Die Pflege eines geliebten Angehörigen in den eigenen vier Wänden ist eine Aufgabe, die von tiefer Zuneigung und enormem Engagement geprägt ist. Doch so erfüllend diese Tätigkeit auch sein mag, sie bringt oft erhebliche körperliche und emotionale Belastungen mit sich. Eine der größten Herausforderungen im Pflegealltag ist die Mobilisierung, das Umbetten und die grundlegende Versorgung des Pflegebedürftigen im Bett. Genau hier setzt das Pflegebett an. Es ist weit mehr als nur ein Möbelstück; es ist ein unverzichtbares medizinisches Hilfsmittel, das die Lebensqualität des Patienten drastisch erhöht und gleichzeitig die Gesundheit der pflegenden Angehörigen oder der professionellen Pflegekräfte schützt.
Viele Familien zögern zunächst, ein Pflegebett zu beantragen. Die Sorge, dass das heimische Schlafzimmer dadurch den Charakter eines Krankenzimmers annehmen könnte, ist weit verbreitet. Doch moderne Pflegebetten fügen sich dank ansprechender Holzdekore und wohnlicher Designs nahtlos in das häusliche Umfeld ein. Wenn Sie oder Ihr Angehöriger zunehmend Schwierigkeiten haben, selbstständig aufzustehen, sich im Bett aufzusetzen oder wenn die tägliche Körperpflege im Bett stattfinden muss, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um über ein Pflegebett nachzudenken.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie als Leser alles, was Sie über die Beantragung, die strengen Kriterien der Kostenübernahme und die verschiedenen Modelle wissen müssen. Wir klären detailliert auf, ob die Krankenkasse oder die Pflegekasse für Sie zuständig ist, mit welchen Kosten Sie in Form von Eigenanteilen rechnen müssen und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen, um dieses essenzielle Hilfsmittel schnell und unbürokratisch bewilligt zu bekommen. Unser Ziel ist es, Ihnen einen klaren, verlässlichen Leitfaden an die Hand zu geben, damit Sie die bestmögliche Versorgung für Ihre persönliche Pflegesituation organisieren können.
Ein Pflegebett entlastet im Alltag
Ein handelsübliches Bett ist für gesunde Menschen konzipiert, die sich im Schlaf unbewusst drehen und morgens ohne fremde Hilfe aufstehen können. Sobald jedoch körperliche Einschränkungen, chronische Krankheiten oder altersbedingte Schwäche eintreten, wird das normale Bett oft zu einer Barriere und im schlimmsten Fall sogar zu einer Gefahrenquelle. Ein zertifiziertes Pflegebett hingegen ist ein medizinisches Hilfsmittel, das strengen gesetzlichen Normen (insbesondere der DIN EN 60601-2-52 für medizinische elektrische Geräte) entsprechen muss.
Die wesentlichen technischen und funktionalen Unterschiede, die ein Pflegebett auszeichnen, umfassen:
Elektrische Höhenverstellbarkeit: Dies ist die wichtigste Funktion. Das gesamte Bett kann per Knopfdruck auf eine ergonomische Arbeitshöhe (meist bis zu 80 Zentimeter) angehoben werden. Dies schont den Rücken der Pflegepersonen bei Tätigkeiten wie dem Waschen, dem Wechseln von Inkontinenzmaterial oder dem Verbandswechsel enorm. Zum Schlafen oder für einen sicheren Ein- und Ausstieg kann das Bett wieder auf eine normale oder sogar sehr niedrige Höhe abgesenkt werden.
Verstellbare Liegefläche: Die Matratzenauflage ist in der Regel in vier Segmente unterteilt (Kopf-, Rücken-, Ober- und Unterschenkelteil). Diese lassen sich unabhängig voneinander elektrisch verstellen. Dies ermöglicht eine aufrechte Sitzposition zum Essen, Lesen oder Fernsehen und erleichtert das Atmen bei Herz- oder Lungenproblemen.
Integrierte Seitengitter: Diese dienen primär dem Schutz vor dem Herausfallen, insbesondere bei unruhigem Schlaf, Demenz oder der Gefahr von unkontrollierten Bewegungen. Wichtig: Die Nutzung von Seitengittern muss sorgfältig abgewogen werden, da sie unter Umständen als freiheitsentziehende Maßnahme gelten können, wenn der Patient sie nicht selbstständig bedienen kann.
Rollen mit Feststellbremsen: Ein Pflegebett steht auf stabilen Rollen. Dadurch lässt es sich im Raum verschieben, was die Reinigung des Bodens unter dem Bett oder das Umstellen für eine bessere Pflegezugänglichkeit von allen Seiten ermöglicht.
Aufrichter (Bettgalgen): Eine stabile Stange am Kopfende mit einem dreieckigen Haltegriff hilft dem Patienten, sich aus eigener Kraft aufzusetzen oder seine Position im Bett zu korrigieren. Dies fördert die Restmobilität und Eigenständigkeit.
Es ist wichtig, den Begriff Seniorenbett vom echten Pflegebett abzugrenzen. Ein Seniorenbett bietet lediglich eine leicht erhöhte Liegefläche, um das Aufstehen zu erleichtern, besitzt aber weder Elektromotoren für die Höhenverstellung noch eine Hilfsmittelnummer. Für ein Seniorenbett gibt es daher keine Kostenübernahme durch die Kassen.
Stufenlose Höhenverstellung per Knopfdruck
Der Bettgalgen fördert die Eigenständigkeit
Eine der häufigsten Fragen und gleichzeitig die größte Fehlerquelle bei der Beantragung ist die Zuständigkeit der Kostenträger. In Deutschland wird strikt zwischen der gesetzlichen Krankenkasse und der sozialen Pflegekasse unterschieden. Obwohl beide Institutionen oft unter demselben Dachverband angesiedelt sind, operieren sie nach völlig unterschiedlichen Gesetzbüchern und haben unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen.
Das Pflegebett über die Krankenkasse (Krankenpflegebett nach § 33 SGB V)
Krankenpflegebett. Ein anerkannter Pflegegrad ist hierfür nicht zwingend erforderlich. Die Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse sind erfüllt, wenn:
Eine akute Krankheit vorliegt, die eine längere Bettlägerigkeit erfordert (z. B. nach einem schweren Unfall, einer Operation oder bei einem akuten Bandscheibenvorfall).
Das Bett notwendig ist, um medizinische Behandlungen zu Hause durchzuführen (z. B. Infusionstherapien, komplexe Wundversorgung, Beatmung).
Das Bett dazu dient, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine bestehende Behinderung auszugleichen.
Um das Bett über die Krankenkasse zu erhalten, benötigen Sie zwingend eine ärztliche Verordnung (ein Kassenrezept, meist auf dem rosafarbenen Muster 16). Der Arzt muss die medizinische Notwendigkeit genau begründen und das Rezept bei der Krankenkasse einreichen.
Das Pflegebett über die Pflegekasse (Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI)
Pflegegrad (mindestens Pflegegrad 1) Voraussetzung. Die Kriterien der Pflegekasse sind erfüllt, wenn:
Erleichterung der Pflege: Das Bett reduziert die körperliche Belastung der pflegenden Angehörigen oder des ambulanten Pflegedienstes erheblich (z. B. durch die Höhenverstellbarkeit beim Waschen oder beim Transfer in einen Elektrorollstuhl).
Linderung von Beschwerden: Die verstellbare Liegefläche lindert Schmerzen (z. B. durch Hochlagern der Beine bei Ödemen oder durch eine erhöhte Oberkörperposition bei Atemnot).
Förderung der Selbstständigkeit: Der Pflegebedürftige kann durch den Aufrichter (Bettgalgen) oder die elektrische Verstellung des Rückenteils wieder selbstständig im Bett essen, sich aufsetzen oder leichter aufstehen, ohne jedes Mal Hilfe rufen zu müssen.
Für den Antrag bei der Pflegekasse ist nicht zwingend ein ärztliches Rezept erforderlich, jedoch ist eine formlose ärztliche Stellungnahme oder eine Empfehlung einer Pflegefachkraft äußerst hilfreich. Wenn der Medizinische Dienst (MD) im Rahmen der Pflegebegutachtung die Notwendigkeit eines Pflegebettes bereits im Gutachten vermerkt hat, gilt dies automatisch als Antrag, was den Prozess enorm beschleunigt.
Der bürokratische Weg zu einem Pflegebett kann auf den ersten Blick einschüchternd wirken. Wenn Sie jedoch systematisch vorgehen, ist der Prozess gut zu bewältigen. Befolgen Sie diese Schritte, um Verzögerungen und Ablehnungen zu vermeiden:
Schritt 1: Bedarfsermittlung und Beratung
Schritt 2: Die ärztliche Verordnung (Das Rezept) einholen
"Schwere Gonarthrose beidseitig, Aufstehen aus normalem Bett nicht möglich") und die Begründung (z. B. "zur Erleichterung der häuslichen Pflege und Mobilisation") enthalten. Wenn ein spezielles Bett (z. B. ein Schwerlastbett) benötigt wird, muss auch dies explizit auf dem Rezept stehen, idealerweise mit der passenden siebenstelligen Hilfsmittelnummer aus dem Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes.
Schritt 3: Einreichen des Antrags bei der Kasse
Schritt 4: Prüfung durch den Kostenträger und den Medizinischen Dienst (MD)
drei Wochen entschieden werden. Wird der Medizinische Dienst (MD) zur Begutachtung eingeschaltet, verlängert sich die Frist auf fünf Wochen. Der MD prüft nach Aktenlage oder durch einen Hausbesuch, ob die medizinische Notwendigkeit tatsächlich gegeben ist. Wenn die Kasse diese Fristen ohne triftigen Grund verstreichen lässt, gilt das Pflegebett nach § 13 Abs. 3a SGB V als genehmigt (Genehmigungsfiktion).
Schritt 5: Bewilligung und Lieferung durch das Sanitätshaus
Der Arzt stellt das Rezept aus
Die gute Nachricht vorweg: Ein Pflegebett, das medizinisch notwendig ist und von der Kasse bewilligt wurde, wird in der Regel leihweise zur Verfügung gestellt. Das bedeutet, die Kasse bleibt Eigentümer des Bettes und übernimmt die vollen Kosten für die Anschaffung, die Lieferung, den Aufbau sowie für zukünftige Reparaturen und Wartungen (z. B. die gesetzlich vorgeschriebene jährliche Sicherheitsprüfung nach DGUV Vorschrift 3).
Der gesetzliche Eigenanteil (Zuzahlung)
10 Prozent der Kosten des Hilfsmittels, jedoch maximal 25 Euro pro Hilfsmittel. Das bedeutet: Auch wenn das Pflegebett in der Anschaffung 1.000 Euro oder mehr kostet, zahlen Sie als Patient höchstens 25 Euro aus eigener Tasche an das Sanitätshaus. Diese Regelung schützt Versicherte vor hohen finanziellen Belastungen.
Befreiung von der Zuzahlung
Belastungsgrenze liegt bei 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Für chronisch kranke Menschen, die wegen derselben schweren Krankheit in Dauerbehandlung sind, sinkt diese Grenze auf 1 Prozent. Sammeln Sie daher alle Quittungen und beantragen Sie bei Ihrer Kasse rechtzeitig den Befreiungsausweis.
Stromkostenerstattung für das Pflegebett
Stromkostenerstattung für medizinische Hilfsmittel stellen. Die Kassen erstatten diese Kosten oft in Form einer jährlichen Pauschale. Dieser Anspruch kann sogar bis zu vier Jahre rückwirkend geltend gemacht werden.
Nicht jedes Pflegebett ist gleich. Je nach Krankheitsbild und individuellen Anforderungen gibt es spezialisierte Ausführungen, die über das Standard-Pflegebett hinausgehen. Der Arzt muss die Notwendigkeit eines speziellen Bettes auf dem Rezept gesondert begründen.
1. Das Standard-Pflegebett
90 x 200 Zentimeter, ist elektrisch viergeteilt verstellbar, verfügt über Seitengitter und Rollen. Es ist auf eine sichere Arbeitslast (Gewicht des Patienten plus Matratze und Zubehör) von etwa 170 bis 185 Kilogramm ausgelegt. Dies reicht für die meisten Pflegebedürftigen völlig aus.
2. Das Niederflurbett (Niedrigstpflegebett)
Niederflurbett ist, dass sich die Liegefläche extrem tief absenken lässt – oft bis auf nur 10 bis 20 Zentimeter über dem Fußboden. Wenn der Patient nachts aus dem Bett rollt, fällt er nicht tief, sondern gleitet sanft auf eine davor liegende Abrollmatte (Sturzmatte). Dadurch kann oft auf freiheitsentziehende Seitengitter verzichtet werden, was dem Patienten ein Gefühl von Freiheit und Sicherheit gibt, ohne das Verletzungsrisiko zu erhöhen. Zum Pflegen kann das Bett dann wieder auf die normale Arbeitshöhe von 80 Zentimetern hochgefahren werden.
3. Das Schwerlastbett (Bariatrisches Pflegebett)
Schwerlastbett ist extrem robust gebaut und verfügt über verstärkte Motoren. Diese Betten haben eine sichere Arbeitslast von 250 bis hin zu 350 Kilogramm. Zudem sind sie breiter (oft 100 oder 120 Zentimeter), um dem Patienten ausreichend Platz und Komfort zu bieten. Für die Bewilligung muss ein entsprechender Body-Mass-Index (BMI) oder das genaue Körpergewicht beim Antrag angegeben werden.
4. Der Pflegeeinlegerahmen (Bett-in-Bett-System)
Pflegeeinlegerahmen. Hierbei wird das alte Lattenrost aus dem bestehenden Bettgestell entfernt und durch einen elektrisch verstellbaren Rahmen mit Hubmotoren ersetzt. Der Rahmen steht auf eigenen Füßen innerhalb des alten Bettgestells. So bleiben die gewohnte Optik des Schlafzimmers und die Nähe zum Partner erhalten, während gleichzeitig alle Funktionen eines vollwertigen Pflegebettes (Höhenverstellbarkeit, Rückenverstellung) geboten werden. Voraussetzung ist, dass das bestehende Bettgestell baulich dafür geeignet ist (keine störenden Querbalken).
5. Das Stehbett
Stehbett kann die Liegefläche so weit aufrichten, dass der Patient in eine nahezu stehende Position gebracht wird. Der Patient wird dabei mit speziellen Gurten gesichert. Dies ist essenziell für das Kreislauftraining, die Osteoporose-Prophylaxe (Knochenbelastung) und die Entlastung der inneren Organe.
Niederflurbetten bieten Sicherheit bei Demenz
Einlegerahmen erhalten das gewohnte Ehebett
Ein Pflegebett allein löst oft nicht alle Probleme. Erst das passende Zubehör, welches ebenfalls ärztlich verordnet und von der Kasse bezahlt werden kann, macht die Versorgung komplett. Achten Sie darauf, notwendiges Zubehör am besten direkt mit dem Bett zusammen zu beantragen.
Die Antidekubitusmatratze
Dekubitus), einer tiefen, schwer heilenden Wunde. Eine Antidekubitusmatratze (z. B. eine Wechseldruckmatratze oder eine spezielle Weichlagerungsmatratze aus Kaltschaum/Viscoschaum) verteilt den Auflagedruck und fördert die Durchblutung. Sie ist ein absolut kritisches Hilfsmittel bei Bettlägerigkeit.
Der Bettisch (Beistelltisch)
Lagerungskissen und Rollen
Urinflaschenhalter und Infusionsständer
Sichern Sie sich monatlich zuzahlungsfreie Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel im Wert von 40 Euro direkt über die Pflegekasse.
Pflegebox anfordern
Trotz klarer gesetzlicher Regelungen kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Die häufigsten Stolpersteine, die Sie unbedingt vermeiden sollten, sind:
Bett vor der Genehmigung selbst kaufen: Das ist der größte Fehler! Die gesetzlichen Kassen erstatten fast nie die Kosten für Hilfsmittel, die Sie bereits auf eigene Faust gekauft haben (sogenannte Selbstbeschaffung). Stellen Sie immer erst den Antrag und warten Sie den schriftlichen Bewilligungsbescheid ab.
Unpräzises Rezept: Wenn der Arzt nur "Pflegebett" notiert, wird die Kasse im Zweifel das günstigste Standardmodell bewilligen. Wenn Sie einen Pflegeeinlegerahmen für das Ehebett oder ein Niederflurbett wegen Demenz benötigen, muss genau das auf dem Rezept stehen, inklusive einer detaillierten medizinischen Begründung.
Fehlende Einbindung des Pflegedienstes: Wenn bereits ein ambulanter Pflegedienst (wie ihn auch PflegeHelfer24 vermittelt) zu Ihnen nach Hause kommt, bitten Sie die Pflegekräfte um eine schriftliche Stellungnahme. Wenn eine professionelle Pflegekraft dokumentiert, dass sie den Patienten im normalen Bett nicht mehr rückenschonend waschen kann, hat das bei der Kasse enormes Gewicht.
Verwechslung von Krankenkasse und Pflegekasse: Reichen Sie den Antrag gezielt bei der richtigen Stelle ein (siehe Abschnitt oben). Ein Antrag bei der falschen Kasse wird zwar gesetzlich intern weitergeleitet, dies kostet jedoch wertvolle Wochen an Zeit.
Es ist ein Schock, wenn der lang ersehnte Bescheid der Kasse im Briefkasten liegt und das Wort "Ablehnung" enthält. Oft wird argumentiert, dass die medizinischen Voraussetzungen nicht erfüllt seien oder ein Pflegegrad fehle. Wichtig: Akzeptieren Sie eine Ablehnung niemals einfach so! Ein großer Prozentsatz der abgelehnten Hilfsmittelanträge wird nach einem Widerspruch doch noch bewilligt.
Gehen Sie bei einer Ablehnung wie folgt vor:
Frist wahren: Sie haben genau einen Monat (ab Zustellung des Bescheids) Zeit, um schriftlich Widerspruch einzulegen. Senden Sie zunächst ein kurzes Schreiben per Einwurf-Einschreiben an die Kasse: "Hiermit lege ich fristgerecht Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum] ein. Die ausführliche Begründung reiche ich in Kürze nach." Damit ist die Frist gesichert.
Gutachten anfordern: Fordern Sie bei der Kasse gleichzeitig das Gutachten des Medizinischen Dienstes (MD) an, auf dem die Ablehnung basiert. Sie haben ein gesetzliches Recht auf Akteneinsicht.
Begründung ausarbeiten: Lesen Sie das Gutachten durch und suchen Sie nach Fehlern. Hat der Gutachter die Sturzgefahr ignoriert? Wurde die schwere Rückenbelastung der pflegenden Tochter nicht dokumentiert? Gehen Sie mit dem Gutachten zu Ihrem behandelnden Arzt und bitten Sie ihn um ein fundiertes, detailliertes Widerspruchsattest, welches die Argumente der Kasse entkräftet.
Widerspruch einreichen: Senden Sie die detaillierte Begründung samt ärztlichem Attest an die Kasse. In vielen Fällen lenkt die Kasse nun ein. Sollte der Widerspruchsausschuss der Kasse erneut ablehnen, bliebe als letzter Schritt die Klage vor dem Sozialgericht (welche für Versicherte kostenlos ist).
Sicherheit gibt Lebensqualität zurück
In den meisten Fällen ist die Beantragung über die Kasse der richtige und kostengünstigste Weg. Es gibt jedoch Situationen, in denen der private Kauf eines Pflegebettes durchaus sinnvoll sein kann:
Kein Pflegegrad und keine akute Krankheit: Wenn Sie das Bett rein präventiv für das Alter anschaffen möchten, weil Sie es bequemer finden, wird die Kasse die Kosten nicht übernehmen. Hier bleibt nur der Privatkauf.
Hohe Designansprüche: Kassenbetten sind funktionale medizinische Hilfsmittel. Zwar sehen moderne Kassenbetten mit Holzverkleidung nicht mehr aus wie Krankenhausbetten, aber wer ein luxuriöses Designbett aus Massivholz oder speziellen Stoffen wünscht, das sich exakt in eine bestehende Design-Einrichtung einfügt, muss dieses privat erwerben.
Zeitmangel: Wenn ein Angehöriger völlig unerwartet als Pflegefall aus dem Krankenhaus entlassen wird und das Bett am selben Tag benötigt wird, dauert der Kassenweg manchmal zu lange (obwohl Krankenhäuser im Rahmen des Entlassmanagements Eilanträge stellen können). Manche Sanitätshäuser bieten an, das Bett sofort privat zu mieten, bis die Kasse die Kosten rückwirkend übernimmt (dies muss aber vorher vertraglich genau mit dem Sanitätshaus und der Kasse geklärt werden!).
Steuerlicher Tipp beim Privatkauf: Wenn Sie ein Pflegebett privat kaufen müssen, weil die Kasse abgelehnt hat, können Sie die Anschaffungskosten in Ihrer Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung (§ 33 EStG) steuerlich geltend machen. Voraussetzung hierfür ist ein ärztliches Attest, das vor dem Kauf ausgestellt wurde und die medizinische Notwendigkeit bescheinigt.
Ein Pflegebett ist ein zentraler Baustein, um die Pflege zu Hause zu ermöglichen. Doch oft reicht ein einzelnes Hilfsmittel nicht aus, um den Alltag sicher und komfortabel zu gestalten. Als Experten für die Seniorenpflege in ganz Deutschland weiß das Team von PflegeHelfer24, dass echte Entlastung ein ganzheitliches Konzept erfordert.
Neben der Beratung zu Pflegebetten unterstützen wir Sie bei der Organisation weiterer essenzieller Hilfsmittel und Dienstleistungen. Ein Hausnotruf bietet beispielsweise die Sicherheit, dass Ihr Angehöriger auch dann Hilfe rufen kann, wenn er nachts im Pflegebett liegt und nicht aufstehen kann. Wenn die Treppe im Haus zum unüberwindbaren Hindernis wird, beraten wir Sie unabhängig zu einem passenden Treppenlift. Und wenn die Pflege durch Angehörige an ihre Grenzen stößt, helfen wir Ihnen dabei, eine liebevolle und zuverlässige 24-Stunden-Pflege oder eine qualifizierte ambulante Pflege zu organisieren. Unser Ziel ist es, dass Senioren so lange und so sicher wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben können.
Weitere offizielle und verlässliche Informationen rund um das Thema Pflege, gesetzliche Ansprüche und Pflegegrade finden Sie auch auf den Informationsportalen der Bundesregierung, wie beispielsweise dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG).
Um Ihnen den Überblick zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Punkte für den Weg zu Ihrem Pflegebett noch einmal kompakt zusammengefasst:
Bedarf klären: Erleichtert das Bett die Pflege, lindert es Beschwerden oder dient es der Krankenbehandlung?
Zuständigkeit prüfen: Bei akuter Krankheit oder Behinderung ist die Krankenkasse zuständig (Rezept zwingend erforderlich). Bei Pflegebedürftigkeit zur Erleichterung der Pflege ist die Pflegekasse zuständig (Pflegegrad erforderlich, Rezept hilfreich, aber nicht zwingend).
Arztbesuch: Lassen Sie sich ein detailliertes Rezept oder eine ärztliche Stellungnahme ausstellen. Achten Sie auf exakte Diagnosen und ggf. die Angabe von Sondermodellen (z. B. Niederflurbett, Schwerlastbett, Pflegeeinlegerahmen).
Zubehör nicht vergessen: Beantragen Sie unbedingt eine Antidekubitusmatratze, einen Bettgalgen und bei Bedarf einen Bettisch gleich mit.
Niemals vorab kaufen: Stellen Sie erst den Antrag und warten Sie die schriftliche Genehmigung der Kasse ab, bevor Sie ein Bett bestellen.
Kosten: Das Bett wird meist leihweise überlassen. Die gesetzliche Zuzahlung beträgt maximal 25 Euro. Denken Sie daran, die Stromkostenerstattung bei der Kasse zu beantragen.
Widerspruch nutzen: Bei einer Ablehnung haben Sie einen Monat Zeit für einen Widerspruch. Nutzen Sie dieses Recht, es lohnt sich in sehr vielen Fällen.
Die Entscheidung für ein Pflegebett ist ein großer und wichtiger Schritt in Richtung einer professionellen, sicheren und vor allem würdevollen häuslichen Pflege. Es schützt die Gesundheit der Pflegenden und schenkt dem Pflegebedürftigen ein großes Stück Lebensqualität und Schmerzfreiheit zurück. Scheuen Sie sich nicht davor, Ihre gesetzlichen Ansprüche geltend zu machen – die Solidargemeinschaft der Kranken- und Pflegekassen ist genau dafür da, Sie in dieser anspruchsvollen Lebensphase zu unterstützen.
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick