116117: Fast jeder zweite vermittelte Arzttermin verfällt
Während viele Patientinnen und Patienten über monatelange Wartezeiten auf einen Facharzttermin klagen, offenbart das offizielle Vermittlungssystem ein überraschendes Paradoxon: Ein erheblicher Teil der bereitgestellten Arzttermine wird überhaupt nicht in Anspruch genommen. Wie eine aktuelle Erhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) belegt, blieben im Zeitraum zwischen Oktober 2025 und September 2026 rund 44 Prozent aller über die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen angebotenen Termine ungebucht.
Mehr als 1,5 Millionen Termine bleiben ohne Patienten
Nach Angaben des Zentralinstituts stellten teilnehmende Arzt- und Psychotherapiepraxen bundesweit über 3,58 Millionen Termine zur Verfügung. Tatsächlich nachgefragt und gebucht wurden davon jedoch lediglich rund zwei Millionen Termine. Über 1,5 Millionen Terminangebote verfielen somit ungenutzt – obwohl die Praxen feste Behandlungsfenster für die Vermittlung freigehalten hatten.
Die Untersuchung widerlegt damit zumindest teilweise das Bild eines durchgängig unerreichbaren Gesundheitssystems. Nach Angaben des Zi betrug die durchschnittliche Wartezeit bei einer Buchung über die Servicenummer 116117 oder die entsprechende App im Schnitt lediglich knapp acht Tage. Bei akuter Dringlichkeit oder dringenden Überweisungen greift das System demnach spürbar schneller, als die öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt.
Unwissenheit und No-Shows belasten die Praxen
Als wesentliche Ursache für die hohe Zahl ungenutzter Termine gilt die mangelnde Bekanntheit der Buchungsoptionen. Viele Hilfesuchende wenden sich weiterhin ausschließlich direkt an bekannte Wunschpraxen vor Ort, statt den zentralen Vermittlungsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen digital oder telefonisch zu kontaktieren.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch gebuchte Termine regelmäßig platzen: Laut der Analyse sagten 5,7 Prozent der Patientinnen und Patienten ihren vereinbarten Termin nachträglich ab. Weitere 2,1 Prozent erschienen ohne jede Absage schlichtweg nicht in der Praxis. Fachleute gehen davon aus, dass die tatsächliche Quote solcher Ausfälle („No-Shows“) in der Realität noch deutlich höher liegt, da nicht jede Praxis versäumte Termine lückenlos digital erfasst.
Bestehende Systeme konsequenter ausschöpfen
Angesichts der anhaltenden Debatte um starre gesetzliche Terminquoten und Termingarantien mahnen Standesvertreter zur Besonnenheit. Bevor Praxen mit weiteren bürokratischen Pflichten belegt werden, gelte es, die bereits etablierten Vermittlungsinstrumente breiter bekannt zu machen und effizient auszulasten. Ein leerer Behandlungsstuhl nütze weder dem Praxispersonal noch anderen akut hilfebedürftigen Versicherten.
So funktioniert die Terminvermittlung über die 116117
- Telefonisch: Bundesweit rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter der Rufnummer 116117.
- Online und per App: Termine können direkt über die Website des 116117-Terminservice oder die offizielle Smartphone-App gebucht werden.
- Voraussetzung: Für Termine bei bestimmten Fachärzten ist eine Überweisung mit einem zwölfstelligen Vermittlungscode (Dringlichkeitscode) erforderlich. Für Haus-, Kinder-, Augen- und Frauenärzte ist in vielen Fällen kein Vermittlungscode nötig.
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