17,7 Millionen Klinikaufenthalte: Warum Behandlungen immer kürzer werden
In den deutschen Krankenhäusern zeichnet sich eine bemerkenswerte Entwicklung ab: Die Zahl der stationären Behandlungen nimmt wieder leicht zu, während die Zeit, die Patientinnen und Patienten im Krankenbett verbringen, einen neuen Tiefstand erreicht. Wie aktuelle Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, wurden bundesweit rund 17,7 Millionen Menschen vollstationär in einer Klinik versorgt. Das entspricht einem Zuwachs von 1,2 Prozent oder rund 203.000 Behandlungsfällen im Vergleich zum Vorjahr.
Liegedauer hat sich seit 1991 halbiert
Trotz der leichten Zunahme liegen die Patientenzahlen weiterhin spürbar unter dem Niveau aus den Jahren vor Beginn der Corona-Pandemie, als regelmäßig über 19 Millionen stationäre Aufenthalte verzeichnet wurden. Auffallend ist vor allem der anhaltende Wandel bei der Verweildauer: Ein durchschnittlicher Klinikaufenthalt dauerte zuletzt exakt 7,0 Tage. Damit hat sich die Verweildauer im Langzeittrend seit dem Beginn der gesamtdeutschen Statistik im Jahr 1991 halbiert – damals lag der Schnitt noch bei 14,0 Tagen.
Die Verweildauer variiert dabei stark je nach Fachbereich:
- Allgemeine Chirurgie: Hier blieben Patientinnen und Patienten im Schnitt lediglich 4,8 Tage auf Station.
- Innere Medizin: Als am stärksten frequentierte Fachabteilung verzeichnete sie rund 5,0 Millionen Behandlungsfälle (28,1 Prozent aller Fälle).
- Geriatrie und Altersmedizin: Hier erfordert die Versorgung oft deutlich mehr Zeit, weshalb Patientinnen und Patienten durchschnittlich 14,8 Tage betreut wurden.
- Psychiatrische Fachabteilungen: Mit bis zu 47 Tagen wiesen diese die längsten Verweildauern auf.
Bettenabbau bei steigender Auslastung
Parallel zur kürzeren Liegedauer verringerte sich das Bettenangebot in den bundesweit 1.807 erfassten Krankenhäusern leicht um 0,9 Prozent auf rund 468.800 Betten. Weil gleichzeitig mehr Behandlungen durchgeführt wurden, stieg die Bettenauslastung im Jahresdurchschnitt leicht auf 72,6 Prozent an. Insbesondere größere Kliniken mit über 800 Betten verzeichneten eine deutlich höhere Auslastung als kleinere Krankenhäuser mit unter 100 Betten.
Bedeutung für die Anschluss- und Pflegeversorgung
Für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige birgt der Trend zur verkürzten Verweildauer enorme Herausforderungen. Wenn Patienten nach operativen Eingriffen oder akuten Erkrankungen bereits nach wenigen Tagen entlassen werden, verlagert sich der Genesungs- und Betreuungsaufwand unmittelbar in die ambulante Pflege, die Kurzzeitpflege oder das häusliche Umfeld. Ein frühzeitiges und strukturiertes Entlassmanagement in den Kliniken ist daher unverzichtbar, um Versorgungslücken nach dem Krankenhausaufenthalt zu vermeiden.
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