Die Pflege eines Angehörigen in den eigenen vier Wänden ist eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe, die täglich neue Herausforderungen mit sich bringt. Eine besonders häufige Fragestellung im Pflegealltag betrifft den Umgang mit starken Schmerzmitteln, die über die Haut verabreicht werden. Schmerzpflaster sind aus der modernen Schmerztherapie nicht mehr wegzudenken. Sie bieten eine kontinuierliche, zuverlässige Linderung bei chronischen Schmerzen und erleichtern vielen Senioren und Pflegebedürftigen das Leben erheblich. Doch sobald es um die tägliche Körperpflege geht, tauchen bei pflegenden Angehörigen unweigerlich Fragen auf: Darf mein Angehöriger mit dem Pflaster duschen? Was passiert, wenn er im Sommer oder bei Fieber stark schwitzt? Löst sich das Pflaster beim Baden auf? Und wie stelle ich sicher, dass die lebenswichtige Schmerzmedikation nicht durch äußere Einflüsse beeinträchtigt wird? In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über das Duschen, Baden und Schwitzen mit Schmerzpflastern wissen müssen. Wir geben Ihnen praxisnahe, sichere und sofort anwendbare Alltagstipps, erklären medizinische Hintergründe leicht verständlich und zeigen Ihnen, wie Sie die Körperpflege Ihres Angehörigen optimal und sicher gestalten können.
Um zu verstehen, warum bestimmte Regeln bei der Körperpflege so wichtig sind, ist ein kurzer Blick auf die Funktionsweise von Schmerzpflastern unerlässlich. In der Fachsprache werden diese Pflaster als Transdermale Therapeutische Systeme (TTS) bezeichnet. "Transdermal" bedeutet wörtlich übersetzt "durch die Haut". Im Gegensatz zu Tabletten oder Tropfen, die über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, gibt ein Transdermales Therapeutisches System den medizinischen Wirkstoff (häufig starke Opioide wie Fentanyl oder Buprenorphin) kontinuierlich und in einer festgelegten Dosis über die Hautoberfläche ab.
Der Wirkstoff wandert aus dem Pflaster in die oberste Hautschicht (die Hornschicht) und bildet dort ein sogenanntes Wirkstoffdepot. Von diesem Depot aus gelangt das Medikament langsam und gleichmäßig in die kleinen Blutgefäße der Haut und verteilt sich von dort im gesamten Körper. Dieser Prozess garantiert einen konstanten Wirkstoffspiegel im Blut, was besonders bei chronischen Schmerzen von unschätzbarem Wert ist, da Schmerzspitzen vermieden werden. Es gibt zwei Hauptarten von Schmerzpflastern:
Matrixpflaster: Hier ist der Wirkstoff direkt in die Klebeschicht (die Matrix) eingearbeitet. Diese Pflaster sind heutzutage der Standard. Sie sind sehr flach, flexibel und lassen sich gut auf der Haut tragen.
Membranpflaster (Reservoirpflaster): Bei diesen älteren Modellen befindet sich der Wirkstoff in einem flüssigen oder gelförmigen Reservoir, das durch eine feine Membran von der Haut getrennt ist. Achtung: Diese Pflaster dürfen niemals zerschnitten werden, da sonst der gesamte Wirkstoff auf einmal austreten würde!
Da die Haut bei diesem System eine aktive Rolle als Transportweg spielt, wird schnell klar, warum Faktoren wie Wärme, Wasser, Seife und Schweiß die Wirkung des Pflasters massiv beeinflussen können.
Lauwarmes Duschen ist mit dem Pflaster meist problemlos möglich.
Die gute Nachricht vorweg: Duschen mit einem Schmerzpflaster ist grundsätzlich erlaubt und möglich. Moderne Schmerzpflaster sind in der Regel wasserabweisend konzipiert, sodass sie bei normalem Kontakt mit Wasser nicht sofort ihre Klebkraft verlieren oder den Wirkstoff auswaschen. Dennoch gibt es für die sichere Körperpflege einige essenzielle Grundregeln, die Sie als pflegender Angehöriger zwingend beachten sollten.
Vermeiden Sie zu heißes Duschen. Heißes Wasser führt dazu, dass sich die Blutgefäße in der Haut stark erweitern (Vasodilatation) und die Durchblutung angeregt wird. Dies kann dazu führen, dass der Körper den Wirkstoff aus dem Pflaster deutlich schneller aufnimmt als vorgesehen. Im schlimmsten Fall droht dadurch eine gefährliche Überdosierung. Achten Sie darauf, dass das Duschwasser lauwarm bis maximal körperwarm (ca. 36 bis 37 Grad Celsius) ist. Richten Sie den warmen Wasserstrahl zudem niemals direkt und dauerhaft auf das Pflaster.
Die Klebeschicht des Pflasters ist empfindlich gegenüber chemischen und öligen Substanzen. Wenn Sie Ihren Angehörigen waschen, sparen Sie den Bereich rund um das Pflaster großzügig aus.
Verwenden Sie keine rückfettenden Duschöle, Körperlotionen oder alkoholhaltigen Reinigungsmittel in der Nähe des Pflasters.
Seifenschaum, der versehentlich über das Pflaster läuft, sollte zügig mit klarem, lauwarmem Wasser abgespült werden.
Öle und Fette lösen den Klebstoff des Pflasters auf, wodurch es sich vorzeitig von der Haut ablösen kann.
Nach dem Duschen ist die Haut weich und das Pflaster möglicherweise etwas anfälliger für mechanische Belastungen. Rubbeln Sie niemals mit dem Handtuch über das Pflaster! Trocknen Sie die Stelle stattdessen durch sanftes, vorsichtiges Tupfen. Wenn sich die Ränder des Pflasters durch das Wasser leicht angehoben haben, drücken Sie diese nach dem Trocknen mit der flachen, warmen Hand für etwa 30 Sekunden wieder fest an die Haut.
Während das kurze, lauwarme Duschen unproblematisch ist, stellt ein ausgedehntes Vollbad eine deutlich größere Herausforderung dar. Für viele Senioren ist ein warmes Bad eine Wohltat für Gelenke und Muskulatur, doch bei der Nutzung von Schmerzpflastern ist hier höchste Vorsicht geboten.
Ein Vollbad kombiniert zwei Risikofaktoren: langanhaltende Wärme und dauerhaften Wasserkontakt. Selbst wenn das Pflaster wasserabweisend ist, kann es sich bei einem 20-minütigen Bad im warmen Wasser lösen. Noch gefährlicher ist jedoch der Wärmeeffekt. Die anhaltende Erwärmung des gesamten Körpers und insbesondere der Hautpartie unter dem Pflaster beschleunigt die Wirkstofffreisetzung massiv. Es besteht die akute Gefahr einer Opioid-Überdosierung, die sich durch Schwindel, extreme Müdigkeit oder sogar eine lebensgefährliche Atemabflachung (Atemdepression) äußern kann.
Wenn Ihr Angehöriger nicht auf ein Bad verzichten möchte oder kann, beachten Sie folgende Sicherheitsmaßnahmen:
Pflasterstelle über Wasser halten: Wenn das Pflaster beispielsweise am Oberarm oder im oberen Brustbereich klebt, lassen Sie nur so viel Wasser in die Wanne ein, dass das Pflaster vollständig über der Wasseroberfläche bleibt.
Temperatur kontrollieren: Das Badewasser sollte keinesfalls heißer als 37 Grad Celsius sein. Nutzen Sie ein Badethermometer zur genauen Kontrolle.
Badedauer begrenzen: Beschränken Sie die Zeit in der Badewanne auf maximal 10 bis 15 Minuten.
Hilfsmittel nutzen: Ein Badewannenlift ist in diesem Zusammenhang ein hervorragendes Hilfsmittel. Er ermöglicht es Senioren, sicher in die Wanne und wieder heraus zu gelangen, und erlaubt es, die Eintauchtiefe exakt so zu steuern, dass das Pflaster trocken bleibt.
Tipp für Pflegebedürftige: Wenn eine Pflegestufe (ein Pflegegrad) vorhanden ist, übernimmt die Pflegekasse häufig die Kosten für technische Hilfsmittel im Bad. Zudem können Sie Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (z.B. einen barrierefreien Badumbau) in Höhe von bis zu 4.000 Euro pro pflegebedürftiger Person beantragen. Ein barrierefreies Bad mit einer ebenerdigen Dusche und einem Duschklappsitz macht die Körperpflege mit Schmerzpflaster deutlich sicherer und komfortabler als eine tiefe Badewanne.
Schützen Sie das Pflaster im Sommer stets vor direkter Sonne.
Eines der größten Risiken bei der Anwendung von Schmerzpflastern ist starke Hitzeeinwirkung. Wie bereits beim Thema Baden erwähnt, erhöht Wärme die Durchblutung der Haut und weitet die Poren. Dadurch "saugt" der Körper den Wirkstoff förmlich aus dem Pflaster. Was im Winter durch ein warmes Bad passieren kann, droht im Sommer durch hohe Außentemperaturen oder im Krankheitsfall durch Fieber.
Wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger an einem Infekt erkrankt und die Körpertemperatur auf über 39 Grad Celsius ansteigt, ist höchste Wachsamkeit geboten. Durch das Fieber wird die Wirkstoffabgabe des Transdermalen Therapeutischen Systems signifikant erhöht. Handlungsempfehlung bei Fieber: Kontaktieren Sie umgehend den behandelnden Hausarzt oder Schmerztherapeuten. Möglicherweise muss das Pflaster vorübergehend entfernt oder durch eine andere Form der Schmerzmedikation (z.B. Tropfen) ersetzt werden, bis das Fieber gesunken ist. Beobachten Sie Ihren Angehörigen in dieser Zeit sehr genau auf Anzeichen einer Überdosierung.
Im Hochsommer kann starkes Schwitzen dazu führen, dass die Klebeschicht des Pflasters versagt. Der Schweiß unterbricht den Kontakt zwischen Haut und Matrix, das Pflaster löst sich, und die Schmerzlinderung setzt aus. Zudem heizt direkte Sonne die Haut auf.
Schatten aufsuchen: Das Schmerzpflaster darf niemals direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Beim Aufenthalt im Freien muss die Stelle stets durch lockere, aber lichtundurchlässige Kleidung bedeckt sein.
Kühle Räume: Halten Sie die Wohnräume an heißen Tagen möglichst kühl (abdunkeln, in den frühen Morgenstunden lüften).
Keine zusätzliche Wärme: Verzichten Sie strikt auf Heizkissen, Wärmflaschen, Rotlichtlampen oder elektrische Heizdecke in der Nähe des Pflasters. Auch ein Saunabesuch ist mit einem Opioid-Schmerzpflaster absolut tabu!
Wenn Ihr Angehöriger stark schwitzt (Hyperhidrose) und sich das Pflaster an den Rändern löst, dürfen Sie es unter keinen Umständen mit normalem Haushaltsklebeband (wie Tesafilm) oder herkömmlichen Heftpflastern festkleben. Diese Materialien sind nicht atmungsaktiv und können zu schweren Hautirritationen oder einer veränderten Wirkstoffaufnahme führen. Verwenden Sie stattdessen spezielle, medizinische Fixierpflaster aus der Apotheke. Sogenannte Polyurethan-Folienverbände (bekannt unter Markennamen wie Tegaderm oder Opsite) sind hauchdünn, atmungsaktiv, transparent und wasserdicht. Sie können großflächig über das Schmerzpflaster geklebt werden, um es sicher an Ort und Stelle zu halten, ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Fragen Sie hierzu Ihren Arzt; oft kann ein solches Fixierpflaster auch auf Rezept verordnet werden.
Kleben Sie das Pflaster nur auf trockene, unbehaarte Hautstellen.
Die Basis für einen sicheren Halt des Pflasters beim Duschen und Schwitzen wird bereits beim Aufkleben gelegt. Eine korrekte Vorbereitung der Haut und das richtige Anbringen sind entscheidend für die Haftung und die medizinische Wirksamkeit.
Das Pflaster sollte auf eine flache, unbehaarte und intakte Hautstelle geklebt werden. Ideal sind:
Der obere Rückenbereich
Die Brust (unterhalb des Schlüsselbeins)
Der obere Außenarm
Die Haut darf an dieser Stelle keine Rötungen, Wunden, Narben oder Ausschläge aufweisen. Vermeiden Sie Stellen, an denen enge Kleidung (z.B. der BH-Träger oder der Hosenbund) reibt.
Wenn die gewählte Hautstelle behaart ist, müssen die Haare entfernt werden, damit das Pflaster direkt auf der Haut aufliegt. Achtung: Die Haare dürfen nur mit einer Schere kurz geschnitten werden! Sie dürfen die Stelle niemals rasieren. Bei einer Rasur entstehen mikroskopisch kleine Verletzungen in der obersten Hautschicht (der Hornschicht). Da diese Schicht als Barriere dient, würde der Wirkstoff durch die winzigen Schnittwunden viel zu schnell in den Blutkreislauf gelangen – es droht eine Überdosierung. Reinigen Sie die Haut vor dem Aufkleben ausschließlich mit klarem Wasser. Verwenden Sie keine Seife, keinen Alkohol und keine Cremes. Warten Sie, bis die Haut absolut trocken ist.
Nehmen Sie das Pflaster aus der Verpackung und ziehen Sie die Schutzfolie vorsichtig ab, ohne die Klebefläche mit den Fingern zu berühren. Kleben Sie das Pflaster auf die vorbereitete Stelle und drücken Sie es mit der flachen Hand für etwa 30 bis 60 Sekunden fest an. Durch die Körperwärme Ihrer Hand verbindet sich der Klebstoff optimal mit der Haut. Streichen Sie besonders die Ränder gut fest.
Das Pflaster muss in der Regel alle 72 Stunden (also alle drei Tage) oder nach ärztlicher Verordnung gewechselt werden. Kleben Sie das neue Pflaster niemals auf exakt dieselbe Stelle wie das alte. Die Haut braucht Zeit, um sich zu regenerieren. Zwischen der Nutzung derselben Hautpartie sollten mindestens 6 bis 7 Tage vergehen. Tipp: Führen Sie ein kleines Schmerztagebuch oder notieren Sie sich auf einem Kalender, wann und wo (z.B. "Dienstag, 08:00 Uhr, linker Oberarm") Sie das Pflaster angebracht haben.
Sichern Sie sich monatlich Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel im Wert von 40 Euro. Ideal für den sicheren Umgang mit Schmerzpflastern.
Pflegebox beantragen
Trotz aller Vorsicht beim Duschen oder bei Sommerhitze kann es passieren, dass sich ein Schmerzpflaster vorzeitig löst. Wie Sie in dieser Situation reagieren, hängt vom Grad der Ablösung ab.
Wenn sich das Pflaster lediglich an den Ecken etwas abhebt, die Mitte aber noch fest auf der Haut sitzt, ist die Wirkstoffversorgung meist noch gewährleistet. Was zu tun ist: Drücken Sie die Ränder mit der warmen Hand wieder an. Sollte das nicht halten, überkleben Sie das Pflaster mit einer medizinischen Transparentfolie (z.B. Tegaderm) aus der Apotheke.
Wenn das Pflaster abgefallen ist (z.B. nachts im Bett oder beim Abtrocknen nach dem Duschen), ist es unbrauchbar. Versuchen Sie niemals, ein abgefallenes Pflaster wieder anzukleben! Der Klebstoff haftet nicht mehr zuverlässig, und die Wirkstoffabgabe ist nicht mehr gesichert. Was zu tun ist: 1. Nehmen Sie ein komplett neues Pflaster aus der Verpackung. 2. Kleben Sie das neue Pflaster auf eine andere Hautstelle. 3. Notieren Sie sich den neuen Zeitpunkt. Der Rhythmus für den Pflasterwechsel (z.B. 72 Stunden) beginnt nun von vorn! Informieren Sie bei Unsicherheiten den behandelnden Arzt.
Ein Aspekt, der im Pflegealltag oft übersehen wird, ist die korrekte Entsorgung gebrauchter Schmerzpflaster. Auch wenn ein Pflaster drei Tage lang auf der Haut war, enthält es immer noch eine beträchtliche Restmenge an hochwirksamen Opioiden (oft bis zu 50% des ursprünglichen Wirkstoffs). Für pflegende Angehörige, Kinder oder Haustiere im Haushalt kann ein unsachgemäß entsorgtes Pflaster tödlich sein, wenn es versehentlich auf die Haut geklebt oder gar in den Mund genommen wird. So entsorgen Sie das Pflaster sicher:
Ziehen Sie das alte Pflaster vorsichtig von der Haut Ihres Angehörigen ab.
Falten Sie das Pflaster sofort in der Mitte zusammen, sodass die Klebeflächen fest aufeinander kleben. Dadurch wird der verbleibende Wirkstoff eingeschlossen.
Geben Sie das gefaltete Pflaster zurück in die leere Originalverpackung oder wickeln Sie es in ein Stück Papier.
Entsorgen Sie es im Restmüll (Hausmüll). Werfen Sie Schmerzpflaster niemals in die Toilette, da die starken Medikamente das Grundwasser massiv belasten.
Waschen Sie sich nach dem Pflasterwechsel gründlich die Hände.
Da Faktoren wie Hitze, zu warmes Duschen oder Fieber die Wirkstoffaufnahme unkontrolliert steigern können, müssen pflegende Angehörige die Symptome einer Opioid-Überdosierung genau kennen. Die Wirkstoffe (z.B. Fentanyl) sind extrem potent. Warnsignale einer möglichen Überdosierung:
Ungewöhnliche, tiefe Schläfrigkeit (der Pflegebedürftige lässt sich kaum noch wecken)
Extreme Verwirrtheit oder Apathie
Kalter Schweiß und blasse Haut
Stark verengte Pupillen (stecknadelkopfgroß)
Das gefährlichste Symptom: Eine stark verlangsamte, flache Atmung (Atemdepression) bis hin zum Atemstillstand.
Erste-Hilfe-Maßnahmen im Ernstfall: Sollten Sie diese Symptome bei Ihrem Angehörigen feststellen, handeln Sie sofort: 1. Entfernen Sie das Schmerzpflaster umgehend von der Haut! 2. Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter der Nummer 112 an. 3. Halten Sie den Betroffenen wach und sprechen Sie mit ihm. 4. Bei Atemstillstand beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Tipp für die Sicherheit zu Hause: Ein Hausnotruf-System bietet hier zusätzliche Sicherheit. Mit einem Knopfdruck am Handgelenk oder um den Hals kann der Pflegebedürftige oder Sie als Angehöriger sofort professionelle Hilfe rufen. Die Kosten für einen Basis-Hausnotruf werden bei Vorliegen eines Pflegegrades in der Regel vollständig von der Pflegekasse übernommen (25,50 Euro monatlich).
Das Anbringen und Wechseln von wirkstoffhaltigen Schmerzpflastern ist keine simple Kosmetik, sondern eine hochverantwortungsvolle medizinische Tätigkeit. Im deutschen Gesundheitssystem fällt dies unter die sogenannte Behandlungspflege (geregelt im SGB V - Fünftes Sozialgesetzbuch).
Ja. Wenn Sie sich als pflegender Angehöriger unsicher fühlen, das Pflaster zu wechseln, können Sie den Hausarzt bitten, eine Verordnung für häusliche Krankenpflege auszustellen. Ein professioneller, ambulanter Pflegedienst kommt dann zu Ihnen nach Hause und übernimmt fachgerecht den Pflasterwechsel sowie die Überwachung der Haut. Die Kosten hierfür trägt nach Genehmigung die Krankenkasse, unabhängig davon, ob ein Pflegegrad vorliegt oder nicht.
Viele Familien nutzen die Unterstützung durch Betreuungskräfte aus Osteuropa (sogenannte 24-Stunden-Pflege). Es ist rechtlich enorm wichtig zu wissen: Diese Betreuungskräfte dürfen in Deutschland keine Behandlungspflege durchführen! Das bedeutet, eine 24-Stunden-Betreuungskraft darf das Opioid-Schmerzpflaster weder anbringen, noch wechseln oder ärztlich verordnete Medikamente dosieren. Sie darf lediglich bei der Grundpflege (z.B. beim Duschen) helfen. Die Verantwortung für das Pflaster bleibt bei Ihnen als Angehörigem oder muss an einen examinierten Pflegedienst delegiert werden. Weitere verlässliche und offizielle Informationen zum Umgang mit Medikamenten und Medizinprodukten finden Sie auch auf den Seiten der Bundesbehörden, wie dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Ein oft vernachlässigter Aspekt, der die Haftung des Schmerzpflasters beim Duschen oder Schwitzen beeinflusst, ist der Zustand der Haut selbst, welcher stark von Alter, Ernährung und Flüssigkeitszufuhr abhängt. Im Alter wird die Haut natürlicherweise dünner, verliert an Elastizität und wird trockener (sogenannte Pergamenthaut). Sehr trockene, schuppige Haut bietet dem Pflasterkleber keinen guten Untergrund. Wenn der Patient dann duscht, dringt Wasser leichter unter die Ränder, und das Pflaster fällt ab. Tipps für eine optimale Hautbeschaffenheit:
Ausreichend trinken: Achten Sie darauf, dass Ihr Angehöriger mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag trinkt. Eine gut hydrierte Haut bietet eine bessere Basis für das Pflaster.
Hautpflege an pflasterfreien Tagen: Pflegen Sie die Körperstellen, an denen das Pflaster aktuell nicht klebt, regelmäßig mit feuchtigkeitsspendenden Lotionen. So bleibt die Haut am gesamten Körper geschmeidig.
Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen (insbesondere Vitamin E und C) unterstützt die Hautgesundheit.
Ein sorgfältig geführtes Schmerztagebuch hilft dem behandelnden Arzt enorm.
Eine erfolgreiche Schmerztherapie erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Ihnen, dem Pflegebedürftigen und dem behandelnden Arzt. Ein Schmerztagebuch ist hierbei ein unersetzliches Werkzeug. Notieren Sie darin täglich: 1. Datum und Uhrzeit des Pflasterwechsels. 2. Die genaue Stelle am Körper, wo das Pflaster angebracht wurde. 3. Die Schmerzintensität Ihres Angehörigen (z.B. auf einer Skala von 1 bis 10). 4. Besonderheiten (z.B. "Heute stark geschwitzt", "Pflaster hat sich beim Duschen leicht gelöst", "Fieber 38,5 Grad"). Sollten Sie feststellen, dass das Pflaster im Sommer aufgrund von starkem Schwitzen systematisch schlechter hält oder die Schmerzen an heißen Tagen zunehmen, nehmen Sie das Schmerztagebuch mit zum nächsten Arztbesuch. Der Arzt kann auf Basis dieser präzisen Aufzeichnungen entscheiden, ob die Dosis angepasst werden muss, ob ein anderes Pflasterfabrikat mit einem stärkeren Kleber sinnvoll ist oder ob für die Sommermonate auf eine andere Darreichungsform (z.B. Tabletten) umgestellt werden sollte.
Um Ihnen den Pflegealltag so sicher und strukturiert wie möglich zu gestalten, haben wir zwei praktische Checklisten für Sie zusammengestellt.
Gehen Sie diese Punkte jeden Tag durch:
[ ] Sitzt das Pflaster noch fest an allen Rändern?
[ ] Ist die Haut um das Pflaster herum frei von starken Rötungen oder Ausschlägen?
[ ] Ist der Pflegebedürftige normal ansprechbar (keine unerklärliche Schläfrigkeit)?
[ ] Wurden Wärmequellen (Heizdecke, direkte Sonne) konsequent vom Pflaster ferngehalten?
[ ] Liegt die Körpertemperatur im Normalbereich (kein hohes Fieber)?
Nutzen Sie diese Schritte alle 72 Stunden (oder nach ärztlicher Vorgabe):
[ ] Altes Pflaster entfernen und sofort mit den Klebeflächen aufeinanderfalten.
[ ] Altes Pflaster sicher im Hausmüll entsorgen (außerhalb der Reichweite von Kindern/Tieren).
[ ] Neue, unbehaarte Hautstelle auswählen (Rotation beachten!).
[ ] Haare bei Bedarf mit der Schere kürzen (nicht rasieren!).
[ ] Haut nur mit Wasser reinigen und komplett trocknen lassen.
[ ] Neues Pflaster aufkleben und 30 bis 60 Sekunden mit der flachen Hand andrücken.
[ ] Datum, Uhrzeit und Ort im Schmerztagebuch notieren.
[ ] Hände gründlich mit Seife waschen.
Im Beratungsalltag tauchen immer wieder spezifische Fragen auf. Hier finden Sie die fundierten Antworten auf die häufigsten Unsicherheiten von pflegenden Angehörigen.
Nein, auf gar keinen Fall! Ein Saunabesuch ist absolut lebensgefährlich. Die extreme Hitze in der Sauna (80 bis 100 Grad Celsius) führt zu einer sofortigen, massiven Erweiterung der Blutgefäße. Der Wirkstoff aus dem Pflaster würde in kürzester Zeit in den Blutkreislauf fluten und eine tödliche Überdosierung (Atemstillstand) verursachen.
Grundsätzlich sind moderne Matrixpflaster wasserabweisend. Ein kurzes Schwimmen in normal temperiertem Wasser (z.B. im Freibad oder See) ist oft möglich. Allerdings weicht langes Schwimmen den Kleber auf. Wenn Ihr Angehöriger regelmäßig schwimmen geht, sollten Sie das Pflaster mit einer transparenten, wasserdichten Duschfolie (z.B. Tegaderm) überkleben. Sprechen Sie dies vorher unbedingt mit dem Arzt ab.
Das hängt von der Art des Pflasters ab. Bei älteren Membranpflastern (Reservoirpflastern) läuft der flüssige Wirkstoff sofort aus – das Pflaster ist zerstört und darf nicht mehr verwendet werden. Moderne Matrixpflaster können theoretisch zerschnitten werden, ohne dass Wirkstoff ausläuft. Dennoch: Zerschneiden Sie ein Schmerzpflaster niemals eigenmächtig, um die Dosis zu halbieren! Die Schnittkanten verändern die Freisetzungsdynamik. Eine Dosisanpassung darf nur durch den Arzt mit Pflastern in der entsprechenden Wirkstärke erfolgen.
Ja, in den meisten Fällen. Einige Schmerzpflaster enthalten in ihrer Trägerschicht feine Aluminiumfäden oder andere Metalle. Im starken Magnetfeld des MRT-Geräts können sich diese Metalle extrem erhitzen und schwere Verbrennungen auf der Haut verursachen. Informieren Sie das Radiologie-Personal immer im Vorfeld darüber, dass Ihr Angehöriger ein Schmerzpflaster trägt.
Die Hersteller empfehlen meist den Oberkörper (Rücken, Brust, Oberarm), da hier die Hautbeschaffenheit und die Durchblutung am besten erforscht sind und eine gleichmäßige Wirkstoffaufnahme garantieren. Wenn am Oberkörper keine geeignete Stelle zu finden ist, fragen Sie den Arzt, ob eine Applikation am Oberschenkel im individuellen Fall möglich ist. Kleben Sie es nicht ohne ärztliche Rücksprache auf andere als die im Beipackzettel genannten Körperregionen.
Eine leichte Rötung nach dem Abziehen des Pflasters ist normal und verschwindet meist nach wenigen Stunden. Wenn die Haut jedoch stark juckt, anschwillt, Bläschen bildet oder die Rötung tagelang bleibt, liegt vermutlich eine Pflasterallergie vor. Meist reagieren Patienten auf den verwendeten Klebstoff, seltener auf den Wirkstoff selbst. Kontaktieren Sie den Arzt; oft reicht schon der Wechsel auf das Präparat eines anderen Herstellers, da diese unterschiedliche Klebstoffe verwenden.
Die Pflege eines Angehörigen, der auf starke Schmerzpflaster angewiesen ist, erfordert Sorgfalt, Wissen und Aufmerksamkeit. Wenn Sie die grundlegenden Regeln beachten, steht einer sicheren Körperpflege und einem unbeschwerten Alltag nichts im Wege. Hier sind die essenziellen Erkenntnisse für Sie zusammengefasst:
Duschen ist erlaubt: Verwenden Sie lauwarmes Wasser (max. 37 Grad), halten Sie Seife und Öl vom Pflaster fern und tupfen Sie die Stelle nach dem Duschen sanft trocken.
Vorsicht bei Hitze: Wärme ist der größte Feind des Schmerzpflasters. Baden in heißem Wasser, Fieber über 39 Grad, direkte Sonneneinstrahlung und Heizkissen beschleunigen die Wirkstoffabgabe massiv und können zu einer lebensgefährlichen Überdosierung führen.
Sicherer Halt bei Schweiß: Wenn sich das Pflaster durch Schwitzen im Sommer löst, fixieren Sie es nur mit speziellen, atmungsaktiven Medizin-Folien (z.B. Tegaderm) aus der Apotheke, niemals mit normalem Klebeband.
Hautvorbereitung ist alles: Kleben Sie das Pflaster auf saubere, trockene und unbehaarte Haut. Haare nur mit der Schere schneiden, niemals rasieren.
Gefahrlose Entsorgung: Falten Sie gebrauchte Pflaster sofort mit den Klebeseiten zusammen und entsorgen Sie diese sicher im Hausmüll, fern von Kindern und Haustieren.
Hilfe annehmen: Nutzen Sie Hilfsmittel wie Badewannenlifte, beantragen Sie Zuschüsse für den barrierefreien Badumbau bei der Pflegekasse und scheuen Sie sich nicht, ärztliche Hilfe oder einen Hausnotruf in Anspruch zu nehmen.
Mit diesem Wissen sind Sie bestens gerüstet, um die Schmerztherapie Ihres Angehörigen sicher und kompetent zu begleiten. Beobachten Sie Ihren Pflegebedürftigen aufmerksam, dokumentieren Sie Auffälligkeiten im Schmerztagebuch und zögern Sie nicht, bei Unsicherheiten den behandelnden Arzt oder einen ambulanten Pflegedienst zurate zu ziehen. So stellen Sie sicher, dass Ihr Angehöriger schmerzfrei, sicher und mit bestmöglicher Lebensqualität zu Hause gepflegt werden kann.
Die wichtigsten Antworten für pflegende Angehörige auf einen Blick