Abnehmspritzen unter Verdacht: Neue Studie warnt vor seltenem Augeninfarkt
GLP-1-Rezeptoragonisten, im Volksmund oft als Abnehmspritzen oder Diabetes-Wundermittel wie Ozempic und Wegovy bekannt, erleben seit Jahren einen beispiellosen Boom. Doch nun rückt eine seltene, aber potenziell gravierende Nebenwirkung in den Fokus der medizinischen Forschung: Ein möglicher Zusammenhang mit einem sogenannten "Augeninfarkt", der im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann.
Was ist ein Augeninfarkt (NAION)?
Bei der nicht-arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION) handelt es sich um eine akute Durchblutungsstörung des Sehnervs. Betroffene erleben typischerweise einen plötzlichen, schmerzlosen Sehverlust auf einem Auge. Da der Sehnerv nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, kann das Gewebe absterben, was zu dauerhaften Sehschäden führt. In der Medizin wird dieses Phänomen umgangssprachlich oft als Augeninfarkt bezeichnet.
Neue Erkenntnisse bestätigen den Verdacht
Eine kürzlich im renommierten Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Studie der amerikanischen Veterans Administration (VA) aus St. Louis bringt nun mehr Klarheit in die andauernde Diskussion. Die Forscher verglichen über einen Zeitraum von drei Jahren die Gesundheitsdaten von Patienten, die GLP-1-Präparate einnahmen, mit denen einer Kontrollgruppe, die eine andere Klasse von Diabetes-Medikamenten (SGLT2-Inhibitoren) erhielt.
Das Ergebnis: Patienten unter einer GLP-1-Therapie wiesen ein leicht, aber statistisch signifikant erhöhtes Risiko auf, an NAION zu erkranken. Konkret traten bei 10.000 Behandelten rund 39 Fälle auf, während es in der Vergleichsgruppe nur etwa 29 Fälle waren. Dies entspricht einer relativen Risikoerhöhung von rund 35 Prozent im Beobachtungszeitraum.
Experten beruhigen: Das absolute Risiko bleibt gering
Trotz dieser alarmierend klingenden Zahlen betonen Mediziner und Forscher ausdrücklich, dass das absolute Risiko für den Einzelnen sehr gering bleibt. Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich nach der Auswertung mehrerer großer Studien intensiv mit dem Thema befasst. Sie stuft NAION mittlerweile offiziell als "sehr seltene" Nebenwirkung von Semaglutid-haltigen Medikamenten ein. Das bedeutet, dass im Durchschnitt maximal einer von 10.000 Behandelten betroffen ist.
Die immensen gesundheitlichen Vorteile der Medikamente – insbesondere die signifikante Gewichtsreduktion, der Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die verbesserte Blutzuckerkontrolle – überwiegen für die allermeisten Patienten das Risiko dieser seltenen Augenerkrankung deutlich.
Was Patienten jetzt beachten sollten
Für Menschen, die bereits mit einem GLP-1-Präparat behandelt werden oder eine solche Therapie in Erwägung ziehen, gibt es keinen Grund zur Panik. Dennoch raten Experten zu erhöhter Wachsamkeit. Folgende Punkte sollten unbedingt beachtet werden:
- Kein eigenmächtiges Absetzen: Setzen Sie Ihre lebenswichtigen Medikamente niemals ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt ab.
- Auf Warnsignale achten: Bei plötzlichen Sehstörungen, verschwommenem Sehen oder einem schmerzlosen Sehverlust sollte umgehend ein Augenarzt oder eine Notaufnahme aufgesucht werden.
- Regelmäßige Kontrollen: Insbesondere Patienten mit Diabetes, hohem Blutdruck oder bereits bestehenden Augenerkrankungen sollten regelmäßige augenärztliche Kontrolluntersuchungen wahrnehmen.
- Arztgespräch suchen: Informieren Sie Ihren Augenarzt bei jeder Untersuchung darüber, dass Sie ein GLP-1-Medikament einnehmen.
Die medizinische Wissenschaft wird die Langzeitwirkungen der beliebten Medikamente weiterhin genauestens überwachen. Bis dahin gilt: Eine gut informierte und ärztlich eng begleitete Therapie ist der beste Weg, um von den revolutionären Vorteilen der Medikamente zu profitieren und gleichzeitig mögliche Risiken zu minimieren.
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