt über die Verstopfung (Medikamenten-Check) und bitten Sie um ein Rezept für eine Toilettensitzerhöhung (Hilfsmittelnummer 33.40.01) oder einen Toilettenstuhl.
Sanitätshaus aufsuchen: Reichen Sie das Rezept beim Sanitätshaus ein und lassen Sie sich zu Modellen mit Armlehnen beraten. Zahlen Sie lediglich die gesetzliche Zuzahlung von maximal 10 Euro.
Pflegegrad prüfen: Liegt bereits ein Pflegegrad vor? Falls nicht, beantragen Sie diesen bei der Pflegekasse, um Zugang zu weiteren Leistungen zu erhalten.
Zuschüsse nutzen: Wenn ein Pflegegrad besteht, prüfen Sie, ob ein barrierefreier Badumbau (z.B. Installation von Stützklappgriffen oder ein Dusch-WC) sinnvoll ist. Beantragen Sie den Zuschuss von bis zu 4.000 Euro rechtzeitig vor Baubeginn.
Lebensstil anpassen: Achten Sie auf eine tägliche Trinkmenge von mindestens 1,5 Litern, integrieren Sie Ballaststoffe und sorgen Sie für sanfte, tägliche Bewegung.
Der Gang zur Toilette sollte kein täglicher Kampf sein. Mit der Kombination aus cleveren Hilfsmitteln, der Unterstützung durch die Kassen und einer altersgerechten Ernährung können Senioren ein großes Stück Lebensqualität, Würde und Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden bewahren.
Hier finden Sie schnelle Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Hilfsmittel für den Toilettengang im Alter.